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08.02.1980 - 

Nixdorf: Hochzinsphasen begünstigen das Mietgeschäft

Mit Dieter Kirsch, Prokurist bei der Nixdorf Computer Miete KG, sprach Jochen Ewe

-Trifft es zu, daß das Haus Nixdorf Computer-Leasing in eigener Regie nicht betreibt?

Was wir hier im Hause Nixdorf seit 1970 vertreiben, ist die sogenannte Herstellermiete; wir haben eine eigene Mietgesellschaft, die Nixdorf Miete KG. Bei dieser Gesellschaft wird das komplette Mietgeschäft mit Nixdorf-Anlagen abgewickelt.

- Wie argumentieren Ihre Vertriebsbeauftragten, wenn der Kunde beispielsweise sagt: Bei der Miete ist das Geld - zumindest im Prinzip - weg, während Leasing den Charakter einer Ratenzahlung haben kann.

Da darf ich vielleicht mal ein bißchen zurückgehen. Bei Leasinggesellschaften, die ja in der Regel Tochtergesellschaften von Banken sind, steht der Finanzierungsaspekt im Vordergrund. Das heißt, eine Leasinggesellschaft, zum Beispiel die größte in Deutschland, die Deutsche Leasing AG, nimmt den Kaufpreis eines Computers zum Maßstab und wird über die Leasingzeit den Kaufpreis wieder amortisieren, einschließlich Zinsen und Gewinn

- Ja, bei Full-pay-out-Verträgen . . .

Leasinggesellschaften haben ja keine Non-pay-out-Verträge, es sei denn, Sie haben einen Vertrag, der nur über eine kurze Leasingzeit läuft und der mit einem hohen Restwert ausgestattete ist, so daß der Saldo, der Kaufpreis ja auch wieder zu zahlen ist. Wir stellen bei den Hersteller-Mietgesellschaften zunächst einmal den Absatz von Produkten in den Vordergrund, und es braucht sich während der Mietdauer nicht unbedingt der gesamte Kaufpreis zu amortisieren.

- Sie haben dabei auch nicht die Befürchtung, wie sie etwa der DV-Marktführer haben muß, daß ein Produkt nach - sagen wir einmal - drei Jahren Mietzeit kaum mehr vermietbar ist?

Was wir dagegen tun: Die Anlagen kommen zurück in die Fabrik nach Paderborn, werden überholt und auf den neuesten Stand gebracht, das heißt, sie werden angepaßt, wobei das allerdings auch nicht immer möglich ist. Sie können zum Beispiel nicht einen Magnetkontencomputer nehmen und daraus eine Plattenanlage machen. Aber ich kann zum Beispiel eine Plattenanlage, die vor drei Jahren erstmals vermietet war, zurückbringen hier in die Fabrik und mit dem schnellsten Rechner austatten, so daß das Produkt in etwa auch wieder dem neuesten Stand entspricht. Bei einer Mietanlage, das ist auch wichtig, hat der Kunde ja nicht den Anspruch auf ein Fabrik neues Gerät, sondern er hat nur Anspruch auf eine bestimmte zugesagte Leistung.

- Nun gibt es auch Leasingverträge nach denen man Gebrauchtgeräte leasen kann.

Das ist ein wichtiger Aspekt; darauf weisen wir den Kunden auch immer hin, weil das nicht alle Kunden unbedingt immer wissen .

- Nun hatte ich ja das Gespräch begonnen mit der fast schon landläufigen These bei Miete sei das Geld weg, während Leasing doch zumindest den Charakter der Ratenzahlung haben kann, wenn man später das Gerät in Eigentum übernimmt.

Ja, hier besteht ein Unterschied: Bei einer Leasinggesellschaft wird in der Regel nach Beendigung der Laufzeit eine ganz geringe Miete- oder Leasinggebühr berechnet für die Restnutzungsdauer; sie beträgt in der Regel eine Monatsmiete für das Jahr. Bei Miete, bei Nixdorf-Miete muß der Kunde grundsätzlich weiter die volle Miete bezahlen. Insoweit ist das schon ein Unterschied.

- Wie reagiert man bei Nixdorf, wenn der Kunde sagt: Leasing wird der individuellen Liquiditätslage eines Unternehmens eher gerecht als Miete, einfach weil Leasing von der Vertragsgestaltung her flexibler ist? Trifft diese Behauptung überhaupt zu?

