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IDC Marktstudie:


23.04.1976 - 

Minicomputer in Europa

MÜNCHEN - Langsam und allmählich breitet sich die Anwendung von Minicomputern auch in Europa aus - speziell in der BRD. Dies beweist eine Untersuchung der IDC Deutschland über den europäischen Markt für Minicomputer.

Gigantisch ist allerdings heute noch der Abstand zu den USA. Allein 75 Prozent aller Anwender waren 72 in den USA zu finden und nur 15 Prozent in Europa. Mit anderen Worten: In den Staaten gab es damals bereits weniger General-Purpose-Computer als Minis, in Europa überwiegt dagegen heute noch der Universalrechner.

Europa-Anteil steigt langsam

Da ist es nur natürlich, daß das große weltweite Geschäft in diesem Sektor von den Amerikanern gemacht wird, obwohl sich die Relation etwas zugunsten der

"Nicht-Amerikaner" verschiebt (in 73 waren schon 16 Prozent der Systeme in Europa installiert und nur noch 72 Prozent in den USA).

Dennoch - von den installierten Systemen entfallen weltweit nur 5 Prozent auf die europäischen Hersteller, den Rest des Geschäfts teilen sich vor allem die Amerikaner, und dies, obwohl IBM in diesem Sektor bis vor kurzer Zeit bemerkenswerte Zurückhaltung gezeigt hat. Großmogul ist hier vor allem Digital Equipment mit einem Weltmarktanteil von über 30 Prozent. Auch in Europa scheint die Stellung von DEC ungefährdet. Speziell in der BRD hat sich dieser Hersteller erfolgreich etabliert, und nur in Frankreich zeigen sich am hohen Anteil der einheimischen Hersteller die Früchte unterstützender Regierungspolitik.

Was ist in der Zukunft zu erwarten?

Eine geradezu rasante Entwicklung erwartet IDC in der Bundesrepublik, wenn man die einzelnen nationalen

Märkte Europas unter die Lupe nimmt. Während die Experten für England und Italien vergleichsweise pessimistische Zukunftserwartungen hegen, sehen sie die Märkte in der BRD und Frankreich in rosigem Licht. Hauptträger der Entwicklung wird die BRD sein, und überwiegend wegen dieses Marktes wird Europa insgesamt auch künftig interessant bleiben, wenn man den Weltmaßstab anlegt. Nirgendwo in Europa dürfte aber auch der Druck der Anbieter auf die zukünftige

Anwendungsentwicklung so groß sein wie hierzulande.

Gefahr für Siemens und AEG?

Gefahr also für Siemens und AEG?

Wahrscheinlich kaum, denn einerseits wird die schützende Hand des Bundesministeriums für Forschung und Technologie in der Zukunft weiter wirksam bleiben und andererseits haben sich die beiden deutschen Großen in unserem Markt so unersetzbar gemacht, daß sie in ihrem speziellen

Know-how von den meisten internationalen Herstellern kaum zu verdrängen sein dürften.

Aber ist dieses Know-how zukünftig eigentlich noch etwas wert? Wer sind denn die zukünftigen Anwender, und welche Systeme benötigen sie?

Chancen für Europäer

Nur ein Teil der Entwicklung - behauptet IDC - wird vom Können der Europäer mitgetragen: Das ist der Markt der "Superminis", also der Systeme mit hohem Intelligenzgrad und dementsprechendem Kaufpreis. Hier scheinen speziell Siemens und auch AEG ausreichend gerüstet. Ein anderer Teil des Marktes besteht aber aus den Mikroprozessoren, in die aus europäischer Sicht verstärkt investiert werden sollte - schon wegen der zu erwartenden Konkurrenz aus Japan.

Der Anteil der Super-Minis zwischen 1975 und 1979 am gesamten Weltmarkt und damit die Rolle, den diese Systeme auf die Erweiterung des Marktes ausüben, ist in drei vergleichenden Abbildungen dargestellt. Man sieht, wenn es Siemens und AEG gelingen würde, auf diesen fahrenden Zug aufzuspringen, dann wäre das sicherlich mit ein Garant für eine gesicherte Zukunft.

Kaum Konkurrenz zur MDT

Nur - der Zug fährt weltweit und fast überall schneller als bei uns in Europa. Es nützt also nicht viel, wenn man sich nur auf die einheimischen Märkte beschränkt.

Der Unterschied zwischen Europa und den USA liegt eigentlich vor allem daran, daß die Minis amerikanischer Konvenienz im kommerziellen EDV-Bereich keine Konkurrenz darstellen für unsere allseits gehätschelte Mittlere Datentechnik. Ganz im Gegensatz

zu den USA, denn dort ist dies heute und morgen der Hauptmarkt für Minis. Für amerikanische Verhältnisse klingt der Name Nixdorf immer noch exotisch.

In Europa - speziell in der BRD - wird die Zukunft im Minicomputerbereich getragen von solchen Anwendern, die derartige Systeme für nichtkommerzielle Zwecke einsetzen. Bei uns ist vor allem die Anwendung als Prozeßrechner, für Betriebsdatenerfassung, im wissenschaftlichen Bereich und in Zukunft überragend im nachrichtentechnischen Sektor zu suchen. Während im ersteren Fall in der BRD die Rolle der Systemhäuser wie etwa Krupp oder MBB sicherlich zu würdigen ist, bleibt für die nachrichtentechnische Anwendung der Minis die große Herausforderung an Siemens und AEG, die aber die besten Voraussetzungen zu deren Erfüllung mitbringen.

Zum einen besitzt die Bundesrepublik durch ihr ausgebautes Netz von technologisch weit entwickelter Produktion und der damit verbundenen Forderung nach größtmöglicher Automatisierung ein großes Reservoir von potentiellen Anwendern, und zum anderen gibt es deutsche Hersteller mit Weltgeltung im Bereich der Nachrichtentechnik. Darüber hinaus hat auch die deutsche Büromaschinenindustrie in der Welt eine

starke Stellung - ein weiterer Zukunftsbereich für Minis.

Quelle: IDC Deutschland, München, Studie "Minicomputers in Europe"

* Dipl. - Kfm. Rainer Kolshorn leitet bei der IDC Deutschland ( München) den Geschäftsbereich

"Marketing-Services und -Beratung".