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29.05.1998 - 

Aktuelle Lage im Mainframe-Markt

Mit den G5-CMOS-CPUs macht die IBM Boden gut

Die IBM konnte gegenüber der vorigen Generation "G4" die Leistung ihrer CMOS-Prozessoren nahezu verdoppeln. Damit erreicht das leistungsstärkste System (zehn Wege) nach vorläufigen Messungen eine Leistung von 900 Gartner-MIPS und schließt damit zum Erzrivalen "Skyline/M2000" von Hitachi auf, den Big Blue intern mit 902 MIPS bewertet (Gartner-Wertung siehe Tabelle). Das bestätigt auch Mark Lillycrop vom britischen Marktforschungsunternehmen Xephon: "Auch wenn die Zahlen noch nicht offiziell sind, scheint der IBM hier eine eindrucksvolle Leistungssteigerung gelungen zu sein. Das war allerdings auch bitter nötig, weil sie enorme Marktanteile an Hitachi verloren hat."

Die Uniprozessorleistung der G5-CPU ist bisher nicht veröffentlicht worden. Interne Schätzungen der IBM liegen laut Produkt-Manager Jürgen Ley zwischen 115 und 125 MIPS und damit ebenfalls auf Skyline-Niveau. Karl-Georg Martin, Chefberater S/390, räumt jedoch ein: "Eine solche Leistung ist nur über eine Spezialkonfiguration möglich. Wir bieten Kunden, die so etwas brauchen, die Ein-Wege-Maschine ,R16' auf Wunsch auch als Vier-Bus-Ausführung." Das sei dann natürlich etwas teurer - schließlich stecke ja auch mehr drin. Offizielle MIPS-Zahlen für die G5 wird die IBM ab dem 28. Juli bekanntgeben.

Neben neuen CPUs und verschiedenen Detailoptimierungen, etwa im Zusammenhang mit der Cluster-Technik "Parallel Sysplex", gibt es einen neuen Anschlußstandard für Peripheriegeräte. Dessen Name "Ficon" leitet sich von Fibre Connection ab und stellt im Prinzip eine Erweiterung des Fibre-Channel-Standards dar. Damit soll eine Datentransferrate von 100 MB/s über eine Entfernung von zehn bis 20 Kilometern möglich werden, eine deutliche Verbesserung gegenüber den bislang über Escon möglichen 17 MB/s. Einziger Wermutstropfen: Entsprechende Steuereinheiten dürften frühestens in 18 Monaten erhältlich sein.

Die Skyline-Rechner von Hitachi Data Systems (HDS) werden in Deutschland von der Comparex Informationssysteme AG vertrieben.

Im Gegensatz zu allen Konkurrenten ist Hitachi bei den M2000-Modellen noch nicht komplett auf die ressourcensparende CMOS-Technik umgestiegen. Statt dessen setzen die Japaner auf eine Mischform aus der überkommenen ECL-Technik und CMOS, die unter der Bezeichnung "ACE" (= Advanced CMOS-ECL) vermarktet wird. Daneben gibt es auch die "Pilot/C2000"-Modelle, deren CMOS-CPUs die IBM liefert.

Die mittels ACE erzielte Leistung liegt mit nur acht Wegen noch immer über einem Zehn-Wege-IBM-System mit neuester CMOS-Technik und erreicht eine Uniprozessor-Leistung von 124 MIPS. Dank dieses Vorsprungs vor der Konkurrenz, die sich vor vier Jahren für die leistungsschwächere, aber skalierbarere und preiswerte CMOS-Technik entschieden hatte, ist es Hitachi/ Comparex gelungen, seinen weltweiten Marktanteil von sieben Prozent im Jahr 1995 mehr als zu verdreifachen (23 Prozent), weil viele Kunden starke Systemleistungen benötigen.

