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15.07.1994

Mips packt seine Prozessoren in Pentium-Rechner Bei der Show der RISC-Chips auf der PC Expo schaute DEC nur zu

NEW YORK (CW) - Die PC Expo in New York nutzte Bernhard Auer, seit Ende Mai Vice-President und General Manager der Personal Computer Business Division bei DEC, sich einem internationalen Publikum zu stellen. Auer konnte mit einer fuer DEC derzeit nicht selbstverstaendlichen Nachricht aufwarten: Zumindest der PC-Bereich schreibt mit seinen Intel-Rechnern schwarze Zahlen.

DECs PC-Division, so Auer, waechst unter allen PC-Herstellern am staerksten, das Unternehmen hat von 1992 bis 1993 in der Hitliste der Hersteller den Sprung von Platz 21 auf Platz zwoelf geschafft. Im gleichen Zeitraum verdoppelte DEC den weltweiten Absatz auf rund 500 000 Einheiten und erwirtschaftete damit einen Umsatz von fast einer Milliarde Dollar. Den Gewinn bezifferte Auer allerdings nicht naeher.

Fuer DECs PC-Division ist nur der Alpha-Chip tabu

Der Erfolg sei, so Auer, auf die geaenderte Strategie und neue Produktlinien zurueckzufuehren. In Deutschland forcierte DEC den Verkauf seiner PCs ueber die Distributoren Ingram Micro, Magirus, CHS, Actebis, Macrotron, Merisel und Computer 2000. Die ehemals zentrale Herstellung der PCs in Taiwan ist Auer zufolge auf mehrere Standorte verteilt worden, unter anderem fertigt DEC nun in Kanada und Schottland. Auch die Gliederung des Unternehmens in die vier Bereiche Entwicklung, Herstellung/ Logistik, Marketing und Vertrieb habe sich bewaehrt.

"Der Anspruch DECs, die Fuehrungsrolle im Client-Server-Markt zu uebernehmen, erfordert auch eine starke Position im PC-Geschaeft", so Auer. Derzeit vertreibt die PC-Disvision nur Rechner mit Intel- Prozessoren, "da wir jedoch ein eigenstaendiger Geschaeftsbereich sind, koennen wir auch Rechner mit Mips- und Power-PC-Prozessoren verkaufen", erlaeuterte Auer.

Der hauseigene Alpha-Chip, nach Meinung vieler Analysten Digitals einzige Chance, im DV-Markt wieder eine bedeutende Rolle zu erlangen (siehe auch CW Nr. 24 vom 24. Juni 1994, Seite 7: "DECs einzige Hoffnung ist der Alpha-Chip"), spielt in der Produktstrategie des PC-Geschaeftsbereichs keine Rolle, sondern wird - wie auch PCs mit der Alpha-CPU - von der Workstations- Division vermarktet. Auf dem PC-Expo-Stand war lediglich ein Server mit dem Alpha-Prozessor vertreten.

Die Mips Technology Inc., einer der fuenf bedeutendsten RISC-CPU- Anbieter am Markt, versucht mit Lizenzpartnern, die R4x00- Prozessor-Familie als Windows-NT-Plattform zu etablieren:

-NEC Electronic Inc. zeigte eine Workstation mit dem VR4400- Prozessor von Mips. Der Rechner ist mit 150 Megahertz getaktet und speziell auf die Multithreading-Eigenschaften des Microsoft- Betriebssystems zugeschnitten.

-Der neue "Tyne"-Server der Deskstation Technology Inc. basiert auf einem Mips-R4600-Prozessor, die Taktfrequenz betraegt 133 Megahertz. Der Server wird ab Werk mit Windows NT ausgeliefert und ist mit 2 MB sekundaerem Cache-Speicher sowie 32 MB Arbeitsspeicher konfiguriert. Zum Lieferumfang gehoeren SCSI-Controller, CD-ROM und eine Festplatte mit einer Kapazitaet von 1,3 GB.

-Aus Japan kommt der "Orion-NR4600"-Prozessor. Die NKK Corp., ebenfalls Lizenznehmer der Mips-Architektur, entwickelte zusammen mit Integrated Device Technology und Toshiba eine 3,3-Volt-Version des RISC-Chips, die mit 100 Megahertz getaktet ist. Nippons Techniker zeigten zudem ein PCI-Chipset mit zwei Mips-Prozessoren, wobei einer das DRAM kontrolliert und der andere die Brueckenfunktion zwischen dem lokalen 64-Bit-Bus und der PCI- Schnittstelle uebernimmt.

