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30.05.1980 - 

Kooperativer Führungsstil in weniger als der Hälfte aller Unternehmen

Mißmanagement: Wertvolle Mitarbeiter verlassen das Unternehmen

30.05.1980

Führungskräfte im EDV-Bereich sind rar. Ein Blick in die Stellenanzeigen beweist dies täglich aufs neue. Leiter der Systemanalyse, EDV-Gruppenleiter, EDV-Projektleiter, Leiter von Rechenzentren, Projektleiter im Finanz- und Rechnungswesen sind Führungspositionen, die immer schwieriger zu besetzen sind. Der Bedarf übersteigt das Potential, die Branche wächst schnell, die benötigten Fachkräfte "wachsen" nicht schnell genug nach.

Die Anforderungsprofile verlangen einen hohen Grad an Fachwissen und -können. Da wird ein Systemanalytiker mit "abgeschlossenem, naturwissenschaftlichen oder technischen Hochschulstudium und einem breiten Wissen- und Erfahrungsspektrum auf dem Gebiet der Datenverarbeitung" gesucht, oder ein "EDV-Organisator mit fundierten Kenntnissen des Bankbetriebes, praktische Erfahrungen in der Programmierung und mehrjähriger Praxis in der Entwicklung und Einführung von EDV-Projekten". Da werden Anwendungsberater gesucht mit "mehrjähriger EDV-Praxis die ein sicheres Allroundwissen in der EDV gewährleisten" oder "solide betriebswirtschaftliche Kenntnisse, besonders im betrieblichen Rechnungswesen, die durch eine mehrjährige Praxis in kommerziellen Anwendungssystemen vertieft wurden". Dies nur ein kleiner Ausschnitt der gewünschten fachlichen Voraussetzungen.

Gefordert: "Neigung und Qualifikation zu Führungsaufgaben "

In den Anzeigen wird aber noch etwas gefordert, nämlich "Selbständigkeit und Kreativität innerhalb eines Teams", Fähigkeit zur "Teamarbeit:" "Neigung und Qualifikation zur Übernahme von Führungsaufgaben". Diese Forderungen, manchmal in Nebensätzen versteckt, werden leicht übersehen oder in ihrer Bedeutung unterschätzt. In der Praxis ist aber gerade für eine Führungstätigkeit die "Neigung und Qualifikation zu Führungsaufgaben" der fachlichen Qualifikation zumindesten gleichgewichtig wenn nicht sogar noch wichtiger. Wie soll es zum Beispiel einem EDV-Organisator gelingen, Gesamtkonzeptionen in Zusammenarbeit mit den Betriebsabteilungen zu entwickeln, die Belange der Fachabteilungen mit denen der Datenverarbeitung abzustimmen? Wie sollen Lösungswege und die zu ihrer Verwirklichung erforderlichen organisatorischen und technischen Maßnahmen gemeinsam erarbeitet werden, Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durchgeführt werden und vieles andere mehr? Die EDV darf in einem Unternehmen oder einer öffentlichen Verwaltung kein Eigenleben führen. Sie ist, oder soll es wenigstens sein, ein integrierter Bestandteil der Organisation. Die Gefahr der Isolierung, allein bedingt schon durch die hochgradige Spezialisierung, ist groß. Und noch etwas spielt hier mit hinein. EDV-Spezialisten sprechen eine andere Sprache, die von ihren Kollegen der anderen Bereiche nicht verstanden wird, oder, wenn die Isolierung weit fortgeschritten ist, nickt mehr verstanden werden will. Die EDV hat im Bereich der Verwaltung eine Revolution eingeleitet und diese Revolution ist noch lange nicht beendet.

Gefordert: "Zusammenarbeit innerhalb des eigenen Teams"

Mit Revolutionen sind aber Veränderungen verbunden. Der Mensch bewegt sich aber gern in eingefahrenen Geleisen, steht Veränderungen zumindesten mißtrauisch gegenüber. Um Veränderungen erfolgreich einführen zu können, bedarf es besonderer Führungsqualitäten. Zusammenarbeit ist gerade für Führungskräfte aus dem EDV-Bereich eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen ihrer Führungsaufgabe überhaupt. Und nicht nur Zusammenarbeit "nach außen" ist wichtig. Zusammenarbeit wird auch gefordert innerhalb des eigenen Teams. Die Tätigkeit in der EDV lebt geradezu von der Kreativität ihrer Mitarbeiter, Innovationen sind das tägliche Brot der gesamten Branche. Kreativität kann man aber nicht anordnen, nicht erzwingen. Die Voraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten im Team ist das Praktizieren eines kooperativen, partnerschaftlichen Führungsstils. Wie weit die Praxis hiervon entfernt ist, beweisen die Ergebnisse unserer ständigen Befragungen in Führungsseminaren. In mehr als der Häfte der Unternehmen der Wirtschaft und Dienststellen der öffentlichen Verwaltung wird nicht kooperativ geführt, sondern nach wie vor autoritär, das heißt, es wird ein Führungsstil praktiziert, der die Entscheidungsprozesse auf eine Führungskraft oder weniger Führungskräfte konzentriert, den anderen "untergeordneten" Führungskräften und Mitarbeitern wird die Rolle von "Ausführenden" zugewiesen. Das Gegenteil einer die Kreativität fördernden Arbeit also. Der Erfolg, oder besser gesagt Mißerfolg dieses Führungsstils: Ineffizienz. Es bilden sich Königreiche innerhalb des Königreichs, die Isolierung wird immer größer, mangelnde Kooperation und Koordination als Folge dieses nicht mehr zeitgerechten Führungsstils.

