Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Fazit nach 10 Jahren Großcomputererfahrung

Minis sind bei der Schule am besten

02.04.1976

Aus den Erfahrungen, die DV-interessierte Lehrer an der Berufsbildenden Schule Duisburg-Rheinhausen gesammelt haben, können auch DV-Praktiker in Betrieben ihre Schlüsse ziehen - nicht nur in bezug auf das betriebliche Bildungswesen. Nach zehn Jahren Erfahrung mit Großcomputern ergab sich der Schluß: Minis sind für die Schule das einzig Wahre. Weil Rechenzeit auf Großsystemen zu teuer und der Programmieraufwand zu hoch ist, will die Schule mit rund 2300 Schülern, 50 haupt- und 30 nebenberuflichen Lehrern demnächst das dritte dedizierte Kleinrechnersystem einsetzen - jedes für einen anderen Aufgabenbereich.

DUISBURG - An der städtischen Berufsbildenden Schule Rheinhausen wurde bereits 1966 das erste Software-Paket für den DV-Einsatz in der Schulverwaltung erarbeitet und eingeführt. Man wollte damals die rund 50 Lehrer der Schule von vielen artfremden Tätigkeiten entlasten. Die seinerzeit etwa 2100 Schülerdatensätze wurden bis 1968 als Lochkartenbestände auf einer Tabelliermaschine abgearbeitet. Schon die Computertechnik der ersten Generation brachte erhebliche Arbeitserleichterungen. So konnten bereits ab Frühjahr 1967 Klassenübersichtslisten für die damals vorhandenen rund 1000 Klassen der Schule ebensogut geschrieben werden wie die Alphaliste aller Schüler, Ordinariatslisten, zahnmedizinische Untersuchungen, röntgenologische Belege, Büchergutscheine im Rahmen des Lernmittelfreiheitsgesetzes, Zeugnisse und so weiter. Selbstverständlich wurden auch sämtliche für die Jahresstatistik benötigten Daten mit Hilfe der Datenverarbeitungsanlage ermittelt - sie werden heute noch durch einen 256-KB-Großrechner des kommunalen Rechenzentrums Moers ausgegeben.

10 Mark je Schüler

Die fast zehnjährige Großcomputererfahrung hat gelehrt, daß

- die Schule mit ihren inneren Verwaltungsproblemen sowohl von den Schulträgern als auch von den Landesbehörden allein gelassen wurde;

- der für Großcomputer anzusetzende Zeitaufwand (und damit die Programmentwicklungskosten) sich als viel zu hoch erweist;

- die jährlichen Benutzerkosten sich von 3,66 Mark je Schüler (1972) auf exakt 7,20 Mark im Folgejahr bis auf heute über 10 Mark je Schüler entwickelt haben.

Profi-Organisation

In Anbetracht der sehr stark von den Schulträgern gekürzten Haushaltsansätze mußte nicht nur nach Möglichkeiten des Einsatzes kleinerer Computer Ausschau gehalten werden. Es war auch erforderlich, überhaupt erst einmal eine Schulorganisation im professionellen Sinne vorzunehmen.

Das ist nach vielen leidigen Erfahrungen in der Berufsbildenden Schule Duisburg-Rheinhausen verwirklicht worden. So existiert seit zwei Jahren eine "Integrierte Ordnungsstruktur", die in "Didaktische", "Administrative" und "Ökonomische Ordnungsbereiche" gegliedert ist. Diese Systematik erlaubt endlich eindeutige Begriffs- und Inhaltszuordnungen, die für die Praxis der Datenverarbeitung von hervorragender Bedeutung sind.

Großrechner in zwei Jahren überflüssig

In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Bildungsbetriebslehre am Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr- und Lernverfahren GmbH (FEoLL) ist jetzt ein Schulbetriebssystem entwickelt worden, das schrittweise eingeführt werden und in spätestens zwei Jahren die Großcomputernutzung für die innere Schulverwaltung überflüssig machen soll. Allerdings ist von Anfang an auf eine Systemverträglichkeit zum kommunalen Rechenzentrum und zum Landesamt für Statistik und Besoldung geachtet worden, um künftig aggregierte Datenbestände der Schule zur Bildungsplanung weitergeben zu können.

Die Philosophie ist einfach: Für jeden Einsatzbereich eine unabhängige DV-Anlage, also jeweils eine Kleinanlage für die schulinterne Anwendungsforschung, für die Lehre im Sinne der Unterrichtsarbeit und für die schulinterne Verwaltung, wozu beispielsweise auch die Curriculumverwaltung gezählt wird.