Die "Millenium"-Mainframes von Amdahl sind von der Hardware her quasi identisch mit den BS2000/OSD-Systemen der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI). Beide nutzen CMOS-Prozessoren, die vom japanischen Hersteller Fujitsu stammen. Im Vergleich der Rechenleistung schneidet Amdahl allerdings etwas schlechter ab. Hier hat SNI laut Amdahl-Sprecher Wolfgang Bertol die besseren Karten in der Hand: "Das Betriebssystem spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Siemens-Nixdorf erzielt höhere Werte, weil BS2000 sich besser anpassen läßt als MVS." Allerdings werden bei der IBM die Leistungsangaben von SNI bezweifelt. Chefberater Martin: "Der Leistungsunterschied beträgt nie und nimmer 60 Prozent. Nach den Erfahrungen unserer Kunden bewegen sich die Maschinen bei der Hardware auf gleichem Niveau."

BS2000 spielt eine Sonderrolle

Für den Anwender bringt BS2000 laut Amdahl-Mann Bertol beileibe nicht nur Vorteile, denn: "Dafür haben Sie dann auch nur Siemens-Nixdorf zur Auswahl." Die BS2000-Welt spielt traditionell eine Sonderrolle: Mit zunehmender Entfernung von Deutschland nehmen Bedeutung und Marktanteil der Münchner ab, in den USA hat man nie Fuß fassen können. Hierzulande jedoch liegt SNI auf dem zweiten Platz hinter der IBM (siehe Tabelle "Mainframes (BRD)").

SNI-Marketing-Chef Joachim Feldmann blickt optimistisch in die Zukunft: "Wir wachsen, machen Gewinne und akquirieren auch Neukunden." Im Geschäftsjahr 1996/97 habe der Bereich 1,9 Milliarden Mark Umsatz erwirtschaftet (mit Hardware, Systemsoftware und Service). Auf die Frage nach ausreichender Software-Unterstützung angesprochen, meint der Marketier: "Wir sind der Ansicht, daß wir alles Notwendige anbieten können." Gerade stehe man etwa vor der Freigabe der jüngsten Version von "Oracle 8". Nach den Konkurrenzprodukten aus dem Hause Sybase, Informix oder IBM sucht der BS2000-Anwender allerdings vergeblich.

Im unteren Bereich der BS2000-Palette bietet SNI übrigens auch Systeme auf Basis von RISC-Mikroprozessoren (Mips "R10000"), auf die das Großrechner-Betriebssystem portiert wurde und auch friedlich mit dem hauseigenen "Reliant Unix" (früher "Sinix") koexistieren kann. Da SGIs Chiptochter nur noch zwei weitere CPU-Generationen ("R12000", "R14000") entwickeln wird, erfolgt für diese Systeme danach ein Umstieg auf Intels kommende 64-Bit-Architektur "IA-64" (Codename Merced).

IBM dominiert weiterhin den Markt

Es gestaltet sich ausgesprochen schwierig, einen validen Überblick über den Mainframe-Markt zu erhalten. IBM-Manager Ley erklärt dazu schlicht: "Es ist eine Gepflogenheit, daß wir schon seit Jahren die Zahlen nicht herausgeben." In einem Markt, in dem es keine Listenpreise gibt und jeder Kunde sein maßgeschneidertes Angebot bekommt, versuchen die Hersteller möglichst, jede Transparenz zu vermeiden.

Die International Data Corp. (IDC) erfaßt unter der Bezeichnung Mainframes High-Performance-Server über 1000000 Dollar und mit mindestens 128 Anwendern, so daß bei verschiedenen Herstellern MVS, Unix oder proprietäre Betriebssysteme in einen Topf geworfen werden.

Die Meta Group hingegen betrachtet nur den MVS-Markt, in dem sich neben der IBM noch die sogenannten PCMer (= Anbieter von Plug Compatible Mainframes) Hitachi und Amdahl tummeln. Hier dominiert die IBM trotz rückläufiger Marktanteile. Auch bis zum Jahr 2001 soll sich an diesem Verhältnis kaum etwas ändern.

Systemleistung im Vergleich

Die Mips-Bewertungen der Gartner Group bieten einen Anhaltspunkt für die Leistung eines Systems (vergleichbar mit der PS-Zahl eines PKW). Gartner testet nicht selbst, sondern übernimmt die Werte von den Herstellern und korrigiert sie gegebenenfalls nach Kundengesprächen. SNI mißt seine BS2000/OSD-Maschinen allerdings mit der eigenen Einheit RPF (Relativer Performance-Faktor). Dabei entspricht 1 RPF laut SNI 1,5 MIPS.Quelle: Gartner Group, SNI