Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.11.1987

Mißtrauen gegenüber der Informationspolitik des Marktführers Unix vor SAA: SAP ändert Softwarestrategie

WALLDORF (qua) - Die ersten Softwerker haben offensichtlich "die Faxen dicke": Beunruhigt durch die Abhängigkeit von der IBM-lnformationspolitik bei der Systems Application Architecture (SAA), schafft sich die SAP GmbH jetzt ein Sicherheitsventil. Ab Januar setzt das Software-Unternehmen aus Walldorf zumindest intern auf Herstellerunabhängigkeit. Das bedeutet: Forschung und Entwicklung erfolgen unter Unix nach dem X/Open-Standard.

"Wir können nicht der IBM im Zeitraum von einem Jahr hinterherhinken", begründet SAP-Geschäftsführer Hasso Plattner die Strategie seines Hauses. Vielmehr sei es notwendig, selbständig "Entwicklungen zu antizipieren". Sollte der Branchenriese das SAA-Gerüst zügig mit Produkten ausfüllen, will SAP bereits Gewehr bei Fuß stehen. Unix werde dann eine schnelle Portierung der eigenen Pakete ermöglichen.

Realisieren wollen die Walldorfer ihr Konzept mit Hilfe eines Multinet-Verbundes von Rechnern vier verschiedener Hersteller. Neben IBM und Siemens werden voraussichtlich auch die Workstation-Produzenten Sun und Apollo vertreten sein. Außerdem will SAP die selbstgestrickte System-Software in "C" neu schreiben. In vier Jahren soll diese Umwandlung für das Data Dictionary, die Benutzerschnittstelle "Dynpro" sowie das Entwicklungssystem "ABAP/4" zu 80 Prozent abgeschlossen sein.

Darüber hinaus sollen für die Anwendungsentwicklung nur noch die im eigenen Betrieb geschmiedeten Tools eingesetzt werden. Mit dem Schlagwort "Innovationsvorsprung " begründet Plattner, daß SAP sich nicht mit der systemnahen Software anderer Hersteller begnügen will: "Anwendungs-Software kann nur so gut sein wie die verwendeten Werkzeuge". Wer also die eigenen Produkte auf der System-Software eines Dritten aufbaue, hinke ständig hinter dessen Vorgaben her. Demzufolge bleibe einem Unternehmen, das an vorderster Entwicklungsfront kämpfe, nichts anderes übrig, als mit eigenen Tools zu arbeiten.

Bei den Datenbank-Management-Systemen hingegen unterstützt SAP auch weiterhin die Produkte der Hardware-Produzenten IBM und Siemens sowie "Adabas" von der Darmstädter Software AG. Demnächst wird das relationale DBMS "Oracle" diese Palette ergänzen; wie Unix ist es jedoch vorerst nur zum internen Gebrauch bestimmt.

Der Bilanzabschluß des Walldorfer Unternehmens ist zwar erst zum Ende des Kalenderjahres fällig. Trotzdem veröffentlichte das Softwarehaus jetzt seine Geschäftsergebnisse für das laufende Jahr, wo

bei die vorliegenden Zahlen für die restlichen zwei Monate hochgerechnet wurden. Demnach beträgt der Umsatz in 1987 rund 143 Millionen Mark; gegenüber 1986 bedeutet das ein Plus von 58 Prozent. Anders ausgedrückt: Die 420 Mitarbeiter erwirtschafteten einen Pro-Kopf-Umsatz von 340 000 Mark.

Dietmar Hopp, ebenfalls Geschäftsführer bei SAP, schränkte allerdings ein, daß ein paar begünstigende Faktoren ins Gewicht gefallen seien: Zum einen hatte es aufgrund neuer Versionen beim Kostenrechnungs- und beim PPS-System 1985 einen Buchungsstau gegeben.

Zum anderen wurde die Wartungsgebühr im laufenden Jahr um anderthalb Prozentpunkte erhöht. Von 7 Prozent in 1986 stieg die Service-Pauschale auf 8,5 Prozent in 1987; für 1988 ist geplant, die Gebühr auf 10 Prozent des Lizenzpreises anzuheben. Ohne diese Einflußfaktoren, so Hopp, entspräche die Umsatzsteigerung ungefähr der des Vorjahres, die rund 47 Prozent betrug. Den Gewinn wollte Hopp nicht exakt beziffern; vielmehr beschränkte er sich auf die Angabe, daß die Umsatzrendite nach Steuern zwischen 10 und 15 Prozent liege.

Seine Zurückhaltung begründete der Geschäftsführer damit, daß er keine falschen Schlüsse provozieren wolle. Einer Forderung nach Preisreduzierung könne das Unternehmen zur Zeit nicht nachkommen, ohne seine wirtschaftliche Gesundheit aufs Spiel zu setzen.