Das hängt auch wieder vom Kunden ab. Das ist so: Wenn ein Kunde über wenig Kreditrahmen verfügt, dann wird er eine Computeranlage mieten, um den restlichen Kreditrahmen für andere Investitionen ausnutzen zu können. Dazu kommt noch, daß zum Beispiel ein Hersteller bei der Bonität des Kunden nicht so strenge Maßstäbe anlegt, wie das eine Bank oder eine Leasinggesellschaft macht, und zwar aus folgendem Grund: Wenn wirklich so ein Kunde mal nicht mehr zahlen kann holt Nixdorf die Anlage zurück und stellt sie woanders hin. Das kann eine Leasinggesellschaft nicht; die kann mit dar Anlage auf dem Gebrauchtmarkt unter Umständen nicht so sehr viel anfangen.

Natürlich ist der Aspekt der freiwerdenden Liquidität für den Mieter oder Leasing-Kunden von größerer Bedeutung aber das hängt auch wieder sehr von dem einzelnen Kunden ab. Nehmen wir zum Beispiel ein Großunternehmen: Die rechnen sich aus, mit was für einem Zinsfaktor die Mietraten kalkuliert sind - das ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich - und vergleichen damit den eigenen hausinternen Zinssatz, so daß dann praktisch der Zinsfaktor ausschlaggebend für die Entscheidung bei Miete oder Kauf ist. Oder es gibt Unternehmen, die sagen: Grundsätzlich machen wir nur Dreijahresverträge. Und zwar, weil sie alle drei Jahre die neueste Technologie haben möchten ; das ist für die Kunden dann etwas teurer. Oder es gibt Kunden, die haben überhaupt keine Möglichkeit, eine Anlage zu kaufen. Nehmen Sie die vielen Datenerfassungsbüros für die stellt die Computeranlage eigentlich das einzige Anlagevermögen dar, und mit dieser Anlage wollen sie dann möglichst viel Gewinn erzielen. Die mieten zu 99 Prozent und sind auch bereit, fast jede Miete zu zahlen, solange sie nur eine Anlage zur Verfügung gestellt bekommen. Die haben in der Regel 20000 Mark Stammkapital und sonst nichts.

-Was macht der Anwender, dessen a Computer-Mietvertrag ausläuft, beispielsweise nach drei Jahren, mit seiner Software?

Software wird bei Nixdorf grundsätzlich nur verkauft, die kann er nicht mieten.

-Ja, die hat er dann nun mal . . .

Die Software kann er irgendwie speichern und für sich bewahren, aber wenn er nicht die entsprechende Hardware dazu hat, kann er nichts mit ihr anfangen. Das heißt also unterm Strich, wenn ein Kunde über drei Jahre mietet, dann muß er auch seine Software in dieser Zeit amortisieren.

- Rein betriebswirtschaftlich. . .

Auf der anderen Seite ist es aber so, daß sehr viele Kunden heute Standard-Software nehmen, die vom Preis her nicht unerschwinglich ist, zum Beispiel ein Standardpaket für Finanzbuchhaltung von vielleicht 10 0000 Mark. Wenn ich das dann auf einen Zeitraum von drei Jahren betrachte, ist das nicht sehr viel. Anders sieht das natürlich aus, wenn ich Individual-Software habe und habe 100 000 Mark dafür ausgegeben. Dann wird sich der Anwender das schon überlegen, nach drei Jahren seine Anlage zurückzugeben.

Wenn er als nächstes wieder eine Nixdorf-Maschine mietet, hat er wohl keine sonderlichen Schwierigkeiten zu erwarten!?

Natürlich nicht.

- Wie ist das denn während der Vertragslaufzeit? Es können ja immer mal außergewöhnliche Situationen eintreten. Hat dann die Miete gegenüber dem Leasing Vorteile, was die Kündbarkeit des Vertrages angeht?

