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02.08.1996 - 

Betatester loben neues grafisches Verwaltungstool

Mit Green River stärkt Novell seine Position gegenüber NT

Novells Netz-Betriebssystem Netware 4.1 gerät zunehmend unter Druck durch die Konkurrenz des NT Servers von Microsoft. Zwar verfügt Netware insgesamt über einen Marktanteil von 63 Prozent weltweit unter den PC-Server-Betriebssystemen, Microsofts Konzept, den NT Server als Applikationsplattform in den Unternehmen zu positionieren, setzt Novell allerdings unter Zugzwang.

Nach Meinung zahlreicher Anwender hat Novell technisch einen Vorsprung vor dem Mitbewerber. Dieser, so Novell-Sprecherin Martina Grüger, soll mit den neuen Features (siehe Kasten) weiter ausgebaut werden.

Auf den Lorbeeren der Novell Directory Services (NDS) darf sich das Unternehmen nicht ausruhen. Einstimmig begrüßen die Betatester deshalb die erweiterten Netzverwaltungs-Tools "NDS-Manager" und "Nwadmin". Diese Werkzeuge betreffen den Alltag jeden Anwenders. Bei dem NDS-Manager handelt es sich um ein grafisches Tool zur Überwachung und Verwaltung der Replikas und Partitionen von NDS- Trees. Die neue Version von Nwadmin unterstützt zudem mehrere Directory-Trees.

Betatester Markus Krauss, Produkt-Manager LAN und Telekommunikation im Deutschen Bau-Rechenzentrum, Nürnberg, schwört auf das Verwaltungs-Tool Nwadmin. Insbesondere überzeugt ihn die Rechteverwaltung mit Hilfe von Vererbung. Vererbung bedeutet die Weitergabe von Eigenschaften übergeordneter Objekte an untergeordnete. Im Vergleich dazu bezeichnet Krauss das Domain- Konzept bei Windows NT als "Irrsinn".

Der NDS-Manager mit grafischer Benutzeroberfläche ersetzt den DOS- basierten "Partition Manager" von Netware 4.1. Zu seinen Funktionen gehören unter anderem die Verteilung der NDS auf verschiedene Server, die Kontrolle der Replikation, Vorlagen für die Erfassung neuer Benutzer und Netzobjekte sowie die übergreifende Änderung von Parametern. Wie andere Anwender bewertet Karsten Schweer, Netzadministrator bei der Großkonditorei Coppenrath & Wiese in Osnabrück, den NDS-Manager mit grafischer Benutzeroberfläche positiv. "Das war bisher sehr unkomfortabel", moniert Schweer die Lösung in Netware 4.1.

Stefan Mund, Netz-Manager der Ostfriesischen Teegesellschaft in Seevetal, lobt außerdem, daß der NDS-Manager den Status der Zeitsynchronisation überwacht. Die mangelnde Synchronisation, so der Fachmann, sei das größte Manko der Netware-4.0x-Versionen gewesen und habe oft zu Fehlern in Datenbanken geführt. Novell hat offenbar eingesehen, daß es an der Realität der NT Server und der gemischten Umgebungen nicht vorbei kommt.

Der globale Verzeichnisdienst NDS verwaltet Applikationen und läßt sich über Plattformen wie Unix, Netware und Windows NT hinweg einsetzen. So betreibt beispielsweise die Ostfriesische Teegesellschaft neben Netware-3.12- und 4.1-Rechnern auch NT Server, allerdings nur als Servicecomputer.

Gateways zur AS/400 und der Mailing-Server "Exchange" von Microsoft laufen auf der Basis von NT. Mund bemängelt allerdings, die Client-Anbindung von Windows NT Workstation an einen Novell- Server werde immer noch stiefmütterlich behandelt.

Dieses Problem hat Novell ebenfalls erkannt, denn Green River integriert Unterstützung für Windows-, Windows-95- und Windows-NT- Desktops. Dennoch steht ein Übergang zu Green River bei der Ostfriesischen Teegesellschaft zunächst nicht zur Debatte, da die Umstellung von 3.12 auf 4.1 derzeit noch in vollem Gange ist.

Einige Eigenschaften der kommenden Netware-Version scheinen jedoch nicht für alle Anwender gleichermaßen relevant zu sein. Mund sieht in seinem Unternehmen zum Beispiel keine Notwendigkeit für TCP/IP- Unterstützung. Das von dem Norddeutschen verwendete Exchange bietet bereits Internet-Funktionen.

Eine wichtige Rolle spielt TCP/IP allerdings bei Grundig in Fürth, wie der Leiter des Bereichs Netze, Heinrich Brunhübner, berichtet. Der TCP/IP-Protokoll-Stack wird zur Anbindung von SAP R/3 unter Unix benötigt. Mit den IPX/SPX-Protokollen war das nicht möglich.

