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28.03.2003 - 

Netzbetreiber scheuen Service-Level-Agreements

Mit DSL teure Standleitungen einsparen

MÜNCHEN (pg) - AT&T und Equant führen eine preiswerte Alternative zu teuren Mietleitungen ein. Beide Carrier bieten IP-VPN-Kunden jetzt DSL-Access-Services an, um kleine Standorte kostengünstig und mit hoher Bandbreite ans Firmennetz anschließen zu können.

Die DSL-Offerten (DSL = Digital Subscriber Line) von AT&T und Equant tragen dem Trend unter den Netzbetreibern Rechnung, Geschäftskunden über ihre IP-Carrier-Plattformen ein wesentlich differenzierteres Serviceangebot zu unterbreiten. Dahinter steckt die Absicht, über ein größeres Diensteportfolio mehr Umsatzpotenzial zu erzeugen. Unter diesem Aspekt ist auch der jetzt angekündigte DSL-Access der beiden Provider zu sehen, die damit eine zusätzliche Zugangsebene zwischen herkömmlichen Wählverbindungen und Mietleitungen einziehen. Sie versuchen damit, speziell Kunden anzusprechen, die Bandbreite über das Maß von Dial-up-Verbindungen hinaus benötigen, jedoch keine kostspieligen Standleitungen anmieten wollen.

DSL-Dienst beseitigt Engpass

Nach Ansicht von Brownlee Thomas, Analyst der Giga Information Group, hat dieser Corporate Network Service gute Erfolgsaussichten, weil er ein elementares Problem der Unternehmensvernetzung löst: "Dieser Dienst adressiert exakt den Bandbreitenengpass, der bislang für kleinere Firmeneinheiten im Local Loop bestand", bewertet Thomas die neue Servicekategorie.

Tatsächlich erschließen AT&T und Equant ihren VPN-Kunden (VPN = Virtual Private Network) aufgrund der unterschiedlich schnellen Spielarten von DSL eine Access-Technologie, deren Geschwindigkeitsspektrum in der Regel zwischen IDSN und einer 2-Mbit/s-Standleitung rangiert. AT&T wird eigenen Angaben zufolge die Anschlüsse je nach Kommunikationsaufkommen des Firmenstandorts auf Basis von ADSL, SDSL oder HDSL realisieren. Demnach sind Transferraten von 64 Kbit/s bis hin zu sogar 6 Mbit/s möglich. Lutz Leinert, Sprecher der AT&T Deutschland, teilte auf CW-Anfrage mit, sein Unternehmen werde hierzulande die Dienste unterschiedlicher DSL-Anbieter auf der letzten Meile nutzen, ohne jedoch Namen zu nennen.

Service aus einer Hand

Etwas langsamer lässt es Equant in Sachen Bandbreite angehen. Das Unternehmen wird den Dienst, der laut Uwe Becker, Manager Professional Services, noch im ersten Quartal startet, zunächst mit 128 Kbit/s im Upload und 768 Kbit/s im Download vermarkten. Bis Mitte des Jahres sollen dann auch 1,5-Mbit/s-Verbindungen geschaltet werden. Im Gegensatz zu AT&T greift Equant ausschließlich auf die Deutsche Telekom als DSL-Provider zurück. Die Zusammenschaltung des Telekom- und Equant-Netzes erfolgt über ein Gateway in Frankfurt am Main, von wo aus der VPN-Tunnel mit dem Kunden aufgebaut wird.

Beiden Carriern ist gemein, ihren DSL-Access als gemanagten End-to-end-Service inklusive Router zu vertreiben. Die Dienstleistung umfasst Einkauf, Installation, Test, Aktivierung und Management aus einer Hand. Dieses Angebot dürfte insbesondere für multinational agierende Unternehmen von Interesse sein, die zwar Standorte in verschiedenen Ländern über DSL-Zugangstechnik integrieren, aber mehrere DSL-Provider als Ansprechpartner vermeiden möchten.

Unterschiedliche Aussagen gibt es seitens der zwei Carrier in puncto Service-Level-Agreements. Während AT&T-Geschäftsführer Martin Schütz sagt, sein Unternehmen zähle zu den ersten, die DSL mit Service-Level-Garantien verbinden, gibt man sich bei Equant vorsichtiger. "Tatsache ist, dass wir als Einkäufer von den DSL-Providern heute keinerlei Garantiezusagen bekommen", erklärt Gopi Gopinath, Senior Vice President Data Services, das Problem. Solange die Vorlieferanten aber selbst keine Service-Level-Agreements eingehen, könne Equant auch keine verbindlichen Performance-Zusagen machen.

Üblicherweise werden solche Verfügbarkeitsgarantien nur für Mietleitungen gegeben, die dafür aber auch ihren Preis haben. Nach Ansicht von Becker handelt es sich bei DSL jedoch um ein Shared Medium, bei dem sich mehrere Kunden die Bandbreite im Access-Bereich teilen. Deshalb sei DSL eher als eine "Low-Quality-Zugangsmethode" für IP VPN einzustufen. Dieser Qualitätsunterschied dokumentiere sich in einem Kostenvorteil von 20 bis 30 Prozent verglichen zur Standleitung mit fester Bandbreite. Laut AT&T sind sogar Konstellationen mit einer Preisreduzierung von bis zu 50 Prozent vorstellbar.

Unternehmen, die über DSL als Zugangstechnik in VPNs nachdenken, müssen also abwägen, wie hoch ihre Ansprüche an die Verfügbarkeit sind. Wenn zeitkritische Daten mit den remoten LANs ausgetauscht werden sollen, bleiben Mietleitungen die erste Wahl. So zum Beispiel im Fall von Toyota in den USA. Der Automobilhersteller hat über 1000 Händler über ein VPN angebunden und würde die 1,5-Mbit/s-Standleitungen zu einigen Standorten gerne durch DSL-Verbindungen ersetzen, um Kosten zu sparen. Das IT-Management hat diese Pläne aufgrund der fehlenden Leistungsgarantien vorerst jedoch auf Eis gelegt.

Erfahrungswerte sammeln

Für die Übertragung unternehmenskritischer Informationen scheidet DSL in VPNs also noch aus. Der Dienst kommt vielmehr für Firmen in Betracht, die den Ausfall einer Verbindung notfalls verschmerzen können. AT&T und Equant versuchen jedoch, das Risiko so gering wie möglich zu halten. Im Störungsfall einer DSL-Strecke übernehmen Helpdesks der beiden Carrier für den Kunden das Troubleshooting mit dem DSL-Provider. Außerdem bauen die beim Kunden installierten Router automatisch eine ISDN-Backup-Verbindung auf.

Trotz der Tatsache, sich auf die DSL-Infrastruktur von Drittanbietern verlassen zu müssen, schließt AT&T laut Leinert mit Nutzern des DSL-Dienstes zumindest Service-Level-Vereinbarungen hinsichtlich Verfügbarkeit sowie Erreichbarkeit, die bei über 99,9 Prozent liegen. Sie regeln, wie schnell eine Verbindung nach einem Ausfall wieder hergestellt sein muss. Außerdem versucht AT&T, durch sein Netz-Management Störungen rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Was die Performance betrifft, werden die DSL-Kunden von AT&T zunächst aber auch keine Garantiezusagen erhalten. "Das ist eine Frage der Erfahrungswerte, die wir erst noch sammeln müssen", schränkt Leinert ein.