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15.09.1978 - 

Sperry-Univac-Rechner in der Leitzentrale des Essener Hauptbahnhofs:

Minicomputer steuern Stadtbahnverkehr

In Essen, einer der größten und verkehrsreichsten Städte der Bundesrepublik, wurde vor kurzem ein modernes computergesteuertes U-Bahn-System eingeweiht. Vorerst beträgt die Strecke der U-Bahn, hier Stadtbahn genannt, nur wenige Kilometer und reicht von Essen-Hauptbahnhof bis Mülheim. Sie wird als Modellstrecke betrachtet.

Dem Projekt Stadtbahn Rhein-Ruhr gehören 12 Städte an, die 1969 eine Gesellschaft für den Ausbau ihrer lokalen Stadtbahnnetze gründeten. Die Fertigstellung des Gesamtnetzes ist für den Anfang des 3. Jahrtausends, das heißt in rund 25 bis 30 Jahren geplant.

Mit der Stadtbahn-Gesellschaft Rhein-Ruhr in Gelsenkirchen, hat Sperry Univac einen Vertrag zur Automatisierung der Modellstrecke und des umliegenden Netzes (zur Zeit noch Straßenbahn) mit Hilfe von Minicomputern geschlossen. Inzwischen sind die Systeme in der Betriebsleitstelle im Essener Hauptbahnhof und in zwei Stellwerken installiert. Sie dienen der Entlastung des Stellwerkpersonals und sorgen für eine Optimierung in der Zugsteuerung und Zugfolge. Das heißt, daß die Züge pünktlicher, öfter und schneller fahren und mit mehr Komfort gesteuert werden.

In den Spitzenzeiten laufen heute in der unterirdischen Straßenbahn und Stadtbahn-Station des Essener Hauptbahnhofs die Züge zum Teil im Abstand von wenigen Sekunden ein, so daß die "Zuglotsen" (die Stellwerker) gar nicht mehr in der Lage wären, auf herkömmliche Art und Weise Fahrwege freizuhalten, zu reservieren, zu sperren, Signale und Weichen zu stellen, das heißt, das gesamte Netz auf einen Blick sekündlich zu überwachen.

Mit Hilfe von Computern funktioniert das folgendermaßen: Jedem Stellwerk ist ein Zuglenkrechner zugeordnet. Aus der Zugsicherungsanlage, die den jeweils augenblicklichen Zustand (Weichen- und Signalstellungen, Fahrstraßenbelegung, etc.) durch Kontakte nachbildet und sichert, entnimmt der Rechne permanent alle wichtigen Daten, die er für die automatische Betriebsführung benötigt. Die Stellwerker überwachen zwar zusätzlich den Stelltisch visuell, und manuell eingreifen zu können, was sich jedoch im Normalfall erübrigt. Zusätzlich können die Bediener weitere Informationen wie momentaner Zugstandort, Fahrpläne, Verspätungen oder Ausfälle aus den angeschlossenen Bildschirmterminals entnehmen und die Situation auf den einzelnen Bahnhöfen über Fernsehmonitore überblicken. Auf Grund der Vorgaben "weiß" der Zugelenkrechner durch Vergleich der Soll- mit den Ist-Daten, wie er den Zug zu leiten hat.

Weitere Aufgabe des Zuglenkrechners ist die Überwachung und frühzeitige Einstellung der Zugzielanzeiger auf den einzelnen Bahnhöfen, die durch Übermittlung entsprechender Befehle an die Bahnhofsrechner erfolgt. Der Zuglenkrechner ist für besondere Sicherheit als Doppelprozessorsystem ausgelegt. Bei Störungen wird die Peripherie sofort auf die zweite Zentraleinheit umgeschaltet, so daß der Betrieb unbemerkt von Stellwerkspersonal, Fahrern und Fahrgästen reibungslos weiterläuft.

Im Rechnerraum am Essener Hauptbahnhof ist noch ein weiteres Sperry-Univac-Minicomputersystem installiert, der sogenannte Dispositionsrechner Er erfüllt zentrale Aufgaben, die nicht stellwerkbezogen sind, er steuert Durchsagen auf den Bahnhöfen und speichert und aktualisiert Fahrpläne Er steht in der Systemhierarchie über den Zuglenkrechnern und wird von diesen sowohl wie den Bahnhofsrechnern als den kleinsten Einheiten des Systems von Routinearbeiten entlastet Dieses Prinzip der verteilten Intelligenz bietet eine hohe Systemdurchsichtigkeit und kurze Ausführungszeiten.