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01.03.1991 - 

Guide-Manager: Wir leben ganz gut mit der Abhängigkeit

Mit Guide-Regional Manager Jürgen P. Dostal, Geschäftsführer der Systemhaus MGI GmbH in Eschborn, sprach Wolf-Dietrich Lorenz*.

CW: Wie unterstützt die IBM-Benutzervereinigung Guide den IS-Manager bei seinen Aufgaben?

Dostal: Guide hat sich in der Vergangenheit vor allem als ein Forum für systemnahe technische DV-Experten und das technische DV-Management verstanden. Für die Zielgruppe des IS-Managements hatte Guide dagegen bisher außer einer europäischen Jahreskonferenz wenig anzubieten. Da verschenken wir natürlich einiges: bei der Akzeptanz des Guide-Engagements durch Fachleute sowie durch deren Chefs, aber auch bei der Stellung unserer Organisation gegenüber IBM.

CW: Was wollen Sie besser machen?

Dostal: Wir haben in der deutschen Region im vergangenen Jahr erstmals ein Management-Forum eingerichtet. An der Pilot-Veranstaltung nahmen nahezu 150 IS-Verantwortliche teil. Die Fortsetzung ist in diesem Jahr Anfang Mai in Frankfurt geplant. Dort geht es um konzeptionelle und strategische Aspekte des Informatikeinsatzes. Eine internationale Task-Force arbeitet zudem an einem Konzept für das IS-Management von europaweit engagierten Firmen und Institutionen. Unbestritten gibt es aber noch einen erheblichen Nachholbedarf.

CW: Etwa beim Einfluß von Unternehmen mittlerer Größenordnung auf die Produkt- und Preispolitik des Herstellers? Für IBM-Großanwender bedarf es wohl nicht unbedingt immer eines Guide.

Dostal: Unsere vorrangige Aufgabe muß es deshalb ja sein, die Interessen der mittleren Firmen zu vertreten. Hier verfügen wir im operativen Bereich mit dem Instrument der Requirements über ein wirkungsvolles Mittel, um auf Verbesserungen existierender Produkte hinzuarbeiten.

CW: Wirkungsvoll? Verbittert es Sie nicht, daß die IBM-Labor in den USA bei der Bearbeitung von, Requirements eindeutige Priorität auf die Anforderungen aus dem amerikanischen Markt legen?

Dostal: Sie haben völlig recht: Nach wie vor sind wir äußerst unzufrieden damit, wie die IBM unsere Verbesserungswünsche im Vergleich zu denen des amerikanischen Marktes behandelt. Hier ist zwar auf Initiative der deutschen Region im vergangenen Jahr einiges verbessert worden. Wir bekommen jetzt wesentlich schneller eine erste formale Reaktion der IBM. Aber von einer zufriedenstellenden inhaltlichen Akzeptanz sind wir nach wie vor weit entfernt.

CW: Für eine Partnerschaft reicht das bei weitem nicht.

Dostal: Mit dem langfristigen konzeptionellen Einfluß auf die IBM-Politik durch Guide bin ich auch überhaupt nicht zufrieden. In Europa haben wir ein sehr schlechtes Standing. Zum einen besitzen wir ja nur eine wenig professionelle Organisation, zum anderen sind wir für IS-Manager noch nicht attraktiv genug, sie zur aktiven Mitwirkung in unserer Organisation anzuregen. Wir müssen zu einer professionellen Organisation und zu einem besseren Stauding unserer Repräsentanten auf europäischer Ebene gegenüber dem Hersteller IBM kommen!

CW: Besonders, da Europa doch neue Dimensionen bekommt: IBM rollt den Ex-DDR-Markt generalstabsmäßig auf. Spüren Sie Auswirkungen ?

Dostal: Ich glaube, daß einer Organisation wie der unsrigen mit ihrer Erfahrung in der IBM-Welt eine wichtige Rolle beim Know-how-Transfer in Richtung neue Bundesländer und Osteuropa zukommt. Um interessierte Unternehmen aus dem Gebiet der ehemaliger DDR und den osteuropäischen Nachbarländern zu erreichen, veranstalten wir im Rahmen der diesjährigen CeBIT in Hannover einen Informationstag. Auch die Treuhand haben wir gebeten, auf das Dienstleistungsangebot unserer Organisation hinzuweisen. Besonders beim Einstieg wollen wir helfen. Daher sind wir bereit, während einer Übergangszeit die Kriterien für eine Mitgliedschaft, also die Installation eines IBM-Rechners der /370- oder /390-Familie oder einer AS/400 ab Modell 50, für diese Firmen auszusetzen. Zusätzlich bieten wir Interessenten an, sowohl an unserer Jahreskonferenz im April in Köln als auch am Management-Forum in Frankfurt a. M. teilzunehmen.

CW: Um mit IBM-Anwendern über ihre Erwartungen in bezug auf offene Systeme zu reden?

Dostal: Aber sicher. Wenn wir über offene Systeme reden, erwarten wir vor allem den Effekt, daß viele, gerade kleine Softwarefirmen angeregt werden, innovative Produkte zu gestalten. Wir denken dann weiterhin an eine gesicherte Basis für den zunehmend wichtiger werdenden internationalen und branchenübergreifenden Informationsaustausch. Schließlich: mehr Wettbewerb in einem breiteren Markt mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise.

