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21.03.1997 - 

Effektive Planung bei TK-Projekten (Teil 2 und Schluß)

Mit dem richtigen Konzept zur wirtschaftlichen TK-Struktur

Im Bereich der Datenfunkverbindungen beträgt die derzeit höchstmögliche Übertragungsrate 9,6 Kbit/s. Damit eignen sie sich nur für Aufgaben wie etwa regelmäßige Datenbankabfragen, als Medium für die schnelle Preis- und Vertragsgestaltung vor Ort sowie als schnelle Anbindung an die Service-Zentrale. Zu den verfügbaren Lösungen zählen die GSM-Netze und die Modacom-Installation der DeTeMobil. Über die Handy-Netze lassen sich zusätzlich Botschaften bis zu einer maximalen Länge von 120 Bytes für Kurzbestellungen und Notizen übertragen. Während diese Installationen für die Daten- und Sprachübertragung ausgelegt sind, beschränkt sich das Modacom-Netz auf die paketorientierte und national begrenzte Datenübertragung.

ISDN rechnet sich schnell

Bleibt die Alternative Bündelfunk. Dienste von Anbietern wie der DeTeMobil sowie zahlreicher privater Betreiber wie Regionet, Terrafon und Sprintel übertragen regional beschränkt Daten mit 9,6 Kbit/s und Sprache. Die Verbindungspreise liegen immerhin 20 bis 50 Prozent unterhalb der Gebühren der GSM- und Modacom-Netze.

Zur Anbindung von Außendienstmitarbeitern und Telearbeitern konkurrieren analoge Modem- mit ISDN-Verbindungen. Mit einer Bandbreite von 28,8 Kbit/s können Modems mittlerweile mit einer ISDN-Kanalverbindung (64 Kbit/s) fast Schritt halten. Mit höheren Geschwindigkeiten steigt die Fehlerzahl, so daß gewonnene Bandbreite wiederum verschwendet wird.

Die Preise für Modems sind mit 150 bis 400 Mark lukrativ. Der vermeintliche Kostenvorteil bei der Modem-Anschaffung wird bei größeren Transferlasten (mehr als 6 bis 12 Mbit/s pro Monat) schnell zum Kostennachteil. Dann ist die ISDN-Anbindung die bessere Lösung, weil sie kostengünstiger, aufbauschneller und übertragungssicherer ist.

ISDN eignet sich auch zur Kommunikation mit kleineren Außenstellen und Kooperationspartnern, wenn pro Tag im Schnitt nicht mehr als drei bis vier Stunden über die Weitverkehrsverbindung kommuniziert wird. Weil Verbindungen sternförmig (Punkt zu Punkt) aufgebaut werden, ist ISDN eine angemessene Lösung, um wenige Außenstellen mit der Zentrale zu verbinden. Bei Anbindung vieler Außenstellen wird die Infrastruktur sehr aufwendig.

Der Primärmultiplex-Anschluß (32 Mbit/s) kann zur Anbindung größerer Außenstellen und Kooperationspartner dienen, um so hohe und stark schwankende Verkehrsvolumen abzuwickeln. Kommt dazu an der Weitverkehrsschnittstelle eine dynamische Bandbreitenverwaltung zum Zuge, fallen neben der Grundgebühr nur die Kosten für die tatsächlich in Anspruch genommene Bandbreite (in 64-Kbit/s-Schritten) an. Auch Sprache und Video können über die Primärmultiplex-Verbindung (S2M) übertragen werden. Übersteigt der Kommunikationsbedarf pro Kanal und Tag die vier Stundengrenze, sollte über eine andere Verbindungsalternative nachgedacht werden. Zudem erhöht sich durch die sternförmige Struktur mit jeder zusätzlichen Außenstelle und Firma der Verwaltungsaufwand.

Bei längeren Verbindungszeiten kann Frame Relay die kostengünstigere Übertragungstechnik sein. Dieser Dienst verlangt vom Anwender nur eine Committed Information Rate (CIR), die sich an der Grundlast der Verbindung orientiert. Die meisten Carrier transportieren über dieses Maß hinausgehende Übertragungsspitzen meist kostenlos. Damit ist dieser Dienst besonders gut für burstartig auftretenden Verkehr geeignet, der typisch für LAN-LAN-Kopplungen und Terminal-Host-Anbindungen ist.

