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10.03.1995

Minderheitsbeteiligung und Joint-venture beschlossen Bertelsmann macht gemeinsame Sache mit America-Online-Dienst

MUENCHEN (qua) - Fuer Europa ist das Jahr der Online-Services angebrochen. Das altehrwuerdige Datex-J und der bereits etablierte Compuserve-Dienst erhalten heuer Konkurrenz von mindestens zwei Seiten. Neben der Europe Online S.A., Luxemburg, will auch die in Vienna, Virginia, heimische America Online Inc. ein lokales Kommunikations- und Informationsangebot aufbauen - gemeinsam mit der Bertelsmann AG, Guetersloh.

Nach Time Warner gilt Bertelsmann als der zweitgroesste Medienkonzern der Welt. Das Unternehmen blickt auf eine nahezu 160jaehrige Firmengeschichte zurueck und wies im vergangenen Geschaeftsjahr einen Umsatz von 18,4 Milliarden Mark aus, von denen nach Abzug der Steuern immer noch 700 Millionen in der eigenen Kasse verblieben. Mit seinem Buch- und Musikclub-Angebot bindet das westfaelische Unternehmen mittlerweile rund 30 Millionen Kunden.

Und jetzt will Konzernchef Mark Woessner massiv in das Multimedia- Online-Geschaeft einsteigen. Noch in diesem Jahr wird Bertelsmann mit dem wachstumsstarken US-Anbieter America Online (AOL) ein europaeisches Joint-venture ins Leben rufen, das zunaechst in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien den Aufbau von Kommunikations- und Informationsdiensten forcieren soll. 150 Millionen Mark lassen sich die Westfalen die Fifty-fifty-Beteiligung kosten.

Darueber hinaus hat sich Bertelsmann mit 50 Millionen Dollar bei America Online eingekauft. Die Finanzspritze fuer den Shooting-Star der amerikanischen Online-Szene verschafft den Deutschen einen Aktienanteil von fuenf Prozent und Woessner einen Platz im AOL- Board. Nach Angaben des britischen Branchendienstes "Computergram" haelt Bertelsmann eine Option auf ein weiteres Zehntel der America- Online-Aktien.

Gute Position im Kopf-an-Kopf-Rennen

Der Online-Service mit dem Yuppie-Image wurde 1985 gegruendet und verzeichnet mehr als zwei Millionen Abonnenten. Er liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Compuserve, das er frueher oder spaeter gewinnen duerfte. Die Haelfte der AOL-Abonnenten hat ihre Vertraege erst im vergangenen Jahr unterzeichnet. Folglich klingt es keineswegs unrealistisch, wenn das AOL-Management fuer 1995 eine Mitgliederzahl von drei Millionen anstrebt.

Im Gegensatz zu Compuserve bietet America Online bereits den Zugang zum Internet. Ausserdem geht die AOL-Oberflaeche besser auf Computerlaien ein, als es das User-Interface des sechs Jahre aelteren und von PC-Profis gepraegten Compuserve vermag.

In Europa ist America Online derzeit nur ueber die fuenf "Sprint"- Knoten erreichbar. Wie ein Bertelsmann-Sprecher dem "IDG News Service" mitteilte, plant das Verlagshaus jedoch, ein eigenes Netz mit rund 350 Zugriffspunkten zu installieren.

Das AOL-Bertelsmann-Venture wird in direkter Konkurrenz zu Europe Online stehen. Der von den Verlagshaeusern Burda, Matra-Hachette und Pearson initiierte Online-Dienst wird in der zweiten Jahreshaelfte ans Netz gehen - mit einem Angebot, das lokale Bezuege herstellt und kulturelle Eigenheiten der nationalen Maerkte beruecksichtigt. Dieselbe Nische wollen auch Bertelsmann und AOL besetzen.

Europe-Online-Geschaeftsfuehrer Juergen Ziessnitz zeigt sich von dem neuen Mitbewerber allerdings wenig beeindruckt. Er spuert Gegenwind aus einer ganz anderen Richtung: "Die eigentliche Konkurrenz sehe ich ganz klar bei Microsoft." Das Software-Unternehmen will den Zugriff auf seinen "Microsoft-Network"-Dienst mit dem Betriebssystem Windows 95 an die Benutzer bringen. Damit verschafft es sich, so Ziessnitz, "einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, den keiner von uns hat". Wie die anderen Online-Anbieter pruefe auch Europe Online derzeit die Moeglichkeiten, gegen diese "Wettbewerbsverzerrung" rechtliche Schritte zu unternehmen.