CW: Vom Schutz der Investitionen in Software und Organisation des Unternehmens reden Sie nicht?

Dostal: Ich sehe noch nicht unbedingt, daß sich durch offene Systeme der Schutz der getätigten Investitionen verbessert. Auch in einer Unix-Welt wird man sich für bestimmte proprietäre Software eines Anbieters entscheiden müssen. Für die Frage des Investitionsschutzes ist nach wie vor die Wahl des oder der richtigen Partner viel entscheidender. Dies erklärt wohl den großen Erfolg von De-facto-Marktstandards a la IBM ...

CW: ... oder weil ein Monopol eben Konkurrenz ausschließt. IBM beherrscht mit Abstand die wichtigsten Teilmärkte.

Dostal: Ihre Einschätzung, daß IBM alle wichtigen Teilmärkte beherrscht, teile ich durchaus nicht. Denken Sie zum Beispiel an die Kommunikationsnetze, an den Markt von Standard-Anwendungen oder Dienstleistungen Wie Systemintegration und Facilities Management. Hier gibt es eine Reihe anderer, sehr erfolgreicher Unternehmen am Markt - Gott sei Dank! IBM unternimmt natürlich große Anstrengungen, in diesen besonders zukunftsträchtigen Märkten eine führende Rolle zu spielen.

CW: Vergessen wir nicht die Mainframes und High-end-PCs!

Dostal: Von einer wirklichen Marktbeherrschung kann man nur im Bereich der Großsysteme sprechen. Deren Anteil am Gesamt-DV-Budget der Unternehmen ist aber rückläufig. Durch den fehlenden Wettbewerb sind dort die Preise unnötig hoch; nicht umsonst erzielt IBM in diesem Bereich die höchsten Margen. Die Investitionen der Anwender in der /370-Welt indes haben sich mit wenigen Ausnahmen als langfristig stabil und richtig erwiesen.

CW: Je mehr Kunden, desto abhängiger der Hersteller?

Dostal: Wer ist in einem derartigen Markt von wem abhängig? Aus der Notwendigkeit, bei jeder Weiterentwicklung die Kundeninvestitionen so gut es geht zu schätzen, ergeben sich für IBM erhöhte Aufwendungen bei der Weiterentwicklung und zugleich ein geringeres Innovationstempo. Insofern bedingt der große Markterfolg des Herstellers durchaus eine gewisse Abhängigkeit.

Mit der Abhängigkeit auf der Anwenderseite lernte in der Vergangenheit die Mehrzahl von uns Anwendern ganz gut zu leben, und ein De-facto-Standard hat manchem die kritische Auseinandersetzung mit Alternativen erspart...

CW:.. also die bequeme Vogel-Strauß-Politik? Besitzt der Endanwender noch Wahlmöklichkeiten zwischen verschiedenen Technologien, um daraus für seine Wettbewerbsstrategie passende organisatorische und technische Lösungen zu entwickeln?

Dostal: Seit wann ist denn die Auswahl einer Technologie das Entscheidende, wenn es um den Informatikeinsatz zur verbesserten Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens geht? Ist es nicht vielmehr die Fähigkeit, sich auf rasch verändernde Märkte einzustellen und die eigenen Strukturen danach ausrichten zu können? Wir haben uns in der Vergangenheit viel zu sehr mit der Auswahl der vermeintlich richtigen strategisch langfristigen Technologie beschäftigt anstatt mit der Frage, wie wir Technologie erfolgreich in Organisation umsetzen können, um das eigene Geschäft wirkungsvoll zu unterstützen.

CW: Dabei ist der Aspekt der Systemwelt nicht unwichtig. In etwa drei Jahren sollen Midrange-Rechner - mit einem Kaufpreis bis zwei Millionen Mark - verstärkt unter dem Betriebssystem Unix arbeiten. Welche Auswirkungen sehen Sie für Guide?

Dostal: Es entspricht unserem Selbstverständnis, daß wir uns jedem neuen Thema stellen, das unsere Mitgliedsfirmen beschäftigt. Das gilt selbstverständlich auch für Unix, das in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Themenliste unseres Management-Forums steht.

Ich sehe keinen Grund, warum es nicht in ein bis zwei Jahren im Guide auch einen Arbeitskreis Unix geben sollte, sobald dafür die Notwendigkeit und das Interesse seitens der Mitgliedsfirmen gegeben ist.

Ob wir uns allerdings auch solchen Firmen für eine Mitgliedschaft öffnen, die ausschließlich in einer Unix-Systemwelt arbeiten, vermag ich heute nicht zu sagen.

Diese Frage wird sicher auch davon abhängen, welche Rolle IBM im Unix-Markt spielen wird, denn wir sind und bleiben natürlich definitiv eine Interessenvertretung von IBM-Kunden.

*Wolf Dietrich Lorenz ist Leiter der Kongreßgruppe CSE Conferences" Seminars, Education der IDG Communicationsverlag AG.