Die Anlagen müssen leicht zu programmieren und bedienungsfreundlich sein. Die Daten müssen vor der Abgabe an externe Speicher durch eine Sicherheitskontrolle geprüft werden können.

Das in einem "Informatik-Zentrallabor" untergebrachte Wang-System mit einem Terminal im Schülerpersonalbüro (Anschaffungskosten 1973 rund 110 000 Mark) hat inzwischen seine erste Bewährungsprobe bestanden. So ist für die 440 Bewerber, die sich zum nächsten Schuljahr um die Aufnahme in eine weiterführende berufliche Schule bemüht haben, eine automatisierte "zentrale Vergabe von Lernplätzen" erfolgt. Das heißt, die Zeugnisdurchschnittsnoten werden für den Aufbau einer Rangplatzliste" verwendet. Die bisher dafür erforderlichen rund 60 Arbeitsstunden von hochbezahlten Lehrern (Besoldungsgruppe A 15 und A 14) sind durch die Automatisierung völlig entfallen.

Weitere Projekte: Übernahme der gesamten Schülerdateiführung, Stundenplanauswertung für dispositive und statistische Zwecke, Einführung des schulbetrieblichen Rechnungswesens mit Hilfe eines dritten Terminals im Sekretariat der Schule sowie auf die Übernahme der gesamten Schul-Personalverwaltung.

Erstellung manuell - Auswertung automatisch

Natürlich sind solche Vorhaben auch schon anderswo in Angriff genommen worden - aber an einem Beispiel soll das Auseinanderklaffen von DV-Euphorie und Schul-Praxis aufgezeigt werden: Wo sind die vielen, von ihren Urhebern in höchsten Tönen gepriesenen Erleichterungen für die Stundenplanmacher an den rund 35 000 öffentlichen Schulen geblieben? Wo sind die Ergebnisse derjenigen, die Computerstundenpläne versprochen und dafür Fördermittel erhalten haben? Die bisherigen Projekte haben den Arbeitenden in der Schule überhaupt keine Erleichterungen gebracht - und werden es in den nächsten zehn Jahren auch nicht tun. In Duisburg-Rheinhausen wurde auf eine rechenzeit- und programmier-aufwendige Stundenplan-Software von vornherein verzichtet und die Stundenpläne konventionell in Hand- und Heimarbeit erstellt. Sobald der Plan steht, wird allerdings auch Datenverarbeitung eingesetzt: Es wurde ein Stundenplanauswertungs-Programm STAP entwickelt, das nach Eingabe der manuell erarbeiteten Daten den automatischen Ausdruck von Lehrer- und Klassenstundenplänen sowie von Raumbelegungsplänen ermöglicht.

Die große Überraschung

Die größte Überraschung war die Tatsache, daß relativ kleine Computer heute durchaus in der Lage sind, gerade für die Schule echte Verwaltungsaufgaben und -routinen zu übernehmen, die bisher nur durch den sachfremden Arbeitseinsatz von Pädagogen oder - wegen fehlender Personalkapazitäten - überhaupt nicht erledigt werden können. In der letzten Ausbauphase, die voraussichtlich in drei Jahren erreicht sein wird, dürfte der "Admi-Computer" wahrscheinlich die Arbeitskapazität von fünf Verwaltungskräften erledigen können, ohne dabei teure Programmierer oder Operatoren beschäftigen zu müssen.

Konfiguration in Duisburg-Rheinhausen

Für die Schulverwaltung

Wang 2200 mit 16 KB Hauptspeicher, zwei Terminals (jeweils Bildschirm mit alphanumerischer Tastatur und Kassetteneinheit), Schnelldrucker, 5-MB-Platte, Magnetband-Kassetteneinheit und Plotter. Geplant: Drittes Terminal.

Für den Informatik-Unterricht

Geplant (sobald Neubau bezogen ist): DEC-System PDP 10 mit 16 K Hauptspeicher und Schülerarbeitsplätzen im echten Timesharing-Betrieb. Bisher gibt es keinen regelmäßigen Informatik-Unterricht, sondern nur freiwillige Schülerarbeitsgemeinschaften, die eines der beiden Wang-Systeme benutzen.

Für die Forschung

Das Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr- und Lernverfahren (FEoLL), Paderborn, hat in Rheinhausen eine Außenstelle für die Entwicklung eines Schulverwaltungssystems. Für die damit zusammenhängenden Programmierarbeiten steht ein Wang-System mit 4 KB Hauptspeicher, alphanumerischer Tastatur und zwei Bildschirmen (modifizierte Fernsehgeräte) zur Verfügung. Es wird vorläufig auch noch für Informatik-Arbeitsgemeinschaften genutzt.