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23.07.1999 - 

DV-Finanzierung und Controlling/Airport Management Information System (Amis)

MIS sorgt für reibungslosen Ablauf auf dem Boden und in der Luft

Auf dem Flughafen Frankfurt/Main landen und starten täglich 117000 Passagiere, 92000 Gepäckstücke werden befördert, 10000 Autos benutzen die Parkhäuser, 1140 Flugzeuge starten und landen, 210 Züge kommen am Flughafen-Bahnhof an - beeindruckende Zahlen und ein großer Management-Aufwand. Asko Krüger* berichtet über das Management Information System (MIS) des siebtgrößten Flughafens der Welt.

Daß der Flughafen Frankfurt/ Main so reibungslos funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk, dafür ist die Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) mit ihren rund 13000 Beschäftigten verantwortlich. Die Bandbreite ihrer Zuständigkeiten reicht vom Betrieb der gesamten Flughafeninfrastruktur mit Start- und Landebahnsystemen, Förderanlagen, Terminals und Bürogebäuden über Bodenverkehrsdienstleistungen, Passagier- und Frachtabfertigung (die FAG ist der größte Abfertigungsdienstleister der Welt), Mieten und Konzessionen bis hin zur Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben im Luftverkehr.

Bei der bisherigen Lösung handelte es sich um ein herkömmliches Berichtswesen in Papierform, das dezentral in verschiedenen Unternehmensbereichen und auf Basis bereichsspezifischer Informationssysteme zusammengestellt wurde; Einzelauswertungen ließen sich nur auf Anfrage erstellen. Die daraus resultierenden Probleme liegen auf der Hand: Die Daten waren je nach Unternehmensbereich beziehungsweise Erstellungszeitpunkt unterschiedlich, ihre Aktualität unbefriedigend, und oft hatte das FAG-Management Schwierigkeiten, schnell an die benötigten Informationen zu kommen. Zudem mangelte es an bereichsübergreifenden Begriffsdefinitionen, was eine einheitliche Datensammlung und -verwaltung erschwerte.

Die Notwendigkeit eines flexiblen, konsistenten und einheitlichen Berichtswesens liegt in den Anforderungen des Managements selbst: Fundierte und aktuelle Informationen sind das A und O jeder Entscheidungsfindung. Dementsprechend wurde als zentrale Aufgabe von Amis die Einrichtung einer Datenbasis für kennzahlenorientierte Führungsinformationen definiert, mit der sich die Entscheidungsprozesse auf oberster Leitungsebene, also dem Vorstand mit der ersten und zweiten Führungsebene der einzelnen Geschäftsbereiche, enorm verkürzen lassen. Die Flughafen AG versprach sich eine wesentliche Verbesserung der Entscheidungsprozesse, dadurch, daß das neue System einen direkten, schnellen und auch einfachen Zugriff auf führungs- und steuerungsrelevante Daten aus den unterschiedlichen Unternehmensbereichen ermöglicht und gleichzeitig die Aussagekraft der Informationen durch Charts und Kommentare erhöht - und das unter einer anwenderfreundlichen Benutzeroberfläche mit Fenstertechnik und Menüsteuerung.

Amis sollte dem Management-Team künftig detaillierte und übersichtlich aufbereitete Aussagen über kritische Erfolgsfaktoren liefern, zum Beispiel:

- Jahresüberschuß nach Steuern,

- Betriebsergebnis,

- Verkehrseinheiten oder Personalaufwandquote,

- strategische Entwicklungen,

- Unternehmenserfolg (Gewinn-und Verlust-Aufstellung mit Ist-Plan-Vergleich),

- bereichsspezifische Kennzahlen der Business Units, zu Human Resources und den Bereichen Umfeld/Umwelt sowie Markt und Verkehr.

Typische Fragestellungen sind beispielsweise: Wie haben sich bestimmte Berichtsgrößen im Vergleich zu Plan oder Vorjahr entwickelt? Welche Berichtsgrößen entwickeln sich kritisch? Wo liegen die Ursachen für bestimmte Veränderungen oder kritische Entwicklungen? Wie sehen entsprechende Positionen der Wettbewerber aus? Dabei sollten kritische Werte per Color Coding optisch hervorgehoben werden.