CIRs lassen sich häufig in kleinen Bandbreitenschritten anmieten und somit dem Bedarf relativ gut anpassen. Einschränkend anzumerken bleibt, daß die maximale Übertragungsleistung 2 Mbit/s beträgt. Frame Relay ist jedoch ein idealer Dienst, um mit wenig Verwaltungsaufwand Mehrpunktverbindungen zwischen vielen Standorten aufzubauen, denn statt Punkt-zu-Punkt-Verbindungen liegt ihm ein Backbone zugrunde. In Ausnahmefällen lassen sich auch Sprache und Video via Frame Relay übertragen, wenn der Carrier diesen Service im Hintergrund über ein zellbasiertes Zentralnetz abwickelt. Ein wichtiger Kostenfaktor ist die Festverbindung bis zum nächsten Frame-Relay-Zugangsknoten. Sind dazu größere Distanzen zu überbrücken, ist der Kostenvorteil von Frame Relay schnell aufgezehrt.

Bei hoher Auslastung der Weitverkehrsstrecke kann sich für das Unternehmen eine Festverbindung durchaus lohnen. Insbesondere dann, wenn parallel zu den Daten Telefonate und Faxe in komprimierter Form über die gleiche Leitung mitübertragen werden. Das Leistungsspektrum reicht bis 2 Mbit/s, wobei diese Übertragungsrate gleichzeitig das einzige Angebot oberhalb von 64 Kbit/s ist. Unternehmen mit leicht höherem Bedarf als 64 Kbit/s müssen demnach die teuren 2-Mbit/s-Verbindung mieten.

Passende Verbindungssysteme

Für höchste Bandbreitenansprüche, etwa bei Multimedia-Anwendungen, ist der ATM-Dienst ausgelegt, der jedoch bisher nur im Rahmen eines Pilotprojektes von der Deutschen Telekom angeboten wird. 2 Mbit/s, 34 Mbit/s und 155 Mbit/s werden an Bandbreiten offeriert, wobei bei der Tarifierung der Übertragungsleistung zusätzlich in transferierte Zellen pro Sekunde - 400, 4000, 64000 und 282000 - unterschieden wird. Doch ATM ist teuer und die Standardisierung noch nicht soweit vorangeschritten, daß sich Vorteile wie unterschiedliche Dienstgüten voll ausnutzen lassen. Die mangelnde Normierung verhindert zudem die Interoperabilität zwischen LAN- und WAN-Komponenten.

Alle aufgeführten Übertragungstechniken mit Ausnahme des Funks gehören zum Schnittstellen-Repertoire vieler Access-Systeme wie Multiplexer, Brücke, WAN-Switch und Router. ISDN-Adapter, beispielsweise, sind in den meisten dieser Systeme bereits integriert.

Einige dieser Systeme beherrschen auch eine dynamische Bandbreitenverwaltung an der ISDN-S0- oder S2M-Schnittstelle. Existieren im Unternehmen bereits Access-Systeme mit X.25-Schnittstellen, können sie oft durch einfaches Software-Upgrade auf die bandbreiten- und nettodatendurchsatzstärkere Frame-Relay-Funktionalität aufgerüstet werden. Zudem wird auch ATM von vielen High-end-Access-Systemen unterstützt.

Wichtig ist bei der Auswahl der richtigen Access-Technik, sich die prinzipiellen Technologie-Unterschiede zu verdeutlichen. Ein Multiplexer ist ein System, das auf der Verkabelungsschicht arbeitet. Es reicht alle Steuer- und Verwaltungssignale über die Weitverkehrsschnittstelle sklavisch durch, auch wenn sie für das angeschlossene lokale Netz bestimmt sind.

