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18.05.1990 - 

LAN-Partnerwahl erfordert "strukturiertes Balz-Verhalten"

Mit einem Poker-Face und großer Gläubigkeit ans Netz

Unmengen verborgener Stolpersteine pflastern den Weg zum LAN-Computerparadies. Sie zu umgehen, haben sich viele aufgemacht: Fachhändler, Distributoren, Netzwerkspezialisten, Hersteller, Unternehmensberater, die sich neuerdings gerne Systemintegratoren nennen, ferner Systemhäuser und Hauselektriker - mit wechselndem Erfolg dank oder trotz Spezialisierung.

Nach RZ-Ära und Wildwuchs-Nervenkrieg im Unternehmen dank PC-Clone & Company bahnt sich seit geraumer Zeit ein Waffenstillstand zwischen Anwender und DV-Profi an: die PC-Vernetzung mit sanfter Steuerung durch den Systemspezialisten und bereitgestellter, sachorientierter Souveränität des Users. Doch schon krankt die Chose wieder an einer Eigenart der Branche, diesmal im Vorfeld der Anwendung: Jeder - vor allem der, der ein Geschäft wittert - weiß immer alles, vor allem besser, und keiner weiß, warum. Beratung tut Not.

Vernetzung erfordert ein sensibles Händchen

Sicher ist nur eins: die Vernetzung erfordert gerade bei dem heutigen Stand der Technik und der vorhandenen Angebotsbreite wirtschaftlich mehr denn je technisch ein sensibles Händchen. Topologie, Hardwareausstattung, Steuerung und Software sind letztlich Nebensache, sofern der "Berater-Verkäufer" auch tatsächlich weiß, erkennt und auch formuliert, was für den Anwender in seiner Betriebsumgebung zur Vernetzung sinnvoll ist.

Topologie, Hardware-Ausstattung, Steuerung und Software sind letztlich - auf den Punkt gebracht - Nebensache, sofern der "Berater-Verkäufer" auch tatsächlich weiß, erkennt und auch formuliert, was für den Anwender in seiner ureigensten Betriebsumgebung zur Vernetzung sinnvoll ist.

Die Crux für Netz-Anwender und solche, die es werden wollen: DV-Ausstatter jeder Schattierung gehen in die Beratungs- und Aufbauphase mit der implizierten Sicherheit, netz- und entsprechende anwenderbezogene Fragen von vornherein und grundsätzlich optimal beantworten zu können. Aber, so eine häufig gehörte User-Schelte, "jeder kocht doch irgendwie sein eigenes Süppchen".

"Zunächst ist eine genaue Analyse der Bedürfnisse und Möglichkeiten des Kunden notwendig", meint ein Fachhandelsvertreter für den Großkundenbereich. Reine Vernetzungstechnik bildet hierbei nur den geistigen Hintergrund.

Wichtig, so der Beratungs-Profi, Ist nicht nur die Betrachtung des Kostenaspektes vor der Installation, sondern vor allem auch das Umfeld, in dem vernetzt werden soll. Für den grundsätzlichen Investitionsaufwand rechnen Ausstatter mit "Pi-mal-Daumen-Werten": Pro PC im Netzwerk werden rund 2000 Mark zusätzlich zu den Anschaffungskosten des PCs angesetzt.

Schwieriger wird die Angelegenheit bei der Bewertung des Umfeldes. Für die wirtschaftliche und technische Analyse sollten, so vor allem Stimmen aus der seriösen Händlerschaft, Zeit und Aufwand nicht zu knapp bemessen werden.

Welche Hardwarebasis ist vorhanden, wie kann am günstigsten verkabelt werden, sind architektonisch überhaupt Verkabelungsmöglichkeiten gegeben und letztlich, welche Optionen auf Erweiterungen sind einzuplanen - Fragen, die in einem Pre-Check zur Vernetzung mehr Raum einnehmen sollten, als sie derzeit innehaben.

Die angesprochenen Problemkreise sollte der Anwender zunächst selbst kritisch durchleuchten, und sich erst Beratung holen - zumal dann, wenn sie aus dem unternehmerischen Umfeld stammt und nicht unbedingt rein technischer Natur ist.

Bei diesem Exkurs ins Innere des Unternehmens, so meinen Berater, steht lapidar als erste Frage an, ob denn ein Netzwerk überhaupt gewissen Nutzen bringe. Die Notwendigkeit eines LANs kann sich aus den unterschiedlichsten Gründen ergeben. Am häufigsten wünschen sich die "einfachen" PC-Anwender Kommunikation und zentrale Datenhaltung.

Unternehmen mit vielen einzelnen, nicht untereinander verbundenen PC-Arbeitsplätzen sehen die Vorteile der Vernetzung zunächst oft nur in der gesteigerten Kommunikationsmöglichkeit zwischen Endanwendern und der zentralen Datenhaltung. Bei genauerer Untersuchung ergibt sich übrigens - auch ohne allzu tief in die DV-Materie einsteigen zu müssen - häufig ein willkommener, zusätzlicher Spar-Effekt: Bereits vorhandene Hard- und Software kann größtenteils weitergenutzt werden. Die Vererbung von PCs geringerer Leistungsklassen innerhalb einer DV-orientierten Unternehmenskultur macht nicht umsonst derzeit Furore.

