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11.12.1981 - 

Neue Methoden der Meß- und Auswerttechnik bei Berliner Projekt SASE:

Mini- und Mikrocomputer erfassen Spitzen

SASE (Sicherung der Ausfallreserven bei der Stromerzeugung) heißt ein seit 1979 laufendes Projekt zur stichprobenartigen Ermittlung des Stromverbrauchs in 500 Berliner Haushalten und der Hochrechnung/statistischen Auswertung in bezug auf die insgesamt zirka 830000 Haushalte. Ziel ist es, Stromspitzen durch ganz kurzes Abschalten beziehungsweise durch Aussteuerung der Haushaltsgeräte abzubauen und damit der auf Extremfälle ausgerichteten Kraftwerkskapazität zu einer besseren Auslastung zu verhelfen.

Das Projekt, das zur Zeit mit 2,3 Millionen Mark vom Bundesministerium für Forschung und Technologie gefördert wird, ist nicht nur energiepolitisch bedeutsam, es bedient sich auch neuartiger Methoden der Meß- und Auswerttechnik auf Mikro- und Minicomputerbasis. Beteiligt sind die Firmen Harris/Frankfurt auf der Computer- und MCS/Berlin auf der Mikroprozessor-/Meßtechnikseite, ferner Dipl.-Phys. Rolf Kreibich als Geschäftsführer des Instituts für Zukunftsforschung (IFZ GmbH)/Berlin sowie die Professoren der Freien Universität Berlin, Strümpel (Institut für Markt und Verbrauchsforschung) und Lenz (Institut für Angewandte Statistik).

Spezielle Datenerfassungsgeräte (Mikrocomputer) mit Kassettenspeicher (Minikassette), Analog-/Digital-Umwandler, Pufferbatterie, Real-time-Uhr mit Kalendarium und jeweils 16 Eingangskanälen für die verschiedenen Haushalts-Elektrogeräte wurden auf freiwilliger Basis in ausgewählten Berliner Haushalten installiert.

Die Aufzeichnung erfolgt nicht im festen, möglicherweise zur Erkennung von Spitzenbelastungen zu großen Zeittakt, sondern jeweils im Bedarfsfall.

Dieses Prinzip der Aufzeichnung - auch invariante Einbettung oder "next event approach" genannt - wurde hier erstmals mit Erfolg eingesetzt.

Die Datenstruktur auf den Minikassetten ist äußerst kompakt. Jeder Meßsatz beinhaltet unter anderem die Kanalnummer, Strom- und Spannungswerte, Uhrzeit und eine Statusmeldung. Diese Daten werden - als weitere Besonderheit - nicht parallel mit dem Verbrauch auf die Kassette aufgezeichnet, sondern erst zwischengespeichert.

Aus Gründen der Budgetrestriktionen werden nur 50 derartige Meßgeräte in dem Projekt eingesetzt - umschichtig im 1,3-Wochen-Turnus bei 500 Haushalten. Diese wurden nach statistischen Gesichtspunkten vom Institut für Angewandte Statistik in Zusammenarbeit mit der BEWAG ausgewählt.

Bei der Installation der Mikrocomputer in den Haushalten erfaßt der Techniker die Daten der vorhandenen Elektrogeräte, Datum/Uhrzeit bei Beginn/Ende der Registrierung, Zählerzustand, Geräte- und Kassettennummer sowie die Haushaltsnummer auf Formularen, die später mit der bespielten Kassette zur Auswertung an den Harris-Rechner im Institut für Angewandte Statistik gehen. Kassetten- und Haushaltsnummer werden zusätzlich über eine Tastatur direkt in das Datenerfassungsgerät eingegeben und zusammen mit der Identifikationsnummer, die jedem Gerät als Schlüsselwert fest zugeordnet ist, auf der Kassette aufgezeichnet.

Bei der Rechenanlage - einem Minicomputer vom Typ Harris H 100 - handelt es sich um ein System mit Vordergrund-(Dialog-) und Hintergrund-(Batch-)Verarbeitung sowie Multiprocessing- und Timesharing-Eigenschaften. Der virtuelle Hauptspeicher umfaßt 624 KB, angeschlossen sind zwei Plattenlaufwerke a 80 MB, ein Magnetbandgerät (800 bpi), ein Zeilendrucker (450 Zeilen pro Minute), 14 Bildschirmgeräte sowie ein grafischer Bildschirm und ein Plotter (von HP) und das Minikassetten-Lesegerät von MCS.

Die von den auf Stichprobenbasis ausgewählten Haushalten zurückkommenden Minikassetten werden von dem MCS-Gerät gelesen und die Meßwerte (insgesamt 2000 Kassetten mit jeweils bis zu 8000 Meßwerten) zur Datensicherung auf Magnetband gespeichert.

Der grafische Bildschirm dient dazu, die Meßwerte (Lastganglinien) als Zeitreihen darzustellen - und zwar in ihrer Gesamtheit, als auch (gerätespezifisch über die jeweils erfaßten 1,3 Wochen je Meßquartal beziehungsweise in Form eines "Lupeneffekts" über einen Tag, eine Stunde und so weiter. Es ist letztlich also auch genau festzustellen, welches Elektrogerät zu welchem Zeitpunkt einen Spitzenverbrauch hatte.

Wenn auch die getesteten Haushalte dem Projektteam nicht namentlich bekannt sind, so läßt sich durch die ungemein exakten Auswertungen natürlich sehr viel über die individuellen Gewohnheiten der Haushalte erfahren. Dem Datenschutz mußte also in dem Projekt eine ganz hohe Bedeutung eingeräumt werden.

Meßwertspeicherung und -auswertung werden komplett über den Harris-Computer, der gleichzeitig auch der studentischen Ausbildung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der freien Universität Berlin dient, gefahren.

Standleitungen über 9600 beziehungsweise 4800 Baud sind zu einer Cyber 835 und einer Siemens 7.541 geschaltet. Über Remote-Job-Entry kann die Harris H 100 mit beiden zur gleichen Zeit arbeiten.

* Angelika G. Loewenheim ist freie Fachjournalistin für EDV und Bürotechnik, Erzhausen.