Die Projektleitung unterstand dem Verantwortlichen für den Bereich Controlling, der die jeweiligen Entwicklungsergebnisse regelmäßig in Geschäftsleitungs-Meetings präsentierte. Dies hatte zwei positive Auswirkungen auf die Systementwicklung: Zum einen blieb die stufenweise Weiterentwicklung von Amis den zukünftigen Anwendern transparent, zum anderen konnten diese immer wieder ihr Feedback zum jeweiligen Entwicklungsstand einfließen lassen. An dem Projekt beteiligt waren von Anfang an die Abteilungen Controlling, Finanzen und Rechnungswesen (CFR, verantwortlich für Struktur, Inhalte und Qualitätssicherung) sowie Informations- und Kommunikationsdienstleistungen (IuK, verantwortlich für technischen Betrieb und Koordination der DV-Entwicklung). Das von CFR entwickelte Konzept wurde in einem iterativen Ansatz verfeinert und schließlich gemeinsam von Debis, SAS Institute und ausgewählten Endanwendern realisiert.

Zu Beginn des Projekts stand das Planungsteam vor der Aufgabe, das neue Informationssystem in die bestehende DV-Landschaft der Flughafen AG zu integrieren: Daten aus dem vorhandenen Berichtswesen sowie aus SAP-Software und anderen "Datentöpfen" sollten in das Data-Warehouse und dann in die EIS/MIS-Anwendung einfließen. Zudem wollte man die Amis-Lösung in das hauseigene Intranet integrieren. Zu den wichtigsten Maßnahmen in der Startphase zählten die Einbindung der potentiellen User bei der Informationsbedarfsermittlung, der Entwicklung von Design und Handhabung des Systems und die Aufstellung eines Aktivitätenplans für das Gesamtprojekt. Hier galt es vor allem zu vermeiden, daß das neue Informationssystem nur ein Zahlenfriedhof würde; von Anfang an sollte die Informationsaggregation nach nutzenorientierter Sichtweise erstellt werden.

Die schrittweise Realisierung des Projekts dauerte etwa drei Jahre. Von der 1995 durchgeführten Schwachstellenanalyse bei potentiellen Anwendern über die Konzeptionierung und das anschließende Prototyping von Debis fiel im Januar 1997 der Startschuß für die konkrete Realisierung des Amis-Projekts.

Nach der Bedarfsanalyse im Topmanagement und der Systementscheidung für SAS erfolgte die DV-Entwicklung in einem iterativen, prototypischen Entwicklungsprozeß. Die Einführung von Amis bei seinen 38 Endanwendern fand im Juni 1998 statt. Das gesamte Projekt verlief im vorgegebenen Zeitplan, lediglich die Einführung der Intranet-Lösung mußte verschoben werden.

Die aktuelle Version 2.0 (Start März 1999) bietet neben vielen hinzugekommenen Kennzahlen der Geschäftsbereiche eine verbesserte Bedienung und neue Funktionen wie die Integration der Mail-Funktion (Intranet) sowie von MS-Office-Dokumenten zur Kommentierung von Berichtsgrößen oder optisch ansprechende Ausdrucke von Berichten mit Tabellen und Grafiken.

Das Management-Informationssystem liefert auch den "DV-fernen" Führungskräften schnell und einfach aussagekräftige Kennzahlen und Grafiken und gibt ihnen so Sicherheit und Schnelligkeit in der Entscheidungsfindung. Nicht nur, daß heute entscheidungs- und steuerungsrelevante Informationen in der gesamten FAG aktuell und allgemein verständlich vorhanden sind, die einheitliche und klare Berichts- und Datenstruktur erhöht die Transparenz des gesamten Unternehmensgeschehens. Die neue Lösung erleichtert Planung und Steuerung, fördert ganzheitliches beziehungsweise abteilungsübergreifendes Denken im Unternehmen und reduziert den Abstimmungsaufwand ebenso wie die Mehrfacheingabe und Pflege von Daten. Hinzu kommt, daß die konsequente Nutzung des neuen Informationssystems das vorhandene Papierberichtswesen reduziert (quantitativ und qualitativ), da die Daten von den jeweils verantwortlichen Bereichen im System bereitgestellt werden und damit eine redundante, teils aufwendige Erhebung und Aufbereitung der Informationen in den einzelnen Geschäftsbereichen entfällt.

