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17.10.1986 - 

Abgestufte Einmalgebühr bei Lizenzprogrammen für VM und VSE:

Mit 9370 führt IBM neue SW-Preisstruktur ein

STUTTGART (CW) - Mit den neuen Rechnern der Serie 9370 (siehe auch Seite 1) setzt die IBM verstärkt auf die Betriebssysteme VM und Unix. Damit räumt der Branchenriese ein, daß er an durchgängigen und offenen Systemen nicht vorbeikommt.

Alle vier Modelle unterstützen die Betriebssysteme VM/Integrated System, VM/SP, VSE/SP und IX/370 (siehe Tabelle). VM/SP soll dabei für interaktive Anwendungen eingesetzt werden, beispielsweise im techinisch-wissenschaftlichen und im Bürobereich sowie für die Anwendungsentwicklung. VSE/SP ist für die Stapel- und Transaktionsverarbeitung gedacht und IX/370, eine erweiterte Version von Unix System V, läuft als Gastsystem unter VM/SP. Um Betriebssystemkompatibilität zu einem zentralen MVS-System zu gewährleisten, steht dem Benutzer darüber hinaus MVS/SP auf der 9375 Modell 60 und der 9377 Modell 90 zur Verfügung.

Mit dem 9370-Announcement präsentiert die IBM auch eine neue Preisstruktur für Lizenzsoftware der Betriebssysteme VM und VSE/SP. Ab sofort unterteilt der Marktführer seine gesamte Rechner-Palette mit /370-Architektur in vier Leistungsklassen (siehe Kasten). Entsprechend diesen Kategorien wird künftig eine "abgestufte Einmalgebühr" erhoben. Betroffen von der Änderung sind unter anderem Produkte wie VM/SP, Profs, Netview, CMS, QMF, und APL sowie PL/l-, Fortran-, und Cobol-Compiler. Die Staffelung greift bei über 90 Programmen und beschert dem Benutzer insgesamt rund 3000 neue Softwarepreise. Dabei winken bei Produkten für die niedrigste Leistungsklasse (Gruppe 10) Einsparungen bis zu 75 Prozent.

Die IBM rechne damit, so die offizielle Stellungnahme aus Stuttgart, im Zusammenhang mit den angekündigten Maschinen durch die neue Preisstruktur der Software auf Abteilungsrechnerebene mehr Systeme nicht ungelegen. De Graaf: "Damit eröffnet IBM vielen Softwarehäusern jetzt die Möglichkeit, auch ihre eigenen Produkte dem Kunden weiter bis in die Abteilung mit Lizenzgebühren zu belasten. Das war bisher eigentlich unüblich".

Auf Ernst Hofmann, Geschäftsführer der Cincom Systems, Frankfurt, macht die IBM mit ihrem Announcement "derzeit einen uneinheitlichen Eindruck". Es gebe sicher Anwender, die aufgrund der neuen Preisstrukturierung mehr Software kauften, und Lizenzprogramme zu verkaufen: "Für die einzelne Abteilung wird es billiger, für das Unternehmen in der Endsumme mehr", hieß es. Das sei eine klare Rechnung.

In Softwarekreisen wird der IBM-Schwenk indes sehr differenziert beurteilt: "Das Ganze ist nur eine scheinbare Preisreduktion", kommentiert Adriaan C. de Graaf , Präsident der ADR Applied Data Research Europa, die Abkehr des Branchenriesen von der Tradition. "Im Endeffekt wird der Kunde durch das neue System insgesamt sicher mehr belastet als bisher. Die IBM sucht neue, Einnahmequellen und versucht nun ihren Umsatz über die Software-Schiene zu steigern".

Andererseits kommt den Programmschmieden die neue Marschroute des Marktführers offenbar aber keinen Kunden, der deswegen auf MVS setze. Zudem bewegten sich die Reduzierungen der SW-Preise in einem relativ begrenzten Rahmen. Hofmann: "Die Maschinen der Gruppe 10 haben im deutschen Markt praktisch keine Bedeutung mehr." Seiner Meinung nach hätte IBM besser daran getan, statt der Preissenkung entsprechende Anwendungssoftware anzukündigen. Hofmann: "Das ist es, was wirklich fehlt - gerade unter VM".