Verbunden mit der fachlichen Qualifikation muß die Qualifikation zum Führen sein. Was ist aber nun eine Führungskraft? Nun, vereinfacht gesagt, jeder, der Menschen zu führen, das heißt, das Verhalten von Menschen so zu beeinflussen hat, daß bestimmte Ziele erreicht werden.

Und wie wird man eine Führungskraft? Hinter diese Frage muß man drei Fragezeichen setzen. Denn so ganz genau weiß das keiner. "Zum Führen ist man geboren, entweder man kann es, oder man kann es nicht", so sagen die einen. "Führen kann man lernen", so sagen die anderen.

Was ist nun richtig? Auch hier ist es wie so oft im Leben, das Gute, das Richtige liegt in der Mitte. Um Menschen zu führen, sie beeinflussen zu können, müssen einmal bestimmte persönliche Voraussetzungen gegeben sein. Zum anderen gehört aber zur Menschenführung eine ganze Menge Führungswissen. Das berühmte Fingerspitzengefühl allein oder die Ausstrahlungskraft eines Menschen reichen heute zur Menschenführung nicht mehr aus. Fingerspitzengefühl oder Ausstrahlung sind zwar wünschenswerte Eigenschaften einer Führungskraft, sich allein auf diese Eigenschaften zu verlassen, wäre reines Glücksspiel. Diese sollte man aber nicht veranstalten, wenn es um Menschen geht.

Menschen sind zu kostbar, als daß man sie einer ungeeigneten Führung anvertrauen sollte

Gerade in einem so technisierten und spezialisierten Bereich wie der EDV kann das sehr teuer werden und die Entwicklung eines Teams um Jahre zurückwerfen oder gar ein solches Team auflösen. Wertvolle Mitarbeiter verlassen das Unternehmen! Menschen sind der wichtigste Faktor unserer Wirtschaft und damit zu kostbar, als daß man sie einer ungeeigneten Führung anvertrauen sollte. Eine Einsicht, die, so ist zu hoffen, sich weitgehend durchsetzen sollte. Welche Sorgfalt verwendet man auf elektronische Anlagen, welche Summen werden gerade hier investiert? Und die wichtigste Investition, der Mensch? Wie ist es um ihn bestellt? Was "kostet" eine ungeeignete Führungskraft? Nicht allein an Gehalt, sondern an Schaden, den sie an den anvertrauten Menschen anrichten kann. Und nicht nur an den ihr innerhalb des eigenen Bereiches anvertrauten Menschen. Welcher Schaden entsteht durch mangelnde Kooperation im Unternehmen, welcher Schaden entsteht durch das immer wieder beklagte Eigenleben der EDV? Gerade letzteres wird in unseren Seminaren immer wieder beklagt, sowohl von Führungskräften, die mit EDV-Spezialisten zusammenarbeiten "müssen", aber auch von Spezialisten der EDV, die immer wieder an die berühmte "Mauer" stoßen und nie so recht wissen, warum diese Mauer eigentlich überhaupt da ist. Vielleicht liegt es daran, daß gerade bei der Führungskräfteschulung große Defizite zu verzeichnen sind.

"Und wer nicht spurt, dem wird man es schon zeigen"

Führungspersönlichkeit auf der einen, Führungswissen auf der anderen Seite sind also die beiden Komponenten, die in einer Führungskraft vereint sein sollten. Wir wollen uns mit dem Führungswissen, denn dieses kann man sich aneignen, befassen.

"Führungswissen? Wozu braucht man denn das? Mit Menschen umgehen, das kann doch jeder! Man sagt ihnen, was sie zu tun haben und damit basta! Und wer nicht spurt, dem wird man es schon zeigen!" Solche oder ähnliche Äußerungen hört man in diesem Zusammenhang immer wieder, auch von solchen Führungskräften, die es eigentlich ganz anders wissen müßten: von Spitzenführungskräften. Sie sind, wie viele Spezialisten auch der Meinung, daß man eben zur Führung von Menschen kein besonderes Wissen benötige. Warum auch? Denn sie persönlich brauchen es ja auch nicht. - So glauben sie jedenfalls.

Geht es aber um das Fachwissen, dann sind sie ganz anderer Meinung. Gerade auf dem Gebiet der EDV wird dieses Fachwissen ganz groß geschrieben. Das beweisen die vielen Stellenanzeigen, mit denen diese Fachleute gesucht werden. Das beweist aber auch die tägliche Praxis. Und auf dem einmal erworbenen Wissen darf man auch nicht stehen bleiben. "Wenn ich mit dem Fachwissen auskommen müßte, mit dem ich damals die Universität verlassen habe könnte ich den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Ja früher, das war alles viel einfacher, da wußten wir auch noch viel weniger." So die Erkenntnis vieler Fachleute, die mit dem technischen Fortschritt auf ihrem Fachgebiet Schritt halten oder es wenigstens versuchen.