Was den Einsatz innovativer Technologien anbelangt, profitierte die FAG hier am meisten vom objektorientierten Ansatz des Projekts: So konnte nicht nur das Kriterium der Wiederverwendbarkeit von Software erfüllt werden, sondern es war darüber hinaus möglich, innerhalb kurzer Zeit neue Berichte zu integrieren. Insbesondere wurde mit diesem Konzept auch der Grundstein für den weiteren Ausbau und die Vereinheitlichung des gesamten Berichtswesens gelegt. Neben dem geringeren Software-Entwicklungsaufwand waren weitere Vorteile, daß die Einzelberichte vergleichbarer wurden und alle Anwender ihre Berichte mit dem gleichen Look and feel sehen.

Zu Amis gehören zum einen ein Data- Warehouse auf Oracle-Basis im FAG-Netzwerk, zum anderen ein Management-Informationssystem, das vom Anwender auch offline auf dem Laptop genutzt werden kann. In beiden Betriebsmodi werden dieselben Programme genutzt; der Benutzer merkt nicht, ob er online oder offline ist. Die Aktualisierung der lokalen Daten erfolgt vollautomatisch bei jeder Netzanmeldung.

Implementiert wurde die neue Lösung jetzt beim Vorstand sowie bei Sprechern und Leitungsteams der einzelnen Geschäfts- und Unterstützungsbereiche. Die Akzeptanz ist positiv - wegen der guten Qualität und der schnellen Verfügbarkeit der Ergebnisse. So lag etwa der Schulungsaufwand bei nur einer Stunde pro Person, außerdem ist die Anwendung nahezu selbsterklärend.

Ein weiterer Ausbau ist vorgesehen. In Planung ist insbesondere die Intranet-Lösung. Da die Systemlösung flexibel gestaltet und an neue Anforderungen angepaßt werden kann, lassen sich jetzt zum Beispiel auch Aufgabenstellungen wie Mehrsprach- und Mehrwährungsfähigkeit oder Bilanzierungsalternativen einbauen. Alles in allem kann man sagen, daß das System bisher die Erwartungen erfüllt.

Die FAG

Die Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) ist eine Gesellschaft der öffentlichen Hand: Anteilseigner sind das Land Hessen, der Bund und die Stadt Frankfurt/ Main. Das Aktienkapital beträgt eine Milliarde Mark, der Umsatz lag 1998 bei rund 2,4 Milliar-den Mark. Von den insgesamt 53000 Mitarbeitern des Frankfurter Flughafens - er ist der siebtgrößte der Welt - sind 12800 FAG-Mitarbeiter. Die FAG ist verantwortlich für den Betrieb des Flughafens mit seiner Flughafeninfrastruktur mit Start- und Landebahnsystemen, Förderanlagen, Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, für die Bodenverkehrsdienstleistungen, Fracht- und Passagierabfertigung, Mieten und Konzessionen sowie für die Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben im Luftverkehr.

Angeklickt

Um den immer komplexeren Betrieb auf dem Frankfurter Flughafengelände aufrechtzuerhalten und auch in Zukunft optimal planen zu können, benötigte die Führungsebene der Flughafen AG (FAG) ein spezielles Management-Informationssystem. Gesucht wurde eine vernetzte Anwendung, mit der sich jederzeit und ohne fremde Hilfe Fragen vom Arbeitsplatz aus bearbeiten lassen und damit Entscheidungen qualitativ fundiert getroffen werden können. Airport Management Information System (Amis) heißt die Lösung, bei deren Entwicklung und Implementierung Debis Systemhaus und SAS Institute halfen. Debis unterstützt die FAG bei der DV-Entwicklung; SAS-Institute lieferte die Software-Tools und leistete lösungsspezifische Beratung.

*Asko Krüger ist Projektleiter AbteilungControlling, Finanzen Rechnungswesen CFR der Flughafen Frankfurt/Main AG.