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25.08.1978 - 

Für die Hardware-Anbieter ist das Papiergeschäft eine Kontrollmöglichkeit

Mit der größeren EDV wächst der Papierbedarf

MÜNCHEN - Die Mainframer bieten innerhalb ihrer dickleibigen Produkt-Kataloge den Datenträger Papier wohl allesamt an, wohlweislich lassen sie aber die Finger davon, diesen Steinzeit-Datenträger selbst zu fertigen oder als Formulardrucker zu verendeln.

Längst hat IBM seine einst florierenden Lochkarten-Druckereien stillgelegt und setzt die ehedem dafür beschäftigen Menschen und das aufgewendete Kapital "an besserer Stelle des Unternehmens" ein, so ein IBM-Sprecher.

Siemens hat mit solchen Aktivitäten gar nicht erst angefangen. Honeywell Bull kauft zu. Und auch der Paderborner Nixdorf hat das Organisationsmittel Papier lediglich als Handelsprodukt im Haus.

Papier ist ein problematischer Datenträger geworden - wenn man ihn herstellen muß. Einmal haben sich die Eingabe- und Ausgabe-Praktiken in der Groß-EDV gewandelt. Die Lochkarte stirbt nach Experten-Meinung seit Jahren dahin, vom acht-Kanal-Lochstreifen werden in der Bundesrepublik zwar noch 2 bis 2,2 Millionen Rollen im Jahr auf den Markt geworfen, doch auch hier sinkende Tendenz.

Endlosformulare sollen es 45 bis 50 Milliarden im Jahr sein, die den EDV-Markt zwischen Nord- und Bodensee überschwemmen: Doch der Vormarsch der aus Ölderivaten gewonnenen magnetischen Datenträger gehe unaufhörlich weiter.

So hat das Medium Papier als Datenträger für den Hardware-Anbieter heute eine ganz neue Rolle: Über Verbrauchszahlen dieses Produkts gewinnt der Papier-(sprich Hardware-)Lieferant Informationen vom Organisationsstand und vom künftigen Bedarf des Anwenders.

Ganz typisch etwa der wachsende Papierbedarf, wenn ein Anwender seine ausgereizte Magnetkonten-Computer gegen eine Plattenanlage tauscht: Flugs wächst der Papierverbrauch, nach Nixdorf-Erkenntnissen, um 40 bis 50 Prozent. Denn wer seine größere Anlage ausnützen will, wer mehr Statistiken, mehr Listen haben will, der muß eben mehr Papier bedrucken. Alles um besser informiert zu sein, versteht sich.

Zwar gibt's da und dort schon mal mit dem Anwender Diskussionen, ob er den Aufwand für selbstdurchschreibendes Mehrfachsatz-Papier verwenden soll - oder zur traditionellen Fotokopie greifen sollte. Und mancher bleibt stur (weils reicht) bei seinem Kohlepapier-Vervielfältigungsverfahren.

Der Datenträger Papier also ein Mittel, um noch besser mit den Nöten des Anwenders vertraut zu sein. Ganz klar sieht beispielsweise die NCR-Systemmedia-Crew, dirigiert von Werner Störcher, das Papier-Geschäft unter diesem Aspekt. Obgleich NCR mit dem "NCR-Papier" hier einen Namen hatte.

Doch die Ära "NCR-Papier" aus eigener Fertigung ist ja nun auch vorbei, seitdem die Tochter Appelton Papers versilbert wurde. Immerhin zu einem Zeitpunkt, als die Fabrik "hervorragend lief", so ein Augsburger-Kommentar, und bei 201 Millionen Dollar Umsatz noch 37 Millionen Dollar Gewinn abwarf.

Offensichtlich spiegelt diese Trennung vom Papier bei NCR aber auch ein Problem wider, das nicht nur mit den Unwägbarkeiten immer kleinerer Losgrößen durch immer kleinere EDV-Anwender zusammenhängt: Weltweit steht die Papierindustrie vor - lange hinausgezögerten - Umweltschutzauflagen. Da schmilzt das investive Kapital hin wie Schnee im Spätfrühling.

NCR hat sich heute auf die eigene Druckerei zurückgezogen, die aus der Hausdruckerei gewachsen ist.

Aus intimer Kenntnis beurteilen die Augsburger denn auch die deroutierten Preise auf dem Endlos-Formularmarkt.

Systemmedia-Chef Störcher mutmaßt, daß von den 250 Endlosdruckereien "vielleicht zehn zwischen fünf und zehn Prozent Profit machen. Der Rest krebst bei zwei bis drei Prozent herum und ist glücklich".

Und Angebote, die unter den Papierpreisen liegen, seien nicht selten, weil einige Drucker bloß ihre Maschine beschäftigen wollten.

Die Crux sieht auch Störcher darin, daß "eine zweistellige Überkapazi(...) den Markt blockiert.

Dennoch herrscht in Augsburg Zuversicht, wenn vom steigenden Formular-Bedarf die Rede ist. Zwischen sieben und zwölf Prozent erwartet NCR pro Jahr. Und in einigen Anwendungsbereichen geht das Geschäft für EDV-Papier erst jetzt richtig los.

Zum Beispiel in der Hotellerie und Gastronomie. Und da fühlen sich die Augsburger stark über ihre POS-Systeme vertreten.