Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.08.1991

Misere der Industrie ist selbstverschuldet

Die Zeit der Abrechnung ist wieder einmal gekommen. Die amerikanischen DV-Hersteller legen ihre Quartalszahlen vor, und die Aktionärs- und Analystengemeinde sucht in diesen schweren Zeiten verzweifelt nach dem berühmten Silberstreif am Horizont. Allerdings ist die Hoffnung verheißende Helligkeit nur äußerst schwer auszumachen: Firmen, die jahrelang hervorragend funktioniert haben, allen voran IBM, aber auch DEC, Compaq und Apple, sind in Schwierigkeiten geraten. Unternehmen wie Unisys oder Wang, die schon seit längerem Verluste ausweisen, sind noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht, statt, wie ihre Vertreter nie müde wurden zu versichern, endlich wieder in die Gewinnzone zu gelangen.

Schuld ist - er kann sich nun einmal nicht wehren - wie immer der Markt mit seinen sich ständig verschärfenden Preiskämpfen und den damit ins Bodenlose stürzenden Margen. Umsatzeinbrüche und fehlendes Wachstum wie bei der IBM werden nicht mit schlechten Verkäufern oder Managern begründet, sondern mit der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf dem US-Markt, in Europa und Asien.

Das ist sicher richtig - aber eben nur zum Teil - , denn sonst könnten andere Unternehmen der gleichen Branche kein Umsatzwachstum und keine Gewinne melden. Es muß allerdings auch nach den Leistungen der DV-Anbieter selbst gefragt werden, die bekanntermaßen die andere, die Angebotsseite des Marktes, repräsentieren. Deren Top-Manager, die sich selbst nach wie vor Unsummen an Gehältern bewilligen, müssen sich angesichts der schwierigen Lage den Vorwurf der Konzeptionslosigkeit gefallen lassen. Sie glauben offenbar, daß es reicht, die Kosten zu reduzieren, Mitarbeiter zu entlassen, Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu drosseln und Geschäftsfelder zu verlassen, die nur noch wenig Profit abwerfen beziehungsweise denen Marktauguren keine Zukunft mehr einräumen.

Was sie aber vermissen lassen - vielleicht, weil man sich in den Vorstandsetagen eher um das persönliche Fortkommen kümmert als um das Wohl des Unternehmens - , sind zündende Ideen. Deshalb ist ein Teil der Misere, den die DV-Industrie zur Zeit erlebt, selbst verschuldet. Die Chancen zur Gesundung der Computerbranche stünden besser, wenn die Verantwortlichen nicht nur kostensenkende betriebswirtschaftliche Instrumente einsetzten, sondern beginnen würden, Konzepte zu entwickeln, die dem Anwender bei der Lösung seiner Probleme helfen.

Die DV Anbieter geben sich gern als Sachverwalter wirtschaftlicher Informationsverarbeitung und Wettbewerbs-fördernder Organisationsformen. Tatsächlich aber verstoßen sie in ihren eigenen Unternehmen permanent gegen die Ideen, die sie nach außen verbreiten.