Rechtzeitig zur PC Expo verliess ein neues Entwicklungs-Tool die Mips-Labors. Mit "Ultra P" koennen PC-Hersteller Rechner mit Mips- und Pentium-Architektur entwerfen. Das Tool hilft beim Design einer Tochterplatine, die sowohl einen Mips- als auch einen Pentium-Chip enthaelt und auf den Prozessorsockel vorhandener Intel-Rechner gesteckt wird. Bislang wird der Anwender beim Wechsel von einer auf die andere CPU zum Neustart des Systems gezwungen. In zukuenftigen Versionen soll dieses Manko mittels eines Softwareschalters ausgeraeumt werden, der das Springen zwischen Mips- und Pentium-Architektur per Tastendruck erlaubt.

Ein mit 150 Megahertz getakteter R4600-Prozessor in einem auf Ultra P entwickelten System uebertraf laut der Mips Technology Inc. in einem Benchmark-Test die Leistung eines 66-Megahertz-Pentium- Systems um den Faktor 3,5, gegenueber einem 100-Megahertz-P54C-Chip konnte eine Verbesserung um den Faktor 2,5 gemessen werden.

Die Zwitterrechner verfuegen ueber alle Funktionen der x86- Architektur. Die Shablamm Computer Corp. hat bereits ein Ultra-P- Modul namens "P5 Detonator" entwickelt, das mit 60 oder 66 Megahertz getaktete Pentium-Rechner in Mips-Workstations verwandelt. Inklusive R4600-Prozessor, Installationssoftware und Windows NT kostet das Produkt etwa 1000 Dollar.

Waehrend Mips den technischen Spagat zwischen zwei Prozessorarchitekturen vorfuehrt, kann IBM schon auf stolze Absatzzahlen des Power-PCs verweisen: Seit der Einfuehrung des 601- Chips vor zehn Monaten, so Big Blue, sind bereits eine Million Einheiten verkauft worden. Gleichzeitig veroeffentlichte das Unternehmen die neuen Preislisten fuer den Power-PC 603 und 601. Die 66-Megahertz- und 80-Megahertz-Versionen des 603-Prozessors kosten bei Abnahmemengen von 25000 Einheiten 175 beziehungsweise 195 Dollar pro Stueck. Der Power-PC 601 mit den Taktfrequenzen 50, 66, und 80 Megahertz wird zu gleichen Konditionen fuer 174, 197 und 275 Dollar abgegeben.

Eine eigene produktionsreife PC-Familie auf Basis des Power-PCs laesst jedoch immer noch auf sich warten. IBM nutzte die PC Expo, den Besuchern die Leistungsfaehigkeit des Power PC an einigen Modellen vorzufuehren. Die Mehrzahl der Geraete schmueckte jedoch ein Apple- Logo, die restlichen Rechner entpuppten sich als Prototypen. Ende des Jahres sollen die ersten Power PCs von Big Blue ausgeliefert werden.

Andy Grove, CEO und President von Intel, unterstrich in New York, dass zwei angekuendigte Versionen des neuen "DX4"-Overdrive- Prozessors im dritten Quartal dieses Jahres verfuegbar sein werden. Des weiteren gab das Unternehmen bekannt, eine Drei-Volt-Version des 75-Megahertz-Pentiums herauszubringen. Bereits im August, so die CW-Schwesterpublikation "Infoworld", erwarten Analysten die Auslieferung des Chips, im Oktober soll eine 90-Megahertz-Version folgen.

Ausser fuer Neuheiten im Prozessormarkt war die PC Expo auch Schauplatz fuer PC-Videokonferenzsysteme: Die Creative Technology Inc. verwendet bei der Datenuebertragung ihrer Loesung das analoge Telefonkabel. Zum "Sharevision"-Angebot gehoeren eine Kompressionskarte fuer Audiosignale, eine externe Fax- und Modemloesung und Anwendungssoftware. Sharevision kostet voraussichtlich etwa 750 Dollar, mit Videokamera erhoeht sich der Preis auf 1600 Dollar.

Der Video- und Soundkartenhersteller Alpha Systems Lab konnte den Besuchern ebenfalls ein Videokonferenzsystem vorfuehren. Inklusive "Megamation", einer PC-Karte, die 30 Bilder pro Sekunde auf den Bildschirm darstellt, kostet "Video Capture" etwa 1100 Dollar.