Eine Brücke oder ein WAN-Switch als Ebene-2-System vermag wohl Medium-Access-Control-(MAC-)Adressen zu erkennen und damit Steuer- und Verwaltungsinformationen von der Weitverkehrsschnittstelle fern zu halten. Den Ebene-3-Broadcast streuen sie jedoch generell über die Weitverkehrsverbindungen und belegen damit die teure WAN-Bandbreite mit unnützer Steuerlast. Dieser Ebene-3-Broadcast wird vom intelligenteren Router-System erkannt und an der Weitverkehrsschnittstelle bandbreitensparend separiert.

Mit der Ebenen-Intelligenz entscheidet sich letztlich auch, inwieweit die lokalen Netze beziehungsweise einzelne Kommunikationsteilnehmer vor unerlaubten Zugriffen abgeschottet werden können. Der Multiplexer bietet als Leitungsverbinder keinerlei Filter, die Brücke und der WAN-Switch aufgrund ihrer eingeschränkten Systemintelligenz nur in begrenztem Maße. Router als intelligentere Systeme können steuernd auf Kommunikationsströme Einfluß nehmen und damit unerlaubte Zugriffe verhindern. Ein weiterer Vorteil: Firewalls als Abwehrschutz gegen Eindringlinge lassen sich nur mit intelligenteren Router-Systemen implementieren.

Doch nicht nur für die richtige Auswahl der Übertragungstechnik, die richtige Dimensionierung der Weitverkehrsverbindung und das richtige Access-System sollte innerhalb des Projektes penible Vorarbeit geleistet werden. Das volle Augenmerk bei der Planung des Telekommunikationssystems muß dem anschließenden Betrieb des Gesamtsystems gelten. Anhand einer Studie belegt etwa die Gartner Group den hohen Kostenstellenwert des Netzbetriebs. Die Marktforscher veranschlagen für den Betrieb eines lokalen Netzes mit 700 Teilnehmern rund 73 Prozent der Gesamtkosten. Der Unterhalt eines Weitverkehrsnetzes ist für das Unternehmen noch kostspieliger, weil möglicherweise zusätzliche Kostenfaktoren wie Carrier-Gebühren und Spezialisten in den Außenstellen anfallen.

Der erste Schlüssel zum effektiven und wirtschaftlichen Betrieb des Weitverkehrsnetzes ist eine hohe Netzverfügbarkeit. Mit Backup-Verbindungen, die typischerweise via ISDN eingerichtet werden, ist die Kommunikation mit Außenstellen und Kooperationspartnern weitgehend vor Ausfällen gefeit. Eine richtig konfigurierte Parallelverbindung fängt Spitzenlasten ab. ISDN- oder Modem-Zweitverbindungen können die Kommunikation mit Telearbeitern im Fehlerfall aufrechterhalten. Modem-Verbindungen sichern die Kommunikation innerhalb des Netz-Managements sowie zwischen Benutzern und Help-Desks kurzzeitig gegen Verbindungsausfälle. Zudem erlaubt das Trouble-Ticketing, auftretende Störungen im Netz von der Meldung bis zur Wiederherstellung des Normalzustandes automatisch zu verfolgen.

Der nächste Schritt wäre, über Einsparungspotentiale beim Netzbetrieb nachzudenken. Konfigurationen, Updates und Upgrades lassen sich etwa kostengünstiger von der Zentrale über Remote-Zugriffe durchführen. Diese Vorgehensweise erspart etwa Spezialisten in den Außenstellen und sorgt für einheitliche Software-Versionen.

Auch im Betrieb des Weitverkehrsnetzes steckt Einsparungspotential. Help-Desks müssen entsprechend der Komplexität und Heterogenität des Netzes in ausreichendem Maße bereitgestellt und richtig organisiert werden. Nur so können Administratoren Fehlermeldungen der Netzteilnehmer nachvollziehen und mögliche Probleme schnell beheben. Anrufe, Faxe und E-Mails sollte der Help-Desk automatisch erfassen und eingehende Anfragen in verschiedenen Klassen priorisiern.

*Dr. Walter Gora ist Geschäftsführer der Gora, Hecken & Partner Corporate Systems, Management- und Technologieberatung GmbH in Sulzbach.