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21.02.1992 - 

Bilder ohne Negative

Mit Fotoman macht man aus dem PC eine Dunkelkammer

21.02.1992

Susanne Sperber ist freie Journalistin in München.

Die Pioniere der Fotografie mußten zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch mit vergleichsweise riesigen Kameras hantieren, um ein Bild herzustellen. Zwar wurden die unhandlichen, mit Silbersalzen beschichteten Glasplatten von praktischen Filmen verdrängt, doch am Grundprinzip der Fotografie hat sich seit damals kaum etwas geändert. Erst die Elektronik schuf neue Möglichkeiten. Digitale Bilder können jetzt in den Computer geladen werden.

Das Schweizer Unternehmen Logitech International S.A., Markführer im Bereich der Computer-Eingabegeräte, bietet mit "Fotoman" ein Werkzeug zur Bilderstellung und -weiter- verarbeitung mit dem PC. Bis zu 32 Graustufen-Bilder lassen sich auf dem eingebauten RAM-Chip speichern. Fotoman wird ergänzt durch die Software "Fototouch", die neben der Bildanzeige auch die Bearbeitung des Fotomaterials direkt im PC erlaubt. Im Gegensatz zu den analog arbeitenden Still-Video-Kameras benötigt man bei der digitalen Fotografie kein teures Zusatzequipment, wie Frame-Grabber-Karten oder Digitalisierungsboards, um die Bilder in den PC zu bringen.

Weil die digitale Graustufen-Kamera Fotoman ganz ohne zusätzliche Karten auskommt, ist sie auch für den Einsatz in Verbindung mit portablen Computern geeignet - zumal die modernen Laptops und Notebooks leistungsstark genug sind, um problemlos mit der Fotoman-Software Fototouch unter Windows 3.0 zu arbeiten. Um die Fotos direkt aus der Kamera auf den Bildschirm des PCs zu holen, wird die digitale Kamera an die serielle Schnittstelle des Computers angeschlossen. Alle weiteren Arbeitsvorgänge steuert Fototouch.

Peter Elms betreut als Immobilienmakler mehr als 100 Objekte in ganz Westeuropa. Häufig, wenden sich Kunden mit individuellen Suchanfragen nach einem geeigneten Domizil an den Hamburger. "Entscheidend für meinen Erfolg", so der Geschäftsmann, "ist rasche Informationsvermittlung. Der Kunde soll so schnell wie möglich ein Expose des Objektes in den Händen halten." Und weil Bilder mehr sagen als nackte Zahlen und Fakten, legt Peter Elms ein Bild des Hauses bei.

Die Filmentwicklung würde hier nur wertvolle Zeit kosten, für einen "ersten Eindruck" mußte bisher ein Polaroid-Bild ausreichen. Deshalb überzeugte die digitale Graustufen-Kamera den Makler sofort. Elms freute sich in der Testphase, "vor allem über die Zeitersparnis durch die völlig unkomplizierte Handhabung der digitalen Kamera". Langwierige Arbeitsvorgänge seien auf ein Mindestmaß verkürzt worden.

Die ergonomische Kamera ist für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen gut zu bedienen und verfügt über einen eingebauten Blitz sowie einen Graufilter für perfekte Belichtung in der Natur. Außerdem können jede Standard-37-Millimeter-Zusatzlinse und die handelsüblichen Filter verwendet werden.

Um die Qualität der Aufnahmen zu überprüfen, schließt Elms Fotoman einfach an die serielle Schnittstelle seines Notebooks an und ruft per Maus die Software auf. Mit Fototouch wird jeder PC zur Dunkelkammer, allerdings ohne die üblichen Wartezeiten für die Filmentwicklung. Alle Bilder können sofort im Preview-Modus betrachtet werden, Kontrast und Helligkeit lassen sich über das mausgesteuerte Menü von Fototouch korrigieren.