Ein weiterer Netzvorteil: Peripherie-Zukäufe, beispielsweise Von Druckern oder Faxgeräten werden, nicht mehr in hohem Maße notwendig, da durch die Möglichkeit des netzgesteuerten Zugriffs auch von entfernteren Räumen aus ein System-Sharing sinnvoll ist.

Besondere Beachtung bei der Analyse des Projektes gilt auch der Datensicherheit. Sie spielt bei der organisatorischen Strukturfestlegung eine große Rolle: Redundanzen kosten nicht nur Geld, sondern auch Nerven bei der Suche nach dem aktuellsten Update. Auch Zugriff und Berechtigungen auf verschiedene Informationen müssen bequem zu steuern sein.

Besondere Beachtung gilt auch der Datensicherheit

Diese Überlegungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn bereits größere Investitionen in PCs und der benötigten Anwendersoftware getätigt wurden - und sollten tunlichst bei der Auswahl des richtigen Beraters" angesprochen werden. Hier kann es passieren, daß Kollisionen zwischen Benutzerwunsch, -Budget und gesunder Sales-Mentalität zutage treten.

Zu den direkten Investitionskosten addiert sich der zeitliche Aufwand für Einarbeitung, Datenübernahme oder Anpassungen. Für die Netz-Neulinge ergeben sich aber noch andere Problembereiche, die es aus dem DV-Umfeld heraus mit Beratungsleistung zu füllen gilt.

So nimmt beispielsweise die Vernetzung der PCs durch die Entwicklung für Mainframes im Rahmen des Konzepts der dezentralen Anwendungsentwicklung zu.

Entwurf, Programmierung und Prototyping der geplanten Anwendung für den Mainframe laufen durchgängig auf den einzelnen PCs der Entwickler ab, die auf die gemeinsam benötigten Daten und Informationen zentral über das Netzwerk zugreifen können.

Dies entlastet den ohnehin meist ausgereizten Großrechner, spart teure CPU-Zeit und ermöglicht dadurch eine optimalere Auslastung.

Ein weiterer Einsatzbereich von LANs zeigt sich in Unix-Umgebungen - der Netz-Champion hier heißt Ethernet. Mehrere Unix Rechner unterschiedlicher Hersteller, die unter den verschiedenen manchmal sogar standardisierten - Unix-Derivaten laufen und untereinander, kommunizieren sollen, werden damit verbunden. Dies fördert unter anderem die Kommunikationsmöglichkeiten untereinander, meistens jedoch ist die schnelle und problemlose Datenübertragung das wichtigste Kriterium. Im Extremfall können all diese Einsatzbereiche von LANs zugleich zum Tragen kommen. PCs sind als intelligente Workstations und/oder normale Unix-Terminals an Unix-Rechner angeschlossen, diese wiederum untereinander verbunden und mit dem PC-Netzwerk angebunden an den Großrechner.

Die Verwirrung ob der Möglichkeiten ist also grenzenlos - die Wege zum Netz auch. Dem Budget zuliebe sollte der Frage, welches denn nun der kompetenteste und somit effektivste Ansprechpartner für die Planung, Installation und spätere Betreuung in Supportfragen für das zukünftige Netz sei, viel Zeit gewidmet werden.

Gewisse Besonderheiten je Beratungssparte

Netzwerkhersteller, Distributoren, Fachhändler oder Unternehmensberater? Ohne Kompetenzabstriche aufgrund einer geistigen oder wirtschaftlichen Heimat unterstellen zu wollen, lassen sich doch je Beratungssparte gewisse Besonderheiten herausarbeiten.

Zunächst denkt man an die Hersteller der Netzwerke selbst als direktem Partner. Erste Einschränkung: Der Direktvertrieb an Endbenutzer, also den zukünftigen Anwender des Netzwerks, wird im Normalfall nicht übernommen, sondern an Distributoren übertragen.

Je nach Vertriebsvereinbarung erschließt sich für den Kunden somit eine gewisse Auswahlmöglichkeit. Die einzelnen Verträge gestatten es dem Distributor meist, auch Produkte verschiedener Produzenten anzubieten - eine Ausweitung, die dem Hersteller selbst aus verständlichen Motiven heraus versagt bleibt.

Bieten Distributoren beziehungsweise deren Unterhändler eine breitere Palette zur Produktauswahl an, so liegt die Zuständigkeit der Netzwerkhersteller hauptsächlich in der Weiterentwicklung und Pflege des Netzwerkproduktes sowie in der Schulung und Wissensverteilung an Distributoren und deren Händler.

Im Gegenzug, so allgemeiner Usus, wird der Hersteller von den Vertriebsbeauftragten über Fehler, Probleme und Verbesserungsvorschläge unterrichtet.

Distributoren sind allerdings oft reine Software-Unternehmen. Dies bedeutet, daß zwar die notwendigen Netzwerkprogramme oder Betriebssysteme geliefert und mögliche Schulungen durchgeführt werden können, das Hardware Umfeld jedoch über einen weiteren Lieferanten bezogen wird.