Der Fortschritt gerade auf dem Gebiet der EDV ist ungeheuer. Wer auf diesem Fachgebiet etwas leisten will, muß sich dem Gesetz des "lebenslangen Lernens" unterwerfen oder untergehen".

"Wer Menschen führen will, muß sich mit den Menschen beschäftigen"

Wie steht es aber mit dem Führungswissen, der bei Führungsaufgaben gleich wichtigen Komponente? Wie steht es mit der Menschenkenntnis? Denn bei der Führung von Menschen ganz gleich, ob im eigenen Bereich oder bei der Kooperation mit anderen Bereiche, geht es ja um Menschen. Sie sollen ja beeinflußt, gelenkt, überzeugt werden. Wer Menschen leiten will, muß sich mit ihnen beschäftigen. Er muß wissen, was andere Menschen fühlen, denken, erwarten, welche Ansprüche sie stellen, wo ihre Interessen liegen. Er muß aber auch wissen, wie es um die Leistungswilligkeit und die Leistungsfähigkeit bestellt ist. Gerade auf einem technischen Gebiet wie dem der EDV muß sich die Führungskraft damit beschäftigen, was Menschen geistig und körperlich zugemutet werden kann, wo ihre Grenzen liegen. Was muß man tun, damit die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit nicht geistig verkümmern, damit sie durch die Arbeit nicht frustriert werden? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Arbeit und Gesundheit? Kann Arbeit krank machen? Alles das sind Fragen, die ein enormes Wissen über Menschen voraussetzen, Fragen, die gerade bei hochqualifizierten Spezialisten in Gefahr geraten, an die Peripherie ihrer Gedankenwelt gedrängt zu werden. Fragen aber, die im Mittelpunkt der Gedankenwelt einer Führungskraft stehen sollten.

"Und wo bleibt die Leistung? Wir können uns doch nicht nur um den Menschen kümmern, um seine Wünsche und Erwartungen. Er muß doch schließlich auch etwas leisten, es muß doch etwas verdient werden!" Nun, auch das sind Fragen, die die Führung betreffen. Auch diese Probleme gehören zu denen, mit denen sich Führungskräfte immer wieder beschäftigen müssen. Probleme zum Beispiel der Arbeitsstrukturierung, Organisation und der Rationalisierung. Alles Fragen, die zum Einsatzbereich der EDV gehören.

Dieser kurze und keineswegs vollständige Einblick in Teilgebiete des Führungswissens läßt eines erkennen: man muß eine ganze Menge wissen, wenn man Menschen führen will. Man muß aber auch auf diesem Gebiet, wie auf dem reinen Fachgebiet auch, mit der Entwicklung der Wissenschaft mithalten. Man muß sich mit Fragen der Medizin oder der Biologie - denken wir an das wichtige Gebiet der Streßforschung - genauso beschäftigen wie mit Fragen der Soziologie, der Psychologie, um nur einige Wissensgebiete zu nennen. Auch hier hat die Wissenschaft in den letzten Jahren sehr viel Neues gebracht. Wir wissen über den Menschen heute sehr viel mehr, als zum Beispiel noch vor dreißig, ja noch vor zehn Jahren.

Wer Menschen führen will und wer Menschen führen muß, ist schon von seiner Führungsaufgabe her gezwungen, sich das dazu notwendige Führungswissen anzueignen und auf dem jeweils neuesten Stand zu halten.

Der Leiter eines Rechenzentrums muß seine Mitarbeiter genauso führen, wie jede andere Führungskraft in anderen Bereichen auch. Er muß sie motivieren, fördern, beraten, überzeugen. Er muß ihnen Ziele setzen, oder besser, die Ziele mit ihnen vereinbaren, er muß dafür sorgen, daß diese Ziele auch erreicht werden. Er muß darauf achten, daß die richtige Frau oder der richtige Mann am richtigen Platz eingesetzt sind. Er muß sie beurteilen. Er muß die Klaviatur der Führung genauso beherrschen wie seine Kollegen vom Vertrieb oder von der Produktion. Er muß, muß und muß..., ohne es gelernt zu haben. Und hier liegt der berühmte Hund begraben. Führungswissen ist für Spezialisten in Führungspositionen genauso wichtig wie Fachwissen.

In der COMPUTERWOCHE sollen daher künftig vermehrt Fragen der Mitarbeiterführung behandelt werden. Ziel dieser Beiträge, die von erfahrenen Praktikern der Personalführung gestaltet werden, soll es sein Führungswissen zu vermitteln. Dabei sollen die Erkenntnisse der Wissenschaft helfen, moderne Führungsmittel in der täglichen Praxis des Arbeitslebens kennzulernen und anzuwenden.

- Dr. jur. Gesine Göschel und Dr. jur. Georg Wolff sind in leitender Funktion im Personalwesen tätig (Bad Vilbil-Heilsberg).