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11.08.1995

Mit Hilfe von Boca Research aus Chapter eleven Der Modempionier Hayes hat die Fuehrungsrolle laengst abgegeben

MUENCHEN (sc) - Nahezu unbemerkt verlor die Hayes Microcomputer Products Inc. ihre Spitzenposition im Modemmarkt. Als sich der einstige Vorreiter im letzten Jahr unter Chapter eleven begab, war die Ueberraschung um so groesser.

Der Hayes-Standard - ein Name wurde zum Begriff. Er steht fuer den bei Modems gaengigen AT-Befehlssatz, der in den Produkten von Hayes Microcomputer Products erstmals Verwendung fand; "Hayes- kompatibel" wurde zum Richtwert einer ganzen Industrie. Von dem Unternehmen, das dahinterstand, war lediglich bekannt, dass es Modems produzierte - und viele davon verkaufte: Hayes galt jahrelang als Marktfuehrer im PC-Bereich.

Interna drangen allerdings kaum nach draussen. Als Unternehmen in Privatbesitz musste Hayes keine Zahlen veroeffentlichen. Dementsprechend gross war die Ueberraschung, als sich der Modemhersteller im Herbst 1994 freiwillig unter Chapter eleven des US-Konkursrechts begab, um sich vor seinen Glaeubigern zu schuetzen. Firmengruender und CEO Dennis Hayes begruendete den Gang zum Konkursgericht mit kurzfristigen Zahlungsschwierigkeiten. Die Probleme begannen laut Hayes im April 1994, als die Nachfrage nach Modems und anderen Produkten so zugenommen hatte, dass die Subunternehmer mit der Produktion der Komponenten nicht mehr nachkamen. Da deshalb die Umsaetze ausblieben, konnte das Unternehmen Teile, die sich bereits im Lager befanden, nicht mehr bezahlen.

Die Gruende fuer den Niedergang des Herstellers aus Atlanta, Georgia, sind jedoch vermutlich Jahre frueher zu suchen. So musste im Fruehjahr 1990 ein Viertel der Belegschaft gehen. Der Personalabbau traf auch den Bereich Forschung und Entwicklung, der sich mit noch nicht angekuendigten Produkten befasst hatte, sowie den technischen Support.

Der Firmenchef hatte seit der Gruendung des Unternehmens im Jahr 1978 schon mehrmals die Zahl seiner Angestellten reduziert. 1990 waren die ruecklaeufigen Einnahmen der Grund gewesen, die laut Dennis Hayes aus einer schwachen Nachfrage nach Modems seitens der Industrie resultierten. Dataquest-Analyst Larry Cynar beurteilte die Situation indes damals anders: "Nicht die Zahl der verkauften Einheiten geht zurueck, sondern die Umsaetze im Low-end-Bereich. Es gibt dort zu viele Anbieter, die mit geringen Preisaufschlaegen ueber den Distributionskanal verkaufen."

Der Preiskrieg in diesem Marktsegment traf letztlich alle Konkurrenten. Hayes-Wettbewerber wie U.S. Robotics hatten damals in Richtung Software diversifiziert, um den Preisverfall zu kompensieren. Dennis Hayes nahm auch Software ins Programm. 1991 brachte er das Netz-Betriebssystem "Lanstep" heraus, kam allerdings ueber eine Nischenposition nicht hinaus.

Staerker als auf Software konzentrierte sich Firmenchef Hayes indes auf ISDN. Doch der Boom liess hier auf sich warten, die entstandene Umsatzluecke konnte nicht geschlossen werden. "Vor einigen Jahren waren viele Marktbeobachter der Meinung, dass ISDN die Modemtechnologie in absehbarer Zeit ersetzen wuerde. Heute - im Jahr 1992 - sieht es aber noch nicht danach aus", schrieb die Marktforschungsgesellschaft IDC Deutschland GmbH 1992 in ihrem Newsletter.

Ueber die Fokussierung auf ISDN in Verbindung mit einer zeitweilig reduzierten Entwicklungsmannschaft konnte Hayes im Kerngeschaeft, den Modems, die Technologiefuehrerschaft nicht laenger behaupten. Statt durch innovative Produkte machte das Unternehmen durch Prozesse von sich reden, in denen es etliche Wettbewerber wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen verklagte. Doch dieser Versuch, die Entwicklungen der Konkurrenz zu zerstoeren, schlug fehl.

"Sie hatten Schwierigkeiten, ihren Ruf als Lieferant von erstklassigen Produkten zu erhalten", analysierte James Rafferty, President der Human Communications in Dabnury, Connecticut, als sich Hayes unter Chapter eleven begab. Der Wettbewerb holte auf. Hayes sei zu spaet auf den PCMCIA-Zug aufgesprungen und habe auch die V.34-Produkte nicht rechtzeitig auf den Markt gebracht, konstatierte der Branchenbeobachter Gerry Purdy aus Cupertino, Kalifornien.

Im nachhinein betrachtet, duerfte Hayes allerdings im PCMCIA- Geschaeft anfangs nicht allzuviel versaeumt haben. "Der Markt wuchs langsamer, als man zuerst angenommen hat", urteilt das Marktforschungsinstitut Frost & Sullivan ueber den Bereich PCMCIA- Fax-Modem-Karten. Die Auguren rechnen erst von diesem Jahr an mit hoeheren Wachstumsraten, wobei steigende Stueckzahlen mit sinkenden Preisen einhergehen.

Mittlerweile wendet sich fuer Hayes das Blatt wenigstens finanziell wieder zum Besseren, wenngleich immer noch Probleme mit den Lieferanten von Komponenten das Geschaeft erschweren und monatlich rund 600000 Dollar Restrukturierungskosten anfallen. Die drei Quartale des aktuellen Geschaeftsjahres schloss der Modemhersteller mit einem positiven Betriebsergebnis ab.

Nimmt man die Resultate des Erzkonkurrenten U.S. Robotics Inc., zeigt sich indes die gegensaetzliche Entwicklung der beiden Unternehmen. U.S. Robotics, vor Jahren noch kleiner als Hayes, hat den einstigen Vorreiter heute ueberrundet. Im aktuellen zweiten Quartal liegt der Umsatz von U.S. Robotics mit 196,1 Millionen Dollar fast 3,5mal hoeher als die Einnahmen von Hayes.

Mit der geplanten Uebernahme des Unternehmens durch die an der Nasdaq notierte Boca Research Inc. (siehe CW Nr. 28 vom 14. Juli 1995, Seite 4) will Dennis Hayes wieder an Marktmacht gewinnen. Lynn Webster-Scoot, PR-Managerin Europe Region, rechnet damit, dass der Merger Ende September abgeschlossen sein wird. Aus Chapter eleven werde man voraussichtlich Mitte Oktober entlassen.