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17.11.1989 - 

Mehrprozessor-Mikro mit Server-Qualitäten

Mini-Pläne: Compaq wird PC-Markt zu eng

MÜNCHEN (CW) - Die Compaq Computer Corp. will mit dem neuen "Systempro" die Minicomputer-Hersteller das Fürchten lehren, Minicomputer nennen will sie das Doppelprozessorsystem nicht (siehe auch Kolumne, Seite 9).

Der texanische Desktop-Produzent offeriert eine interessante Möglichkeit, bei der Einführung von LAN-Server-Konzepten Geld zu sparen: Wer die Ausgaben für eine Minilösung scheut, kann für 33 500 Mark ein "Compaq Systempro Personal Computer System" erwerben. Der als Clone-Anbieter bekannt gewordene Hersteller will über das Preis-/Leistungs-Verhältnis verkaufen - der Interessent muß allerdings auf eine Rundumbetreuung verzichten.

Wie der neue Deskpro 486/25 basiert der Systempro auf der EISA-Architektur. Er kann mit zwei 386- oder 486-Intelprozessoren ausgerüstet werden. Compaq gibt an, daß der Systempro eine Performance von acht bis 40 MIPS erreichen werde. Der Datenaustausch zwischen Prozessor und Hauptspeicher läuft auf einem eigenen 32-Bit-Bus (Flex-Architektur). Zusätzlich zum acht Kilobyte großen internen Cachespeicher des 486-Prozessors verfügt der Rechner über eine externen oder sekundären Cache von 64 Kilobyte, dessen SRAM-Bausteine mit Zugriffszeiten von 25 Nanosekunden extrem schnell sind. Laut Herstellerangaben kann der Systempro fast zu 98 Prozent ohne Wartezyklen bei 33 MHz arbeiten.

Alte Modelle werden mit vier Megabyte Arbeitsspeicher geliefert. Festplattenkapazitäten von 240 bis 840 Megabyte stehen zur Verfügung, wobei die bislang nur in Großrechnersystemen eingesetzte Drive-Array-Technologie eine um das Vierfache höhere Datenübertragung gewährleisten soll. Preise reichen von etwa 33 500 bis 55 000 Mark. Die Verfügbarkeit des Systempro 386 gibt Compaq mit Mitte Dezember, für die 486-Variante mit Mitte 90 und für den Deskpro 486/25 mit Januar '90 an.

Nelson-Benchmarkzahlen weisen für den Systempro mit zwei 80386/33-MHz-Prozessoren unter Unix mit 60 Benutzern sowohl gegenüber einer Vax 6310 (6:1), einem HP-Rechner 9000/835 (3:1) und auch einer IBM AS/400 Modell B30 (9:1) erhebliche Vorteile aus.

Frank Berger, Leiter Unternehmenskommunikation bei DEC Deutschland, beurteilt diese Zahlen sehr zurückhaltend. Man müsse sich fragen, unter welchen Betriebssystemvoraussetzungen die Tests gefahren wurden. "Wir verkaufen auch gegen starke Konkurrenz unsere Workstations unter VMS oder Ultrix mit Erfolg. Deshalb wirft uns die Compaq-Ankündigung auch nicht um." Berger weiter: "Außerdem zählen vor allem die verfügbare Software oder die Fähigkeit, solche Systeme in bestehende Landschaften zu integrieren."

In die gleiche Kerbe haut Ottmar Schneider, verantwortlich für den Marketingbereich Mehrplatzsysteme bei der deutschen Hewlett-Packard. Die neuen PCs würden natürlich eine Überlappung im Minileistungsbereich darstellen. "Wichtig ist aber vor allem die Verfügbarkeit von Software. Und in der Welt der PCs ist immer noch Xenix die Basis - auch die nächste System-V-kompatible Version. Diese Software ist aber üblicherweise in erster Linie auf Kleinunternehmen und Mittelständler ausgerichtet. Die Software für Abteilugsrechner ist in der PC-Welt jedoch nicht vorhanden." In einem Third-Party-Kanal, der die Kleinunternehmen adressiert, würden die Compaq-Maschinen sicherlich einen Markt haben. Der Vorteil von DEC- oder- HP-Rechnerwelten sei aber, daß die gesamten Bedürfnisse eines Unternehmens auf Abteilungsrechnerebene abgedeckt werden könnten.

Compaq-Sprechen Edmund Hain räumte denn auch ein, daß beim Support der neuen Rechner Probleme entstehen könnten. "Wir werden deshalb auch nicht den Fehler machen, den Systempro gegen die VAX zu positionieren, weil wir den Support etwa von Digital noch nicht bieten können." Mit dem Systempro werde jedoch eindeutig ein Serverkonzept auf Basis von Unix anvisiert.