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18.09.1981

Mini-Anwender kennt keinen Umstellungsfrust

18.09.1981

Noch hat es sich nicht überall herumgesprochen, daß "schwere" Minis ein vollwertiger Universalrechner-Ersatz sein können. Die Versuchsfahrten einiger Anwender lassen jedoch darauf schließen, daß ein Vorurteil langsam abgebaut wird: Die Minis wären zwar gute Prozeßrechner, aber schlechte Prozentrechner. Vier Anwender wurden angenehm überrascht.

Als die Röhm Pharma GmbH, Darmstadt, mit ihrem MAI-Bildschirmcomputer Kapazitätsprobleme bekam, galt es zwischen einem Universalrechner und einem Mini zu entscheiden. Schon bald stellte das Röhm-Team fest daß der gewohnte Dialog bei den Mainframe-Maschinen nur mit sehr hohem Aufwand zu realisieren war. Daraufhin entschieden sich die Darmstädter für einen PDP-11-Mini von Digital Equipment und ließen sich die Software von einem Züricher Systemhaus stricken. Als echtes Manko empfindet DV-Chef Werner Richter das magere Angebot an kommerzieller Minicomputer-Software in Deutschland.

Aber speziell die Software-Vielfalt stellt heute ein wesentliches Kriterium für die Entscheidung dar, eine Ehe mit den Mini-Machern einzugehen.

Denk-Wende in der Chef-Etage.

Insbesondere bemängelt Richter das Fehlen von Spezialisten mit Kenntnissen kommerzieller Anwendungen bei den Mini-Lieferanten. Software-Unterstützung finde der Mini-Anwender häufig nur bei Systemhäusern. Dennoch würde Richter aus Kostengründen keinen Universalrechner fahren. Dabei gäbe es nämlich das Problem, daß ein qualifizierter Systemprogrammierer erforderlich sei, allein um die Betriebs-Software zu tunen und zu warten.

Da das Betriebssystem eines Minis integraler Bestandteil der gesamten Anwendung sei, könne hier auf einen derartigen Spezialisten verzichtet werden. Dies müsse, laut Richter, aber auch verlangt werden, da es im Mini-Bereich schwierig sei, geeignetes Fachpersonal zu finden. DV-Leute, so Richter, sähen ihre Karriere-Chancen eben immer noch vorwiegend im Mainframe-Feld. Seit aber auch die

Unternehmensleitungen am "Prestige der großen Schränke" zweifelten, vollziehe sich derzeit eine Denk-Wende in den Chef-Etagen.

Auch Michael Anscombe ist überzeugt, daß er mit einem Universal-Hobel im Haus seine Manpower entsprechend aufstocken müßte. Der Berliner DV-Chef bewältigt mit seiner 32-Bit-Maschine von Perkin-Elmer privatärztliche Abrechnungen bis hin zur gerichtlichen Mahnung. Als einer von vielen, die keine geeignete Software fanden, mußte er letztlich alles selbst programmieren. "Weil die Mini-Anbieter erst an der Schwelle zum Kommerz-Markt stehen", mäkelt Anscombe, "wird man als kommerzieller Kunde noch nicht so optimal bedient . "

Der Mitarbeiterstab der Mini-Maker sei noch immer stark auf den technisch-wissenschaftlichen Sektor ausgerichtet. Allen Widrigkeiten zum Trotz entschieden sich die Berliner dennoch für den Mini. In Preis und Leistung seien sie gegenüber vergleichbaren Universalrechnern oder MDT-Anlagen überlegen. Obendrein konnten IBM & Co. das spezielle Anwendungsproblem Anscombes nicht bewältigen. Für seine terminalorientierte Massendatenerfassung benötigte er einen dialogorientierten Rechner mit schneller Verarbeitung - Eigenschaften, die die Minis aus ihrem Geburtshaus mitbringen.

Keine Umstellungsrangeleien

Bessere Dialogfähigkeit stellte auch DV/ Org.-Chef Gerhard Rabe (Hamburger Stahlwerke GmbH) in den Vordergrund, als es galt, einen neuen Computer zu ordern. Wie seine Mini-Kollegen sah sich Rabe in Sachen Software alleingelassen. Die notwendige Programmier-Arbeit für seine Prime 760 teilte er sich mit einem Software-Haus. "Das absolute Plus der Minis", schwärmt Rabe, "liegt in der Kompatibilität von Software und Peripherie." Umstellungsprobleme, mit denen die Universalrechner-Anwender rangeln müßten, seien dem Mini-User nahezu unbekannt.

Das einfache Handling der Minis ist für die Frankfurter The Morgan Bank "bares Geld". Seine beiden HP 3000 kann DV-Leiter Günter Skrzipek mit "wenigen, einigermaßen technisch begabten Mitarbeitern" fahren. Mit einer gleichgroßen Universal-Anlage würde er einen riesigen Stab von Mitarbeitern benötigen.

Massive Probleme hatte indes die Bezirks Handels Zentrale in Günzburg, die auf ihrem Kommerz-Mini ein umfangreiches Warenwirtschafts-Abrechnungssystem fahren wollte. Nachdem das von einem Systemhaus erstellte Programm implementiert war, erwies sich der Rechner als zu langsam. Außerdem hatten die Günzburger mit permanenten Systemausfällen zu kämpfen. Der Hersteller machte es sich leicht und schob die Querelen auf falsche Programmierung. Wie auch immer - DV-Chef Anton Sautor fährt jetzt wieder MDT.