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20.06.1975 - 

BMW-Forschung wurde unabhängig

Mini für die Fachabteilung

MÜNCHEN - Vor drei Jahren begann die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der BMW-Werke, München, selbständig mit der Datenverarbeitung. Die BMW-Forscher arbeiteten zunächst mit einer IBM 1800 die an eine 370-155 gekoppelt ist. Da auf dem Großsystem zu lange CPU-Zeiten belegt wurden und die Resultate nicht immer rechtzeitig kamen, beschloß die Fachabteilung, es selbständig mit einem eigenen System zu versuchen. Nach eingehenden Untersuchungen und einem Benchmark-Test fiel die Entscheidung für eine HP 3000. Das System wurde mit der IBM - 800 gekoppelt. Die Verbindung erfolgt über einen Multiplexer und ein Interface, das zusammen mit HP entwickelt wurde.

Dr. Hermann Bruns, Leiter der zuständigen BMW-Abteilung: "Über Digitalleitung gehen wir direkt aus dem Prozeßrechner in den anderen Rechner mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von zirka 10 K-Baud." Wie der Benchmark-Test ergab, waren die CPU-Zeiten bei dem HP-System nur geringfügig niedriger als auf einem IBM-Großrechner-System: Auf dem IBM-System wurden 4,5 Sekunden und auf dem HP-System nur 4,7 CPU-Sekunden benötigt.

Durchaus Software-Komfort

Ein weiterer Gesichtspunkt bei der Entscheidung für das HP-System war die Software. Dr. Bruns erläutert die Entscheidungskriterien: "Für uns war die Möglichkeit, eine Datenbank aufbauen zu können, entscheidend. Das Problem können wir heute mit dem Datenbank-System-"lmage" leicht lösen. Wir haben ein sehr elegantes Abfragesystem "Query" und eine recht gute Anwendungs-Software für den technischen Bereich, Simulationsprogramme und so weiter, eben alles, was wir als Techniker gut gebrauchen können." Die einzelnen Programme sind in den Sprachen Fortran, Cobol, dem Makro-Assembler SPL (System Programming Language) sowie einer weiterentwickelten Version von Basic - für den Einsatz von Time-sharing und Batchverarbeitung - geschrieben.

Innerhalb eines Hauptprogrammes ist es möglich, Unterprogramme in unterschiedlichen Programmiersprachen zu verarbeiten.

An das HP-System sind 16 Terminals anschließbar, momentan gibt es bereits vier Stationen. Ein Bildschirm ist für die Systementwicklung und Programmierung angeschlossen, es wird direkt über den Bildschirm programmiert. Mit dem zweiten Bildschirm werden Online-Auswertungen gefahren. Zwei Teletypes stehen zur Verfügung, um bereits weitere Untersuchungen für einen reibungslosen Multiuser-Betrieb durchzuführen. Das HP-System besteht momentan aus einem 98 K-Byte-Rechner, Magnetplattenspeichereinheiten mit 10 Mega-Byte, einem Magnetband, einem Kartenleser, einem Drucker und einem Trommel-Plotter.

Aufbau einer Datenbank

In der BMW-Forschungs- und Entwicklungsabteilung werden heute Versuchsauswertungen gefahren und Datenbanksysteme zur Entwicklung und Konstruktion von neuen Fahrzeugtypen aufgebaut. Bei der Erprobung von neuen Testfahrzeugen werden Kraftstoffverbrauch, Kilometerstand, Teileausfall über Computer eingegeben und ausgewertet. Die BMW-Mitarbeiter aus der Datenverarbeitung berichten über Versuchsergebnisse: "Wir wollen Datenbanken über Versuche mit Testfahrzeugen aufbauen. So verfolgen wir zum Beispiel ein Testfahrzeug während der ganzen Erprobungszeit. Mit Hilfe des Computers wird dabei laufend beobachtet: Welche neuen Teile befinden sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Versuchswagen? Wann sind sie eingebaut worden? Wann sind sie kaputt gegangen? Wann wurde etwas geändert? Damit haben wir die Möglichkeit, den Testablauf eines Versuchswagens genau festzuhalten."

Hoher Turnaround

Dr. Bruns erläutert seine Entscheidung, warum er sich von der 370/155 langfristig loslösen möchte: "Wir müssen zwar teilweise längere Verarbeitungszeiten in Kauf nehmen, aber durch den Online-Zugriff können wir eine wesentliche Zeitersparnis erreichen. Dabei wird dem Ingenieur das Gefühl vermittelt, jederzeit mit der Anlage arbeiten zu können. Zur Zeit spielt es keine Rolle, daß die Bearbeitungszeiten unserer HP-Anlage gelegentlich gegenüber der IBM-Anlage bis zu 4:1 größer sein können. Der einzelne Mitarbeiter kann aber direkt am Terminal oder bei Batch-Betrieb am Rechner selbst auf seine Ergebnisse warten."