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25.04.1975 - 

Die Museen haben mehr als sie wissen:

Mit EDV auf Bierkrug-Suche

BERLIN - Wer sich mit Erzeugnissen des Kunstgewerbes befassen will, findet in der Bundesrepublik in etwa drei - bis vierhundert Museen Anschauungsobjekte. Wo er aber überall hinfahren muß, um Bierhumpen aus dem 17. Jahrhundert oder Scherenschnitte zu finden, ist weitgehend Gefühls- oder Glückssache. Ähnlich geht es mit Objekten der Volkskunde oder der Vorgeschichte.

"Schon mit einem reinen Adressennachweis wäre viel geholfen" meint Dr. Wolter. "Auch die Museen wären entlastet - mindestens 90 Prozent der Anfragen gehören zum Typ Haben Sie Steingutkrüge, die nicht im Buch von xy beschrieben sind?" Wolter bildet seit 1972 im Einmannbetrieb die Koordinationsstelle für Museumsdokumentation in Berlin.

"Bei den Gemäldegalerien ist es nicht so schlimm. Die haben meist keine großen Stückzahlen und die Bilder sind in der Mehrzahl gut beschrieben" berichtet Wolter. "Dagegen müssen viele Landesmuseen beispielsweise die Funde von Ausgrabungsstätten übernehmen - ohne daß das Personal dafür mitkommt. Die übersehen ihre Bestände oft gar nicht mehr - 500 000 Stücke sind keine Seltenheit".

Da das Material rapide anwächst und sich immer neue Gebiete der Publikumsgunst erfreuen (nach dem Jugendstil waren es die zwanziger Jahre und nun das 19. Jahrhundert), muß man einmal nach Wegen suchen, um Anfragen schneller und vor allem vonsllständiger beantworten und zum anderen typische Ersatzteillager-Probleme bewältigen. Nach einer Planungsphase hat man im vergangenen Jahr einen Antrag auf Projektförderung durch den Bund gestellt - und wartet nun aufs Geld. Falls es kommt, soll ein Drei-Jahres-Versuch mit verschiedenen Museen gestartet werden. Dabei sollen Erfassungsbögen entwickelt und konkurrierende Ideen verglichen werden. Durch eine Kooperation mit dem Deutschen Normenausschuß will man dessen Informations- und Dokumentations-System DINST nutzen um nicht am Nullpunkt anfangen zu müssen.

Mit Computern will man die Museen freilich nicht ausrüsten: wenn die Bestände eimnal in verarbeitungsfähiger Form erfaßt sind so rechnet man damit, daß Listen, Stichwortverzeichnisse oder Kataloge im Bedarfsfall etwa bei der Stadtverwaltung ausgedruckt werden können. Zunächst einmal müssen allerdings die Museen selbst ihre Bestände in den Griff bekommen. Wer Material für eine Doktorarbeit oder eine Ausstellung sucht, kann das vorerst nach konventioneller Methode tun: bis ihm vielleicht eines Tages ein Computer ausdruckt, was er wo findet, dürfte das gewählte Thema kaum noch oder bestenfalls erneut aktuell sein.