Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.03.1981 - 

In der Nachtschicht begegnen sich Gegenwart und Vergangenheit:

Mit Inflationszuschlag kommt die Minute teurer

MÜNCHEN (gr) - Der Schichtleiter im Rechenzentrum hat eine schwierige Position inne. Er selbst machte den Rationalisierungsvorschlag: An allen Wänden des Rechenzentrums hängen Schilder mit der Aufschrift "Jede Minute kostet 33 Franken". