Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.09.1999 - 

Interview

"Mit ASP wollen wir in den Mittelstand"

Mit Gerhard Oswald, Vorstandsmitglied der SAP AG in Walldorf, sprach CW-Redakteur Stefan Ueberhorst

CW: Der Markt für Application-Service-Providing, also für via Internet mietbare Standardsoftware, kommt in den USA bereits kräftig ins Rollen. Ist dieses Geschäftsmodell für SAP interessant?

OSWALD: Zwei Dinge kommen heute zusammen. Zum einen haben wir uns in den letzten drei Jahren sehr stark in Richtung eines Anbieters von Branchenlösungen gewandelt. Zum anderen geraten die Internet-Technologien gerade erst in Schwung. Der Zeitpunkt ist also genau richtig, nicht nur Outsourcing zu betreiben, sondern Anwendungen über das Netz auch denjenigen Kunden zur Verfügung zu stellen, die bisher vielleicht nur kleinere PC-Lösungen oder Eigenentwicklungen im Einsatz haben. Wir sehen hier ein großes Potential.

CW: Also ein neuer Anlauf, um im Mittelstand endlich Erfolg zu haben?

OSWALD: Wir haben im Mittelstand bereits heute sehr viel erreicht, wie die Zahlen belegen. In ASP sehe ich eine Möglichkeit, unsere Präsenz in diesem Segment noch weiter auszubauen. Schließlich wird man auch dort nicht um Web-basierte Business-to-Business-Szenarien herumkommen. Das Internet könnte tatsächlich eine Triebfeder für Unternehmen sein, aus der Steckdose Lösungen zu beziehen, die sie vorher nicht in Erwägung gezogen haben. Gute Chancen rechne ich mir aber auch in größeren Unternehmen aus, die bestimmte Prozesse ebenfalls auf diese Art abwickeln könnten.

CW: Weshalb interessieren sich deutsche Anwender offenbar weniger für das Thema als amerikanische Firmen?

OSWALD: Wer letztlich nicht mehr genau weiß, wo seine Anwendungen laufen, braucht sehr viel Vertrauen in seine IT-Partner. In Deutschland gibt es noch einige Hemmungen, Applikationen nicht auf den eigenen Rechnern vorzuhalten. Mit zunehmender Akzeptanz des Internet und durch das Entstehen virtueller Marktplätze wird sich das aber ändern.

CW: Beim ASP-Modell handelt es sich um ein typisches Partnerkonstrukt. Könnte sich SAP hier einen aktiven Part etwa in Form eines Applikations-Hostings vorstellen?

OSWALD: Ein Applikations-Hosting wohl nicht. Wir werden aber im Rahmen unserer Internet-Hosting-Services ein sogenanntes Evaluierungs- und Implementierungs-Hosting präsentieren. Konkret sieht das Prozedere dabei so aus, daß ein Kunde unsere Service-Rechenzentren über das Internet kontaktiert und dort anhand eines Frage-Antwort-Katalogs sowie diverser Erfahrungsdatenbanken das von ihm benötigte R/3 prüfen und konfigurieren kann. Sobald das System die vom Anwender gewünschte Ausprägung hat, wird es ihm überspielt. An dieser Stelle kann sich der Kunde alternativ natürlich auch für einen Outsourcing- oder ASP-Betrieb bei einem unserer Partner entscheiden.

CW: Sie sprechen von konfigurierten Systemen. Im ASP-Geschäftsmodell geht man jedoch von einheitlichen Standardfunktionen für die breite Masse aus.

OSWALD: Mit den verfügbaren Branchen-Templates ist auch ein R/3 aus der Steckdose möglich. Ich kann mir deshalb vorstellen, daß sich nicht nur Funktionen für die Kostenrechnung, sondern auch logistische Prozesse eines Unternehmens via ASP unterstützen lassen. Die Option auf eine Anpassung bleibt erhalten, es stellt sich allerdings die Frage, ob sich die Veränderung eines Tem-plates für den Kunden lohnt._TX:Außerdem werden wir für ASP-Partner in Kürze sogenannte Steckermodelle anbieten, über die man sich auf einem Internet-Marktplatz auch mit Nicht-SAP-Anwendungen verbinden kann.

CW: ERP-Funktionen aus der Steckdose, das klingt nach Unabhängigkeit der Anwender und losen Kundenbeziehungen.

OSWALD: Unsere Stärke ist nach wie vor die Integration. Unsere Kunden wissen das sehr genau. Sie fordern von uns eine Strategie der Offenheit. Wenn wir weiterhin bei diesem Prinzip bleiben, wird die SAP letztlich immer profitieren.

CW: Hoffen Sie darauf, daß ASP den nachlassenden Umsatz im Lizenzgeschäft ausgleichen kann?

OSWALD: Die Anschaffungsentscheidungen fallen derzeit aufgrund des Jahr-2000-Problems zurückhaltend aus, in manchen Unternehmen geht das bis hin zum völligen Investitionsstop. Im nächsten Jahr wird das Lizenzgeschäft aber ganz sicher wieder gut anspringen. Gerade in der Fertigung, im Personalbereich oder in der Kostenrechnung gibt es eine Reihe von Anwendungen, die sich nicht über das Internet betreiben lassen. ASP stellt für uns keinen Ersatz, sondern eine Ergänzung des Kerngeschäfts dar.