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27.12.1991 - 

RISC-CPU vom Laptop bis zum Supercomputer

Mit dem Alpha-Projekt will DEC die Konkurrenten übertrumpfen

BOSTON/MÜNCHEN (CW) - Die jetzt bekanntgewordenen Details zu DECs RISC-basiertem Alpha-Projekt dürften in der Branche mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden: Für VMS-Kunden zeichnet sich eine rosige Zukunft ab. Hingegen dürften sich nicht nur Mips, sondern auch andere ACE-Mitglieder gehörig auf den Schlips getreten fühlen. Sun und der IBM-Apple-Verbindung andererseits könnten im Ringen um den in Zukunft vorherrschenden Workstation-Standard die Felle davonschwimmen.

Ausgangspunkt der neu auf geflammten Spekulationen um Digital Equipments proprietäre RISC-Entwicklung Alpha ist ein Hintergrundgespräch, das Olsen-Entwickler in den USA mit der Presse führten. Hierbei teilten Ingenieure wie Dick Sites, Senior Consulting Engineer bei DEC und Ko-Architekt für Alpha, erste technische Spezifikationen mit, deren Richtigkeit DEC-Sprecherin Theresia Wermelskirchen auf Nachfragen bestätigte, ohne im einzelnen zu den Aussagen Stellung nehmen zu wollen. Sie verwies allerdings auf den Februar 1992. Für diesen Zeitpunkt ist geplant, ein weltweites Announcement abzuhalten, in dem das Alpha-Projekt offiziell vorgestellt und auch die zukünftigen DEC-RISC-Pläne offenbart werden sollen.

Klar ist, daß es sich bei der Alpha-Implementation um eine 64-Bit-Architektur handelt. Sites zog Parallelen zum Cray-l-Prozessor, indem er die 150 DEC-Instruktionen mit den 128 des schon legendären Supercomputers mit integrierter Sitzbank verglich.

Die superskalare CMOS-Architektur besitzt einen nichtsegmentierten 64-Bit-Adreßraum und 64-Bit-Register, -Integer und -Floating-Points und ist sowohl für den Einprozessor- als auch - nach diesen Quellen - für massiv-parallelen Betrieb geeignet. Wermelskirchen wollte die kolportierten 400 bis 500 parallel arbeitenden Alpha-CPUs jedoch nicht bestätigen.

Auch gibt es Unklarkeiten über die Taktrate der RISC-Prozessoren. Gerüchte um Werte zwischen 150 und 200 Megahertz kursieren in der Branche. Die Zykluszeit von fünf Nanosekunden legen Branchen-Insider DEC-Boß Ken Olsen in den Mund.

DEC hat nach den Aussagen der Entwickler bislang 50 Alpha-Systeme produziert und im Test. Erste Rechner erwarten Branchen-Insider in etwa zwölf Monaten. Hierbei soll es sich um Workstations handeln, die um 20 000 Dollar kosten werden. Die Ein-Chip-Implementation könne eine Rechenleistung von etwa 100 Specmarks in die Waagschale werfen, womit sie nicht nur erheblich potenter als alle bislang am Markt befindlichen RISC-CPUs wäre, sondern auch die von Sun Microsystems erwartete und von TI produzierte "Viking"-CPU und den IBM-Motorola-Prozessor "Power-PC" an Rechenleistung übertreffen würde.

Sie wäre auch wesentlich leistungsfähiger als der R4000-Chip von Mips, bei dem es sich ebenfalls um eine 64-Bit-Architektur handelt. Angesprochen auf den unweigerlich zu erwartenden Interessenkonflikt für ACE-Gründungsmitglied DEC, antwortete Deutschland-Sprecherin Wermelskirchen, man müsse schließlich auch an die eigene VMS-Basis denken.

"VMS-on-Alpha" nur für High-end-Systeme

Der Mips-Prozessor werde dieses Betriebssystem bekanntermaßen nicht unterstützen, Alpha jedoch wohl. "Außerdem haben wir schon immer das Prinzip Konkurrenz gutgeheißen" die gelernte Mathematikerin scheint auch in Zukunft kein Problem mit anderen Konsortiums-Mitgliedern zu erwarten.

Auch mit der VMS-Implementation geht es, glaubt man den DEC-Leuten, zügiger voran, als die Olsen-Company selbst ursprünglich annahm: 90 Prozent des Codes sei bereits auf der Alpha-Hardware implementiert, berichtete Entwicklungs-Managerin Kathy Morse. Ferner wurde bekannt, daß der VMS-Code nicht in einer höheren Programmiersprache geschrieben sei. Es ermangele ihm deshalb an Flexibilität, weswegen er nicht so ohne weiteres auf eine andere Hardwareplattform portiert werden könne.

"VMS-on-Alpha" scheint allerdings nur für die zukünftigen High-end-Systeme gedacht. Leistungsschwächere Rechner hingegen sollen auf einer 64-Bit-Version von OSF/1 laufen, in welches das DEC-spezifische Unix-Derivat Ultrix einfließt. In diesem Zusammenhang äußerte DEC-Chefentwickler Sites, der Alpha-Prozessor sei dafür ausgerichtet, verschiedene Betriebssysteme"fahren" zu können.

Interessant ist auch, daß DEC sich für seine Alpha-CPU bereits nach Lizenznehmern umschaut. Zu den ersten Interessenten soll Supercomputer-Marktführer Cray Research gehören. Dieser steht auch im Zusammenhang mit einer Vertriebsübereinkunft für die Einstiegssuperrechner "Y-MP EL" mit Digital Equipment in Verhandlungen. Wermelskirchen wollte sich zu beiden Punkten nicht direkt äußern, ließ sich allerdings zu der Aussage hinreißen, diesbezügliche Verhandlungen würden noch vor Weihnachten zu einem Ergebnis führen.