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14.05.1993 - 

KOLUMNE

Misstrauen gegenueber Microsoft-Manifesten

Microsoft macht Schlagzeilen. Immer klingt in der Berichterstattung an, dass sich der Marktfuehrer bei PC-Software einem Monopol naehere. William Gates, der neue grosse Zampano der DV-Branche? Nach Big Blue nun Big Bill? Damit wird die Befuerchtung ausgesprochen, dass Abhaengigkeiten entstehen koennten. Jeder weiss, was gemeint ist: Schon die IBM-/370-Anwender haetten offene Systeme nutzen koennen, sie hatten nur keine Alternative. So liesse sich naemlich auch darstellen, wie die IBM mit proprietaeren Hardware-, Software- und Kommunikationsprodukten ihre /370-Kunden an sich kettete, nachdem es ihr gelungen war, die Mainframe-Konkurrenz nahezu vollstaendig auszuschalten. Jetzt also das gleiche Spiel auf der Desktop-Ebene, bei Betriebssystemen und Benutzeroberflaechen fuer PCs und Workstations?

Aufgeregte Kommentare, die fast den Charakter von Manifesten haben, deuten darauf hin. Da wird ein geradezu faustisches Szenario gezeichnet, in dem Microsoft die Rolle des Mephisto spielt. Das wirkt reisserisch und wird der Sache nicht gerecht. Ob Microsoft sich wettbewerbsschaedigend verhaelt, haben Gerichte zu entscheiden. Die US-Kartellbehoerde untersucht in Sachen Microsoft; noch wurde kein Verfahren eroeffnet, bewiesen ist nichts.

Der Fall scheint zumindest in einer Beziehung klar zu sein: Microsoft setzt neue Massstaebe. Aus der Sicht der Microsoft- Partnerfirmen ist die Macht der Gates-Company beneidenswert. Dass zu einem Pakt mit dem vermeintlichen Sieger ("IBM der 90er Jahre") weder Kraft noch Fantasie gehoert, steht auf einem anderen Blatt. Niemand sollte auch geltend machen, man muesse sich an dem orientieren, was die Anwender wollen. Ja, was wollen sie denn? Unbedingt Windows NT, das sie noch gar nicht kennen? Weil alles, was Microsoft anpackt, richtig und gut sein muss? Nein, die Entscheider werden nur Tatsachen im Auge behalten und nicht Versprechungen eines Anbieters trauen, die lediglich gut klingen.

Gibt es unter dieser Annahme ueberhaupt einen Grund, Microsoft mit Misstrauen zu begegnen, staendig vor vermeintlich monopolistischen Praktiken der erfolgreichen PC-Softwarefirma auf der Hut zu sein? Dies zu verneinen, waere allzu naiv. Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Es soll Anwender geben, denen das Monopolproblem schnurz ist, die opportunistisch dahin tendieren, wo sie die Mehrheit vermuten. Das heisst, Kaufentscheidungen werden davon beeinflusst, wie gross das Drittangebot fuer bestimmte Plattformen ist. Damit aber koennte auch bei den Entwicklern im Herstellerlager ein Sog in Richtung Windows NT entstehen. Genau diese Entwicklung hat waehrend der IBM-Dominanz zu einer Marktverarmung gefuehrt. Ueber diesen moeglichen Ausgang - und nur darueber - sollten die Anwender besorgt sein.