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22.11.1985 - 

Datenbanksysteme auf Mikrocomputern leiden unter ihrer Definition:

Mini-Schritt von der Zukunftsmusik zur Realität

Über den Begriff Datenbank herrscht im Zusammenhang mit Mikrocomputern große Begriffsverwirrung. Simple Sortierprogramme oder Speicher-Suchroutinen werden oft als Datenbank bezeichnet. Inzwischen gibt es aber auch Datenbanken, die mit denen entsprechender Großrechner vergleichbar sind.

Ein Werbespruch von Big Blue für PCs lautet etwa: "Tausende kluger Köpfe arbeiten weltweit an der Erstellung neuer Programme". Tatsächlich aber haben sich bisher Tausende immer wieder den Kopf zerbrochen, auf welchem Wege eingegebene Daten den Informationsansprüchen entsprechend wieder aufgefunden werden können. Dateizugriffsmethoden mußten bei den Mikrocomputern von den Programmierern "von Hand" erstellt und das Rad zum aberhundertsten Mal erfunden werden.

Relationale Datenbankprogramme wie dBase wurden daher mit großer Begeisterung aufgenommen. Datenbanken für Mikrocomputer, die Kommandosprachen für die Eingabe Abfrage und auch bedingte Manipulation der Daten enthalten, sind für umfangreiche Karteien, zum Speichern und Wiederauffinden nach verschiedensten Kriterien sehr nützlich, komplexe Anwendungen sind aber damit nur äußerst schwierig zu erstellen.

Zugriffswege zur DB müssen genutzt werden

Für die Micral-Mikrocomputer bietet Bull unter seinem Betriebssystem Prologue ein eigenständiges Datenbanksystem an. Die Verfügbarkeit unter MS-DOS ist angekündigt. Diese Datenbank zeichnet sich durch Merkmale aus, die neue Perspektiven eröffnen. In der Datenbank können 255 Dateien verwaltet werden, wobei gleichzeitig zehn Dateien miteinander verknüpft werden können. Die ISAM- und Multikriteria-Dateiverwaltung, die Bull bereits früher im Betriebssystem Prologue anbot, sind Untermengen der Datenbank und erleichtern den Einstieg aus älteren Applikationen. Betriebssystem und Datenbank sind mehrplatzfähig.

Ein wichtiger Unterschied gegenüber anderen Systemen, wie zum Beispiel dBase, liegt darin, daß Daten aus der Programmiersprache heraus eingespeichert, gelesen, geändert und gelöscht werden können. Dies ist in dem genannten Beispiel dBase zwar auch möglich, aber dann nur über relativen Dateizugriff. Wichtig ist aber hier, daß der Programmierer die Zugriffswege der Datenbank nutzen kann.

Die Prologue-Datenbank wird ergänzt durch ein Eingabe- und Abfragesystem namens "Dialogue", welches wiederum in vielen Funktionen dBase entspricht. Durch entsprechende Kommandos können Dateien eingerichtet, Abfragen durchgeführt und Listen erstellt werden.

Mit der Bull-Datenbank unter Prologue steht somit dem Programmierer ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung. Werden damit nunmehr alle Anwendungen für die Bull-Micral-Computer mit Hilfe der Datenbank programmiert?

Die Möglichkeiten dieses Konzeptes erzeugten sicherlich sofort große Erwartungen, ließen sich doch jetzt Anwendungsprogramme mit enormen Informationsmöglichkeiten für den Anwender mit erheblich geringerem Aufwand als bisher erstellen. Andererseits werden auch bereits heute Anwendungsprogramme für Mikrocomputer nicht mehr stets auf der grünen Wiese entwickelt. Das heißt, es gibt vorhandene Software, und sie auf eine Datenbank umzustellen ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Dies ist übrigens ein Problem, das dazu geführt hat, daß auch bei Großrechneranlagen bei weitem noch nicht alle Programme auf verfügbare Datenbanksysteme umgestellt sind.

Darüber hinaus waren die Software-Entwickler, die mit Prologue arbeiteten, bisher durch die bei Mikrocomputern absolut nicht selbstverständlichen Möglichkeiten indexsequentieller Dateiverwaltung und Multikriteria keine Stiefkinder. Komfortable Lösungen mit datenbankähnlichen Abfragemöglichkeiten existierten bereits durch entsprechende Programmierung.

Ein Anwendungspaket, das ein Datenbanksystem nutzt, kann sicherlich nicht ohne grundlegende Analyse und Planung aus dem Boden gestampft werden. Eine professionelle Software-Entwicklung ist daher Voraussetzung. Bei den vielen Feierabendprogrammen, die es gerade bei Mikrocomputern gibt, wird sich der Einsatz von Datenbanken für komplexe Anwendungen daher nicht von heute auf morgen realisieren lassen.

Für den professionellen Programmentwickler gibt es dagegen Hindernisse, die einem breiteren Einsatz bisher oft noch im Wege gestanden haben. Im Vergleich zu den Kosten der Datenbanksysteme für Großrechner sind die für Mikrocomputer geradezu lächerlich. Dafür herrschen auf dem Kleinrechnermarkt aber auch völlig andere Preisrelationen für die Anwendersoftware.

Immerhin muß der Programmentwickler neben seiner Software zusätzlich die Datenbank an den Anwender verkaufen. Dies hat bei bereits vorhandenen, teuren Datenbanksystemen dazu geführt, daß diese kaum genutzt wurden. Durch die sinkenden Kosten für Hauptspeicher sind auch eventuelle Mehrkosten bei der Hardware kein Thema mehr.

Somit ergeben sich völlig neue Perspektiven für qualitativ hochwertiges Anwendungssoftware auf Mikrocomputern. Es dürfte daher keine Frage sein, daß sich die Datenbanksysteme auch bei den Mikrocomputern durchsetzen werden.

Peter Schaal ist Geschäftsführer der Schaal Informatic GmbH, Essen.