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22.09.1978 - 

Online-Konzept der Firma Ringelhan u. Rennet, Oberhausen:

"Minis sind ideal für kommerzielle Anwendungen"

BERLIN (sf) - Für Helmut Drazil, DV-Planer bei der Firma Ringelhan u. Rennet (Oberhausen) ist es klar, wie gut sich "Minicomputer für kommerzielle Anwendungen" (so das Thema seines IKD-Referats) eignen: "Ideal!" Schränkt Drazil allerdings ein: "Der erfolgreiche Einsatz eines Minis wird fast ausschließlich von der

Wahl des richtigen Betriebssystems und der geeigneten Programmiersprache bestimmt." Bei Ringelhan u. Rennet löste ein Mini einen Universalrechner ab. Im IKD-Workshop III (Moderator: Anselm Triestram, IBAT/AOP) skizzierte Drazil das Umstellungsprofil:

"Minicomputer" - wer bringt diesen Begriff schon in der "gestandenen EDV-Welt" sofort eindeutig in Verbindung mit komplexen kommerziellen Online-Anwendungen? Auf diesem Gebiet, auf dem doch durch die große Zahl der Daten-Ein-/Ausgabe-Operationen und den großen Speicherbedarf die dreistelligen "Kernspeicher-K's" und Megabytes dominieren. Wo Anlagen bei Dialoganwendungen noch immer erhebliche Hardware-Investitionen erfordern, einiger Software- und Programmaufwand zu treiben ist und Betriebssysteme und Steuerungsprobleme zu meistern sind was soll in dieser Gesellschaft ein Minicomputer?

Neue Philosophien, wie etwa "Distributing-Processing" sowie neue Hardware- und Software-Konzeptionen prädestinieren den Minicomputer heute gerade dazu, seine Stärke auch auf dem kommerziellen Sektor zu beweisen, und die Behauptungen, Online sei teuer, (...)pliziert, aufwendig und nicht sicher (...)widerlegen.

Warum der Minicomputer in unserem Haus für ein kommerzielles Online-Konzept die Lösung war, beziehungsweise sogar eine konventionelle Aufgabe ablöste, sei im folgenden kurz geschildert: Bei uns gibt es zwei EDV-Bereiche. Der eine versorgt das Haus selbst mit EDV-Leistungen und der zweite vertreibt an unsere Kunden komplette EDV-Hardware- und Softwarepakete. In beiden Bereichen werden heute Minicomputer eingesetzt. Meine Ausführungen beziehen sich im wesentlichen auf die Hausanlage.

Das abgelöste System umfaßte eine Zentraleinheit (Betriebssystem DOS/VS) mit 256 KB, eine Magnetbandstation vier Plattenstationen Ó 70 MB, sieben Bildschirme, einen Schnelldrucker und einen Matrix-Drucker. Programmiersprachen waren COBOL und RPG II. Für das Operating wurden drei Personen benötigt. Mit dem EDV-System wurde eine Online-Vertriebssteuerung sowie - im Bach-Betrieb - eine Standardkostenrechnung und die Lohn- und Gehaltsabrechnung durchgeführt.

Dabei ergaben sich folgende Hauptprobleme:

þSchlechtes Antwortzeitverhalten (maximal 160 Sekunden, durchschnittlich 8 Sekunden),

þhoher Plattenspeicherbedarf,

þhoher Operatingaufwand,

þleistungsschwache Software,

þviele Systemabstürze,

þhoher Programmieraufwand.

Das System wurde schließlich ersetzt durch einen Minicomputer mit 128 KB, eine Magnetbandstation, ein Plattenlaufwerk mit 88 MB sowie ein zusätzliches Laufwerk für Sicherungsarbeiten, 14 Bildschirme und vier Matrix-Drucker in den Fachabteilungen. Programmiersprache ist DBMS-11.

Vorteile der Minicomputer-Lösung:

þkeine Antwortzeitprobleme, trotz sieben zusätzlicher Bildschirme und 30 Prozent höherem Datenanfall (durchschnittliche Antwortzeit: 0,8 Sekunden),

þkein Betriebs- und Job-Operating-Aufwand mehr,

þkein Systemabsturz und kein Hardwareausfall seit September 1977.

Vergleicht man allein nur die monatlichen Mietkosten, so ergibt sich:

Vorher 43 000 Mark pro Monat,

heute 12 900 Mark pro Monat.

Die Grundlage einer solchen Lösung ist die Wahl des richtigen Betriebssystems und der Programmiersprache. Sie entscheiden fast ausschließlich über den erfolgreichen Einsatz eines Minicomputers im kommerziellen Bereich. Ich glaube, daß man bei der Auswahl eines Minicomputers diesem Punkt oft zu wenig Beachtung schenkt und dabei den Fehler macht, mit einem System alle Ziellösungen zu erreichen versucht. Jeder Anwender sollte vorher genau analysieren, was er zu realisieren gedenkt; um dann das Betriebssystem und die Programmiersprache zu wählen - und erst im nächsten Schritt die Hardware.

Unsere Anforderungen an Betriebssystem und Programmiersprache des Minis enthielten unter anderem folgende Punkte:

þOnline-Dialog mit günstigem Preis-/ Leistungsverhältnis,

þmehrfache Querindicesverarbeitung,

þdatenstrukturiert Abspeichern (Datenbankkonzept),

þBildschirmprogrammierung,

þsofortige SYNTAX-Prüfung und Befehlslogikprüfung,

þstufenweiser Programmtest, Testhilfen, sofortige Dateiabfrage,

þeinfache Maskengestaltung,

þEditorfunktion für Programme und Dateien,

þSpooling - Betrieb,

þkein Job-Operating, einfache Datensicherung,

þDatenträger kompatibel zu anderen Systemen, Schnittstellen für Mixed-Hardware, Rechnerverbund möglich.

Ist das Online-Konzept für den DV-Mitarbeiter kompliziert und zeitaufwendig?

Gerade hier eröffnen sich Aspekte, die anfangs fast unglaubwürdig klingen. Die üblichen Batch-programmiertechnischen Vorgehensregeln bleiben auf der Strecke. Der Programmierer wird genauso ein Teilnehmer am Bildschirm wie der Sachbearbeiter. Er kann sich voll auf die Organisationslösung konzentrieren, er ist kein Kodierer mehr, sondern Ablauforganisator. Ein Programm ist in einem Fünftel der Zeit fertig und einsetzbar. Er hat alle Vorgänge transparent auf seinem Bildschirm, dabei ist das Handwerkszeug denkbar einfach und systemtechnische Dinge können weitgehend vergessen werden.

Der Sachbearbeiter in der Fachabteilung möchte, daß der Bildschirm "seine Sprache" spricht und er nicht noch EDV-Technik beherrschen muß oder in DV-Formularlogik gepreßt wird. Er erwartet, daß seine Fragen vom System prompt beantwortet und nicht verzögert werden, weil er sich im einer Warteschlange einordnen muß. Er möchte selbst entscheiden, wann er etwas braucht. Außerdem ist der Sachbearbeiter nun selbst zuständig für seine Daten und die EDV wird für ihn transparent. Hier bringt der Minicomputer mit seiner Software einen Service, der fast unschlagbar ist.