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19.09.2003 - 

Duale Bachelor-Ausbildung erleichtert den Berufseinstieg

Mit beiden Beinen in der Praxis

MÜNCHEN (CW) - Die Fachhochschule Gelsenkirchen entwickelte zusammen mit dem Trainingsanbieter Siemens Business Services einen dualen Bachelor-Studiengang, der Theorie und Berufspraxis verknüpft.

Studierende, die sich für eine Kombination von Studium und Beruf entscheiden, lernen die Arbeitswelt bereits während ihrer Ausbildung kennen. Siemens Business Services (SBS) entwickelte in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Gelsenkirchen den dualen Abschluss "Bachelor of Information and Communications". Er verbindet Theorie und Praxis im Verhältnis 2:1. In Blöcken absolvieren die Studenten einen dreijährigen Studiengang. Gleichzeitig haben sie einen Ausbildungsvertrag mit einem Partnerunternehmen von SBS. Dort verbringen sie die Praktikumsphasen und bearbeiten gegen Ende des Studiums ein Kundenprojekt für ihre Abschlussarbeit.

Lange Semesterferien sind tabu

Die Studienkosten werden zum Teil von den Partnerunternehmen getragen. Dazu Professor Detlef Mansel, der das Projekt auf Seiten der FH Gelsenkirchen betreut: "Diese Hürde garantiert ein hohes Engagement der Firma." Im Gegenzug verlangen viele der Partnerfirmen von den Absolventen, mindestens drei Jahre nach dem Studium im Unternehmen zu bleiben. Doch das Studium hat auch für die Lernenden seinen Preis: Lange Semesterferien gibt es nicht, die Urlaubsregelung orientiert sich am Ausbildungsvertrag. Die Teilnehmer erwarten 220 Studien- und Arbeitstage pro Jahr.

"Wir haben einen sehr guten Kontakt zu Arbeitgebern und wissen, welche Technologien sie einsetzen und was für Erfordernisse sie haben", berichtet Professor Stephan Rempel, Studienleiter des Trainingsanbieters SBS. "Die Herangehensweise ist deshalb auch eine ganz andere als bei einem normalen Informatik-Studiengang. Bei uns geht es um das passende Wissen, das die Studenten im Berufsalltag einsetzen können", so Rempel.

Die Vorauswahl der Studienteilnehmer ist streng. Wer die formalen Eingangsvoraussetzungen erfüllt, muss sich einem DV-Eignungstest unterziehen. Hinzu kommt ein intensives persönliches Bewerbungsgespräch. "Schon im Auswahlverfahren achten wir darauf, dass die Studenten auch soziale Kompetenzen mitbringen; optimal finden wir Beraterpersönlichkeiten", erklärt Rempel. Nimmt ein Bewerber alle Hürden, werden seine Daten zunächst in einen Pool aufgenommen. Die beteiligten Unternehmen können bei der Auswahl ihrer künftigen Mitarbeiter auf die dort gespeicherten Profile zurückgreifen oder auch geeignete Kandidaten vorschlagen, wenn beispielsweise ein Abiturient nach seiner Lehre an ein Studium denkt.

Mitte nächsten Jahres schließen die ersten Absolventen ihr Studium ab. Die Abbruchquote ist mit fünf Prozent gering. Die Verbindung von Theorie und Praxis hat sich bewährt. Der Koordinierungsrat, der von den Partnern paritätisch besetzt ist, wacht auf der Grundlage des Hochschulgesetzes über die Qualität des Studiums und entwickelt die Studieninhalte ständig weiter.

E-Learning gehört dazu

Neben fachlichen Inhalten wie objektorientierte Softwareentwicklung, Datenbankdesign oder Administration von Linux und Windows trainieren die Studenten auch Sozial-, Prozess- und Businessanalyse-Kompetenz. Moderation, Präsentationstechniken, Controlling in Projekten und Betriebswirtschaftslehre gehören ebenfalls zum Curriculum.

In der ersten Ausbildungsphase, die 18 Monate dauert, liegt der Schwerpunkt auf der Projektrealisierung. Im zweiten Block steht das Thema Consulting im Mittelpunkt. Nun müssen die Studenten beweisen, dass sie eine angemessene Lösung entwickeln und bis zum Vertrag vorantreiben können. Im Team lösen sie mehrere Fallstudien und trainieren Programmierung und Consulting gleichermaßen.

Zwischen den einzelnen Theoriephasen liegen für die Studierenden immer wieder Projektarbeiten und Praktika im Partnerunternehmen. Präsenzunterricht wird durch E-Learning-Programme ergänzt. Die Lerntage im Netz teilen sich die Teilnehmer selbständig ein. Sie können in "Selbstarbeitsphasen" Aufgaben lösen, per Newsgroup mit ihrer Lerngruppe im Business-College-Netz kommunizieren und Ideen austauschen. Über ein elektronisches Diskussionsforum ist auch der direkte Dialog mit den anderen Studenten und dem Dozenten möglich. (iw)