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08.05.2006

Mit Adcenter bläst Microsoft zur Aufholjagd

Microsoft macht Milliarden locker, um das Internet-Portal MSN für den Wettbewerb gegen Google und Yahoo aufzuwerten. Dazu soll nicht zuletzt die neue Werbeplattform "Adcenter" beitragen.

Um das Online-Anzeigengeschäft in Fahrt zu bringen und das MSN-Portal sowie die neuen Suchtechnologien zu verbessern, hat Microsoft den dafür vorgesehenen Etat um 60 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar aufgestockt. Wie Microsoft-Chef Steve Ballmer ankündigte, gehen von dieser Summe im kommenden Geschäftsjahr allein 1,1 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Zuvor hatte Microsoft für sein drittes Geschäftsquartal in der Unternehmenseinheit MSN Umsatz- und Gewinneinbußen melden müssen: Die Einnahmen fielen von 581 Millionen auf 561 Millionen Dollar, das vormals positive Ergebnis von 102 Millionen Dollar verkehrte sich in ein Minus von 26 Millionen.

Microsoft schluckt Massive Inc.

Das Einspielen von Werbung in Computerspiele ist für Xbox-Anbieter Microsoft eine interessante Option. Um in Diensten wie "Xbox Live" oder "MSN Games" möglichst einfach Werbung unterbringen zu können, haben die Redmonder die rund 80 Mitarbeiter starke Startup-Company Massive Inc. übernommen. Der Preis wurde nicht genannt, er soll aber zwischen 200 und 400 Millionen Dollar liegen. Microsoft sucht Unternehmensangaben zufolge derzeit nach Möglichkeiten, die Massive-Werbung in seine neue Auktionsplattform Adcenter einzubinden.

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www.computerwoche.de/

575892: Yahoos neues System für Keyword Advertising;

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575625: Google fürchtet, dass Microsoft Internet Explorer und Suche verschmilzt.

"Nur zwei bis drei Unternehmen können wirklich die Infrastruktur liefern, die mit den Anforderungen von Konsumenten und Anzeigenkunden Schritt halten", sagte Ballmer, der dazu auch sein Unternehmen zählt. Microsoft aber ist von einer Führungsposition noch weit entfernt. Derzeit dominiert der welt- größte Suchmaschinenbetreiber Google diesen Markt mit Abstand. Allein in den USA laufen nach Angaben von Nielsen Net- ratings 49 Prozent aller Suchanfragen über Google. Microsofts MSN-Suche - neuerdings als Windows Live Search bezeichnet - rangiert mit 10,9 Prozent an dritter Stelle, deutlich hinter dem Zweitplatzierten Yahoo mit 22,5 Prozent der Suchanfragen. Besonders schmerzlich für die Gates-Company: Im Februar 2005 hatte der Marktanteil noch bei 14,2 Prozent gelegen.

Hoffnungsträger Adcenter

Mit seinem neuen Vermarktungssystem für Online-Werbung Adcenter hofft der Softwareriese nun, Boden gutzumachen. Seit dem letzten Quartal liefert Microsoft in den USA bereits einen Großteil der Kontextanzeigen auf Windows Live Search über Adcenter aus. Jetzt wird der US-Betrieb komplett umgestellt.

Eine moderne Technik für das Keyword-Advertising lohnt sich: In den USA gaben Firmen laut Internet Advertising Bureau im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Dollar für Anzeigen im Umfeld von Suchergebnissen aus, 31 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Mehrere hundert Ingenieure und Forscher arbeiten bei Microsoft an der Software, die auf mehr als 500 leistungsfähigen Servern im Silicon Valley und in Redmond läuft. Anfänglich soll Adcenter nur Anzeigen im Kontext von Suchergebnissen ausliefern. Später soll die Software aber wohl auch Werbung in Videospielen und auf Fernsehbildschirmen präsentieren (siehe Kasten: Microsoft schluckt Massive Inc.).

Bevor Microsoft Adcenter einführte, nutzte das Unternehmen einen Service von Yahoo, der die Versteigerung der Werbung erledigte.

Die Nähe der beiden Konzerne zueinander hatte immer wieder zu Fusions- oder Beteiligungsgerüchten geführt - zuletzt noch in der vergangenen Woche, kolportiert vom "Wall Street Journal". Das Blatt schließt nicht aus, dass Microsoft eine Beteiligung an Yahoo erwerben möchte, um ein stärkeres Gegengewicht zu Marktführer Google bilden und größere Anteile vom Online-Werbemarkt abschöpfen zu können.

Angesichts der hohen Investi- tionen und der Inbetriebnahme der Adcenter-Software spricht derzeit aber mehr dafür, dass Microsoft die beiden führenden Internet-Suchportale im Alleingang angreifen will. Doch die Gegner sind nicht untätig. Yahoo hat vor wenigen Tagen ebenfalls ein deutlich verbessertes System für die Online-Werbung präsentiert, nachdem das Unternehmen gegenüber Google zunehmend ins Hintertreffen geraten war.

Auch Yahoo mit neuer Plattform

Bisher hatte sich Yahoo auf Technik des im Jahr 2003 übernommenen Anbieters Overture verlassen, dem Pionier in Sachen Suchvermarktung im Internet. Auf dessen Lorbeeren hatte sich das Portal jedoch recht lange ausgeruht. Erst jetzt wurde ein überarbeitetes System präsentiert, das im dritten Quartal 2006 in Betrieb gehen soll.

Schon seit 2004 arbeitet indes Google an einer Verbesserung seines Online-Werbesystems. Damals wurde das Projekt "Revenue Force" gestartet, in dessen Rahmen der Marktführer jene Algorithmen überarbeitete, die darüber entscheiden, welche Anzeigen bei einer Suchabfrage eingespielt werden und in welcher Reihenfolge diese erscheinen. "Wir sind sehr zuversichtlich nicht nur angesichts unseres aktuellen Produkts, sondern auch was unsere künftigen Innovationszyklen angeht", gibt sich Tim Armstrong, Googles Vice President for Advertising Sales, selbstbewusst.

Microsoft jedenfalls muss nun erst einmal möglichst viele Werbekunden für seine Seite gewinnen, seinen Marktanteil bei der Internet-Suche ausbauen und andere Sites als Adcenter-Kunden rekrutieren.

Wichtige Skaleneffekte

Bei der Online-Werbung spielen Skaleneffekte eine zentrale Rolle: An je mehr Orten Anzeigen platziert werden, desto besser ist die Chance, dass ein Verbraucher sie anklickt. Und je mehr Werbung geklickt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, neue Werbekunden zu gewinnen. Dann lassen sich auch die Preise steigern, die der Plattformanbieter mit seinen Keyword-Auktionen erzielen kann. (hv/tc)