Ja, das muß man hier wirklich unterstreichen. Bei Mietverträgen ist es, jedenfalls wenn man bei einem Herstelle bleibt, wesentlich einfacher aufzurüsten oder abzurüsten - oder wie man das bezeichnen will, während die Leasinggesellschaften sich dabei schwer tun. Bei Leasinggesellschaften ist das in der Regel nur in Zusammenarbeit mit dem Hersteller möglich. Wenn ein Kunde zum Beispiel eine kleine Plattenstation gegen eine große austauschen will, dann fällt bei einer Leasinggesellschaft in der Regel eine

Abstandszahlung an; bei Hersteller-Miete scheidet dies ebenso regelmäßig aus.

-Upgrading-Fälle lassen sich erfahrungsgemäß ohnehin leichter lösen . . .

Ja natürlich, auch komplette Konfigurationsänderungen. Wenn der Kunde - nehmen wir mal das einfache Beispiel - Magnetkontencomputer hat und möchte auf eine Plattenanlage umsteigen, dann ist das theoretisch auch innerhalb der Vertragslaufzeit möglich. Nixdorf jedenfalls wird dem Kunden dabei helfen, für den Magnetkontencomputer einen Nachmieter zu finden. Wir haben dafür Vertragsmodelle, wo ein Dritter in einen laufenden Mietvertrag einsteigen kann.

-Vielleicht noch eine andere Frage: Bei normalen Rechtsgeschäften haftet der Vermieter für die Gebrauchsfähigkeit der Mietsache. Ist dies bei der Vermietung eines Computers genauso oder anders?

Das ist eine nicht ganz gelöste Geschichte. Sicherlich haften wir für die Gebrauchsfähigkeit der Anlage; das steht auch in den Standard-Verträgen. Da gibt es bestimmte Spezifikationen, die unser technischer Kundendienst aufstellt. und wenn die sogenannten Testprogramme laufen, dann ist die Gebrauchsfähigkeit der Computer-Anlage damit hergestellt. Sobald es Standard-Software oder Individual-Software betrifft, ist das ein ziemlich problematisches Feld. Nixdorf haftet natürlich für die Standard-Pakete, daß die auf Nixdorf-Anlagen laufen; Nixdorf kann aber nicht für Individual-Software haften, die von irgendwelchen fremden Softwarehäusern erstellt wird.

-Und wie sieht es nach Inkrafttreten des Vertrages aus, wenn dann Hardware-Fehler auftreten, hat der Kunde dann die entstehenden Kosten zu tragen ?

Wenn solche Fehler auftreten, haftet Nixdorf dafür, sofern nachgewiesen werden kann, daß sie ausschließlich auf die Hardware zurückzuführen sind.

-Wenn das Diskettenlaufwerk also fehlerhaft ist, dann ist das eine Nixdorf-Sache.

Und dabei muß man auch noch sagen, daß Nixdorf Mietverträge nur zusammen mit Wartungsverträgen anbietet. Der Kunde kann also nicht mieten, ohne zu warten. Das ist ein kombinierter Vertrag, der heißt bei uns Miet- und Wartungsvertrag, und wenn ein Kunde mietet, dann muß er unbedingt auch den Wartungsvertrag mit abschließen.

-Will Nixdorf seine Aktivitäten zumindest in absehbarer Zeit nicht doch mehr in Richtung Leasing ausdehnen?

Sagen wir mal so - wir beeinflussen den Markt ja nicht großartig -: Wenn externe Leasinggesellschaften mit unseren Computern Geschäfte machen, haben wir im Prinzip nichts dagegen. Für das Haus Nixdorf stellt sich das ja als Verkaufsgeschäft dar. Wir steuern das nicht sehr bewußt, wir belassen das eigentlich dem Markt, dem Marktmechanismus. Wir haben nur festgestellt, wenn der Zins niedrig ist, gehen die Kunden sehr viel stärker zu Leasinggesellschaften, und wenn er hoch ist, dann bleiben sie bei Nixdorf-Miete. Das hängt damit zusammen, daß wir unsere Kalkulationsgrundlagen in den letzten zehn Jahren fast nicht geändert haben.

-Das heißt bei der augenblicklichen Hochzins -Periode .

Sie zahlen zehn, elf Prozent Zinsen, je nach Möglichkeiten auf dem Kreditmarkt. Nixdorf hat die Mieten nicht dem Zinsniveau angepaßt. Wenn Sie jetzt zur Deutschen Leasing gehen würden, dann würden Sie den augenblicklichen Zinssatz auch in der Leasingrate wiederfinden.