Bei der Bildwiedergabe erzielt die Logitech-Lösung maximal 256 Graustufen. Bilder lassen sich aufhellen oder nachdunkeln, zudem ist ihre Größe veränderbar.

Die Speicherung der Aufnahmen erfolgt als Bild mit 256 Graustufen oder in fünf zur Wahl stehenden Grafikformaten. Über DTP oder Textverarbeitungsprogramme können die Aufnahmen in jedes Dokument, so etwa in ein Expose von Elms, eingefügt werden. Schere und Klebstoff kann man in Zukunft in der Schublade lassen.

Damit die digitale Kamera immer einsatzbereit bleibt, ist sie mit einem Akku ausgerüstet, der sich auch über den Zigarettenanzünder im Auto nachladen läßt. Wenn die Zeit drängt, können Bilder übrigens auch per Modem verschickt werden. So können etwa Journalisten Bilder von Presseveranstaltungen zusammen mit dem Artikel per Datenfernübertragung an die Redaktion liefern.

Es gibt natürlich auch andere Anwendungsgebiete: Bernhard Forster etwa arbeitet für ein großes Auktionshaus. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Katalogisierung von Antiquitäten, Schmuck und Bildern im Vorfeld der vierteljährlichen Versteigerungen. Bis vor kurzem wurden alle Gegenstände auf Listen festgehalten und mit Preis und Aufruf-Nummer versehen.

Gute Kunden erhielten diese Listen schon zusammen mit der Einladung zur Auktion. "Mit dieser Lösung waren wir eigentlich nie recht glücklich", so Bernhard Forster, "denn die Kunden konnten sich häufig unter den erwähnten Gegenständen schlicht zuwenig vorstellen." Doch ein Katalog mit entsprechend aufwendigem Herstellungsverfahren war in der Realisierung zu teuer. Mit Fotoman eröffnete sich jetzt eine wesentlich günstigere Alternative.

Die Bilder können rasch und ohne großen Aufwand angefertigt und in den per DTP erstellten Katalog integriert werden. "Das hat den Vorteil, daß jedes Bild zugleich Gedankenstütze für uns ist und die Identifizierung der Gegenstände sehr erleichtert wird", äußert der Auktionator.

Der fertige Katalog wird auf einer Diskette gespeichert und zur Belichtungsanstalt geschickt. Innerhalb kürzester Zeit geht das Material in Druck. Die Zeitersparnis ist für das Auktionshaus deshalb so wichtig, weil zwischen der Einlieferung der Stücke und dem Auktionstermin manchmal nur wenige Tage liegen.

Trotz der knapp bemessenen Zeit sollen gute Ergebnisse erzielt werden, denn der Katalog ist immer auch die Visitenkarte des Hauses. Die Kunden scheinen vom Ergebnis jedenfalls begeistert, denn jetzt genügt schon ein Blick auf das Bild "Biedermeierbrosche, Nr. 254", um festzustellen, ob überhaupt die Form gefällt.

Auf ganz ähnliche Weise bewährt sich der Fotoman bei der Erstellung von Inhouse-Zeitungen. Viele Firmen informieren ihre Mitarbeiter über Aktivitäten, Neuigkeiten und Jubiläen mit einem hauseigenen Medium. Den Redakteuren stehen hier meist wenig Zeit und geringe finanzielle Mittel für die Produktion zur Verfügung.

Auf dem Bildschirm werden die Bilder per DTP in die Textbeiträge eingebunden, und in wenigen Stunden ist die Mitarbeiter-Zeitung fertig. Neben der Erstellung von Katalogen oder Zeitschriften kann Fotoman auch zur Illustration von Rundschreiben, Broschüren und Flugblättern eingesetzt werden.

Die einfache Handhabung von Hard- und Software ermöglicht ferner den raschen Aufbau einer Bilddatenbank. In einer Werkstatt können so alle vorrätigen Ersatzteile zusammen mit Bild in einer Datenbank gespeichert werden.

Von Susanne Sperber