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10.01.1997 - 

Personal Workstation für das Low-end- und Midrange-Segment

Mit Alpha und NT attackiert DEC Unix-Workstations

IBM, Motorola und Bull haben gerade die NT-Pläne für ihre RISC-Systeme zu Grabe getragen, da will Digital mit einer erweiterten Strategie für NT unter Alpha auftrumpfen: Die "Personal-Workstations"-(PWS-)Familie, die am 6. Januar 1997 offiziell vorgestellt wird, soll die Low-end- und Midrange-Unix-Desktops für technische und grafische Anwendungen das Fürchten lehren. Digital-Manager erläuterten auch eine neue Vertriebsstrategie, die 1997 allein in Deutschland den Absatz von 11000 dieser Maschinen gewährleisten soll.

Die Zeit sei reif für NT-Workstations, so Elmar Selbach, Leiter Workstation-Marketing bei DEC, denn diese lieferten unter NT ähnliche Leistungen wie unter Unix, dabei aber doppelt soviel Performance wie gleich ausgestattete Pentium-Pro-Maschinen. Darüber hinaus gelte mittlerweile eine Kritik nicht mehr: Etliche wichtige Applikationen aus dem technisch-wissenschaftlichen Umfeld, die bisher nur für Unix-Derivate verfügbar waren, seien nun auf NT-Alpha portiert, einige Hersteller wie Autodesk hätten gar ihr Unix-Engagement zugunsten von NT völlig eingestellt. Selbach verwies auf die Bereiche Mechanical Design, Electrical Design und Analysis, Animation und Video (Digital Content Creation - DCC), Technical Computer Aided Software Engineering ( TCASE) sowie geografische Informationssysteme (GIS). Portiert und für NT-Alpha verfügbar seien Anwendungen der Hersteller Autodesk, Esri, Bentley, PTC, Solidworks, Computervision, Veribest, Softimage und Smallworld.

Selbach präsentierte zwei Modelle der Personal Workstations mit den Bezeichnungen "Digital PW 433a" und "500a". Diese lägen preislich um etwa zehn Prozent, leistungsmäßig aber um bis zu 300 Prozent über ausstattungsmäßig vergleichbaren Intel- oder RISC-Maschinen. Ein Einstiegsmodell sei für unter 10 000 Mark, eine 500-Megahertz-Konfiguration mit Spitzengrafik für knapp 30 000 Mark zu haben.

Verantwortlich für den deutlichen Rechenleistungs-Vorsprung gegenüber Intel sei nicht nur der Alpha-Chip, sondern auch das Grafiksystem namens "Powerstorm". Dieses biete die 3D-Leistungen einer Unix-Maschine von Silicon Graphics zu Preisen eines 2D-Boards. Der Trick: Powerstorm greife auf die Fließkommaeinheit des Alpha-Prozessors zu. Mit dem Programm "Pro Engineer" etwa liefere eine Personal Workstation 433a (Alpha EV 56, 433 Megahertz) knapp die doppelte Rechenleistung einer gleich konfigurierten Maschine mit Pentium-Pro-CPU (200 Megahertz). Dabei betrage der Preisunterschied nur 3000 Mark (Listenpreise bei Digital: 9917 versus 11995 Dollar).

Noch krasser werde der Preis-Leistungs-Unterschied im Vergleich mit einer "SGI Indigo 2" (mit High-Impact-Grafik).

Dem vierfachen Preis der Indigo stehe eine geringere Grafikperformance gegenüber, so die Ergebnisse eines von Digital veröffentlichten 3D-Benchmarks. Auch bei der Relation Preis pro Specmark (Specfp95 und Specint95) liege die Personal Workstation 433a deutlich günstiger als vergleichbare Intel- oder RISC-Modelle inklusive der DEC-eigenen Maschinen.

Die Costs of Ownership schließlich spreche, so das Institut Alliance Development Corp., ebenfalls zugunsten von Alpha-NT. Hier liegen die Alpha-Modelle mit etwa 19000 Dollar unter den Preisen von IBM RS/6000, HP 9000, Sun Sparc, SGI, jedoch über denen von Intel-NT-Rechnern.

Die NT-Workstations sind wahlweise mit Intel- oder Alpha-Prozessoren erhältlich (Intel bis 200 Megahertz, Alpha mit 433 oder 500 Megahertz), entsprechend gibt es eine "i"- und eine "a"-Serie. Als besonderen Clou sieht Selbach die Möglichkeit des Prozessor-Upgrades von Intel zu Alpha. Durch einfachen Board-Wechsel könne eine Personal Workstation bei ansonsten gleichbleibenden Komponenten in ihrer Leistung verdoppelt werden. Diese Option ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn auch andere Softwareversionen installiert werden. Denn NT-Applikationen sind auf Intel- und Alpha-Basis nicht binärkompatibel. Soll keine Emulation gefahren werden (die sämtliche Leistungsvorsprünge wieder zunichte macht), ist eine komplette Neuinstallation fällig.

DEC stellt neues Vertriebskonzept vor

Zudem verkündete DEC ein neues Marketing- und Vertriebskonzept für die Workstations. Dazu schuf das Unternehmen eigens eine Organisation. In dieser "Company in der Company" werden technisches Know-how, Kapazitäten für ISV- und VAR-Support sowie für Verkaufsprogramme vorgehalten. Der Vertrieb wird auf indirekte Kanäle, sprich auf Händler und VARs ausgerichtet, denen die Maschinen mit "besseren Handelsspannen als bei Intel" schmackhaft gemacht werden sollen. "Unseren jetzigen Marktanteil von etwa 14 Prozent in Deutschland wollen wir durch dieses Programm signifikant ausbauen", so der frischgebackene Workstation Sales & Marketing Manager Deutschland, Carsten Schaefer.

Der Mitbewerb sieht diese Pläne mit Skepsis. Joseph Reger etwa, bei der IBM für den Bereich "Neue Technologien" zuständig, hält das Low-end-Workstation-Segment mit Intel-Maschinen für bestens abgedeckt. Und die seien allemal billiger als Alpha. Zudem gebe es in Kürze Intel-Mehrweg-Systeme für höhere Leistung (die allerdings auch für Alpha verfügbar sein werden). Auch sieht Reger die kritische Größe für Alpha noch lange nicht erreicht, um der Prozessorlinie ein längerfristiges Überleben garantieren zu können. Und schließlich: "Welches Softwarehaus portiert seine Anwendung schon auf eine RISC-Plattform, wenn das Massengeschäft mit Intel zu machen ist?"

In diese Kerbe schlägt auch Michael Schröder, Leiter Produkt-Marketing bei Sun Microsystems: "Die Anwendungen und Integrationswerkzeuge für Alpha sind einfach nicht umfangreich genug." Sowohl Schröder als auch Reger räumen jedoch ein, daß NT-Plattformen im unteren Workstation-Segment denen unter Unix Marktanteile entreißen könnten. Ob diese dann auch mit DEC-Alpha laufen, bleibt abzuwarten.

*Manuel Okroy ist freier Journalist in München.