Der Vorteil liegt nach Aussage eines Netzwerk Distributors darin, daß hier der direkte Kontakt zum Hersteller eine genaue Kenntnis der vertriebenen Netzwerke gewährleistet. Spätere Einarbeitung sowie eventuelle Problembehebung vereinfachen sich dadurch nicht unwesentlich.

Ein weiterer möglicher Ansprechpartner für den geplagten zukünftigen "Netzwerker" sind Unternehmensberater beziehungsweise spezialisierte Beratungsfirmen, heute gerne auch System-Integratoren genannt.

Ihnen wird allgemein die Kenntnis des breitgefächerten Angebotes im Markt zugestanden; sie bieten im Sinne der Beratungs- und Vermittlungsleistung eine wertvolle Hilfe, vor allem auch mit Blick auf wirtschaftliche Aspekte. Die wirkliche Planung und Durchführung der Installation wird meist jedoch direkt vom Lieferanten der Netzwerkkomponenten erfolgen.

Zur Vermeidung des "Keiner-will´s- gewesen-sein"-Spielchens im Falle von Problemen wenden sich Unternehmen häufig an ein Systemhaus, das dann über entsprechende Gesamtlösungen recherchieren kann und eine Generalunternehmerschaft bietet. Der Vorteil: Die Verantwortlichkeit ist klar definiert, das Umfeld mit allen formellen und informellen Querverbindungen nach eingehender Analyse bei dem einen Partner wohlbekannt. Der Nachteil indes liegt in von Haus aus präferierten Konzepten und Lieferanten, die wiederum auf ihre echte Eignung geprüft werden sollten.

Langsam, aber sicher wachsen auch Fachhändler in ähnlich neutrale Positionen mit Sachkompetenz hinein. Die Auswahl ist hier meist per se nicht sehr schwer: Der Partner kann ein vom Netzwerkhersteller empfohlener, dem Unternehmen bekannter oder einfach der "Haus- und- Hof-Lieferant" sein.

Die Gründe, sich an einen Fachhändler zu wenden, der sowohl die Software- als auch die Hardware-Seite abdecken kann, liegen - so hört man aus dieser Wirtschaftsgruppe - auch darin, daß der oft überforderte Kunde nur einen Ansprechpartner hat, der als General-Auftragnehmer fungiert und an mögliche weitere Fachleute (bis hin zu Architekten und Hauselektrikern) durchaus auch Unteraufträge zu vergeben willens ist. Die Absprache erfolgt dann effizient im Spezialistenkreis, ohne daß der Auftraggeber zusätzlich damit belastet wird.

Fremdes Gerät gleich Service-Warteschlange

Durch eine breite Übersicht über verfügbare Möglichkeiten zur Erfüllung der Kundenwünsche kann der Fachhändler dann die maßgeschneiderte Lösung liefern. Flexibilität bei der Hardware-Integration in die bereits vorhandene Umgebung, eventuelle Aufrüstung sowie die Bereitstellung schnell lieferbarer Ersatzgeräte im Falle eines Hardware-Crashs sind Vorteile, die diese DV-Ausstattergruppe gern ins Feld führt.

"Einerseits werden bereits getätigte Investitionen nicht überflüssig und nutzlos, und im Notfall ist schnelle Hilfe verfügbar", so die Argumente - wobei die Fachhändler sich bei Geräten die fremd gekauft wurden, durchaus entsinnen können, was eine Service-Warteschlange ist.

Bei der Installation der für den jeweiligen Kunden richtigen Lösung gilt es jedoch, noch weitere Punkte zu beachten: Allein die Konzeption und Einrichtung der Technik macht noch kein benutzungsfähiges Netzwerk aus.

Anwender sind auch nach dem Kauf abhängig: Ein Supervisor für den Netzwerkserver - das Herz und damit wichtigster Bestandteil eines LANs - muß eingewiesen und mit der Materie vertraut gemacht werden - reine Spezialistenleistung, vom Anwendertraining und der Einrichtung von Zugriffsrechten und der Kommunikationsgestaltung ganz abgesehen.

Wie die Planung und Einrichtung eines LANs nun wirklich am besten geschieht und durch wen, hängt also letztlich vom Einsatzbereich und der Größe des geplanten Netzwerks ab. Weitere Faktoren, die die Wahl des Partners und damit auch die Installation als solche beeinflussen, sind Möglichkeiten des Budgets und - wie so oft - die technischen Fähigkeiten der Produkte, um eine optimale Lösung zu erreichen. Dazu bedarf es noch eines Quentchens Sachkompetenz bei der Ausbildung und Servicesicherheit - die Qual der Wahl, wie immer.

Den General-Spezialisten mit Wirtschafts-Techno-Kommunikations-Architektur- und sonstigem Know-how zu finden scheint noch schwieriger zu sein, als zu vernetzen - indes, ein bißchen Poker-Face und kritische Fragen an den potentiellen Partners lohnen.

*Ida Lösch ist freie DV-Fachjournalistin in München; Horst-Joachim-Hoffmann ist freier DV-Fachjournalist in München