Die Tatsache, daß Green River Symmetrisches Multiprocessing (SMP) unterstützt, nutzt nur Anwendern etwas, die eine hohe Performance benötigen. Brunhübner plant zum Beispiel, seine 80 Server auf 40 zu reduzieren, die dann natürlich entsprechend leistungsstärker sein müssen. Die Ostfriesische Teegesellschaft hingegen setzt Netware hauptsächlich als File- und Print-Server ein und benötigt deshalb laut Mund im Moment keine größere Performance.

Ähnlich verhält es sich bei dem Sicherheitsmerkmal, der C2- Zertifizierung. "Das braucht in Deutschland wahrscheinlich außer Behörden niemand", vermutet Markus Krauss vom Deutschen Bau- Rechenzentrum. Außerdem macht er auf das Problem aufmerksam, daß ein C2-Sicherheitsnetz nicht nur aus dem Server, sondern auch aus Clients und Verkabelung besteht. Es gebe vermutlich nur wenige Firmen, die eine C2-zertifizierbare Verkabelung besäßen, äußert er. Zwar arbeitet Novell mit verschiedenen Hardwarepartnern zusammen, um eine Komplettlösung anbieten zu können, die dürfte aber nur für Unternehmen in Frage kommen, die nicht ihr gesamtes installiertes Equipment dafür ausmustern müssen.

Reine Geschmackssache scheint die Benutzerfreundlichkeit auf der Server-Seite zu sein. Während Eric Tierling, freier Journalist in Leichlingen und Betatester von Green River, eine grafische Administration des Servers vermißt (siehe CW Nr. 25 vom 21. Juni 1996, Seite 27), hält Krauss sie für überflüssig. Die meisten Administrationsaufgaben erledige man ohnehin am Client, argumentiert Krauss, und da habe er ja eine grafische Oberfläche. Betatester Brunhübner meint sogar, durch automatische Hardware- Erkennung und Abend-Recovering steige die Benutzerfreundlichkeit.

Kostspielig für die Anwender bleibt weiterhin die Lizenzierung. Arbeitet ein Benutzer mit Daten auf zwei verschiedenen Servern, muß das Unternehmen über zwei Lizenzen verfügen. Novell arbeitet zwar an einer auf Kno- ten basierenden Technologie, die aber derzeit noch nicht ausgereift ist.

Auch Firmen, die in ihrem Netz sowohl Netware als auch den NT Server einsetzen, liebäugeln mit einer Migration auf Netware 4.11. Die Bausparkasse Wüstenrot in Ludwigsburg zum Beispiel setzt bisher hauptsächlich Netware 3.12 ein, daneben auch 4.1 sowie einen Windows NT Server mit SNA Server. Wie der Systemverantwortliche Herbert Megerle einräumt, habe man durchaus den Übergang zu NT erwogen. Die Entscheidung fiel dennoch zugunsten von Netware 4.11. Als Gründe nennt der Networker den Investitionsschutz, bereits vorhandenes Netware-Know-how sowie die NDS. Von Green River verspricht sich Megerle Vorteile im Netzdesign, bei der Verwaltung und der Betriebssicherheit der Netze.

Weitere überzeugte Anwender von Novells Green River sind Grundig und das Deutsche Bau-Rechenzentrum, die die Betaversion bereits unter die Lupe genommen haben. Krauss schildert Green River als "gut, stabil, schnell und erstaunlich leicht zu installieren". Für den Anwender vereinfache sich die Bedienung, die Client-Anbindung sei besser als in der Vorgängerversion. Zudem existieren mehr Third-Party-Produkte für Netware als für Windows NT.

Nicht alle Anwender sind freilich von den Vorteilen Green Rivers überzeugt. Paul Wullers, Leiter Endanwendersysteme bei der Neckermann Versand AG in Frankfurt, erwägt, NT Server anzuschaffen und den Bestand an alten Netware-3.12-Versionen einzufrieren. Langfristig, so argumentiert Wullers, strebe Neckermann ein einheitliches zukunftsträchtiges System an.

Mit seiner Meinung steht Wullers nicht allein. Das Hauptargument gegen Netware lautet, bei Windows NT handele es sich um ein Allzweck-Betriebssystem mit besonderen Fähigkeiten als Client- Betriebssystem und teilweise als Application-Server. Was die Netzverwaltung betrifft, ist Netware dem Konkurrenten nach Meinung der Anwender überlegen. Brunhübner schätzt den Entwicklungsvorsprung von Netware 4.11 auf ein bis zwei Jahre. Aber der Kampf wird nicht allein auf der technischen Ebene ausgetragen. Die Frage, ob Netware oder NT Server, bleibt immer auch ein DV-Politikum.