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16.06.1995

Mit Begriffswirrwarr um den heissen Brei herumreden Namensvielfalt verweist auf die Unklarheiten beim Outsourcing

Viele Begriffe begegnen den DV-Strategen im Zusammenhang mit dem Thema Outsourcing. Dabei hat die Namensvielfalt mehr mit Imageaspekten als mit der Substanz dieser Dienstleistung zu tun. Die meisten Anbieter wollen sich damit vom Stigma des "feindlichen Eroberers" der internen DV-Abteilungen befreien. Mit der Einfuehrung neuer Begriffe versuchen sie, die Partnerschaftskomponente hervorzuheben. Durch die augenscheinliche Identitaetskrise des Outsourcing-Phaenomens, scheint es nun der geeignete Zeitpunkt, einen Ueberblick ueber die Definitionen zu geben, so wie sie das Marktforschungsunternehmen Input, Frankfurt, verwendet.

Der Terminus "Outsourcing" impliziert eine langfristige Beziehung (mindestens ein Jahr) zwischen einem IT-Anwender und einem IT- Anbieter. Das Kundenunternehmen uebertraegt im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags die Verantwortung fuer die Gesamtheit oder einen signifikanten Teil eines Unternehmensprozesses auf einen oder mehrere Dienstleister. Die Auslagerung kann sich dabei entweder nur auf die Informationssysteme beschraenken oder aber die Informationstechnologie als Komponente mit einschliessen.

Der Vertrag kann auch Vereinbarungen ueber Aktivitaeten enthalten, die nicht direkt im Zusammenhang mit der Informationsverarbeitung stehen; letztere muss aber immer ein integraler Bestandteil des Vertrags sein.

"IS-Outsourcing" bezeichnet eine Ansammlung verschiedener IT- Services, die auf der Basis einer langfristig angelegten Partnerschaft vom Dienstleister erbracht werden.

"Business Operations Outsourcing" (auch unter "Business Outsourcing" oder "Funktionales Outsourcing" subsumiert) bezeichnet eine Geschaeftsbeziehung, in der ein Anbieter einen kompletten Geschaeftsprozess oder eine vollstaendige Unternehmensfunktion uebernimmt, einschliesslich der gesamten sie unterstuetzenden Informationstechnologie. Der Ausgabenanteil fuer die Informationssysteme muss bezogen auf das Gesamtbudget mindestens 30 Prozent ausmachen.

"Informationssystem (IS) Outsourcing" kann als ein Teilsegment des Business-Operations-Outsourcing-Markts aufgefasst werden. Das heisst, die Auslagerung der Informationsverarbeitung stellt gleichzeitig immer auch die Auslagerung einer bestimmten Unternehmensfunktion - naemlich der IS-Funktion - dar.

Das IS-Outsourcing kann in vier Servicekategorien aufgeteilt werden:

1. Das "Systems Operations Outsourcing" definiert eine Beziehung, in der der Anbieter fuer den Betrieb und das Management des Computersystems/des Rechenzentrums, also ausschliesslich der Hardware (Platform Systems Operations) oder zusaetzlich auch fuer die Entwicklung und Wartung der Anwendungen eines Kunden (Applications Systems Operations) verantwortlich ist.

2. "Desktop-Services" definieren eine Geschaeftsbeziehung, in der ein Anbieter die Verantwortung fuer die Entwicklung, Wartung und Vernetzung der PCs, Workstations, Client-Server- und LAN-Systeme in der Kundenorganisation uebernimmt. Ein Vertrag ueber Desktop- Services muss zudem noch folgende Dienstleistungen mit einschliessen:

- das Angebot von Software,

- das Angebot von Hardware,

- die Hard- und Software-Installation,

- die Wartung der Hardware,

- die Installation und Erweiterung des LANs,

- das LAN-Management,

- das Schnittstellen-Management,

- den Client-Server-Support,

- das Logistik-Management,

- die Benutzerhilfen,

- die Helpdesk-Funktion,

- Benutzertraining und -schulung.

Desktop-Services umschreibt somit alle Aktivitaeten, die getroffen werden muessen, um die Funktionsbereitschaft von Desktops beziehungsweise Desktop-Systemen aufrechtzuerhalten.

3. Beim "Network Management Outsourcing" uebernimmt der Anbieter die volle Verantwortung fuer den Betrieb und das Management der Daten- und Telekommunikationsnetze. Dies kann auch Sprachdienste, Bilder und Videoelemente umfassen.

4. Beim "Application Management" schliesslich ist der Anbieter fuer die Entwicklung und Wartung der gesamten Anwendungssysteme fuer eine Unternehmensfunktion oder einen Unternehmensprozess verantwortlich. Im Unterschied zu Applications Operations ist der Anbieter hier ausschliesslich fuer die Software verantwortlich. Die Hardware verbleibt in Kundenbesitz. (Das Application Management ist daher gewoehnlich nicht im Bereich der RZ-Applikationen vertreten.)

Nicht zum IS-Outsourcing gehoeren die folgenden Serviceleistungen:

- Projektbasierte Dienstleistungen sind kein integraler Bestandteil des Outsourcing. Deshalb sind Systemintegration und Anwendungsentwicklung keine Outsourcing-Kategorien.

- Serviceleistungen, fuer die eine interne Ausfuehrung nie in Betracht gezogen wurde, zaehlen ebenfalls nicht dazu. Wartungsdienstleistungen allein konstituieren ueberdies kein Outsourcing-Verhaeltnis. Dennoch ist die Verantwortung fuer Hardware- und Softwarewartung meist Bestandteil des Vertrags.

- Vertraege ueber Verarbeitungsdienstleistungen (Processing Services) mit weniger als einem Jahr Laufzeit.

- das Management von Sprachvermittlungsnetzen.

- Geschaeftsablaeufe mit nur minimalem IT-Anteil. So faellt die Auslagerung der Marketing-Funktion an eine externe Agentur beispielsweise nicht unter das IS-Outsourcing.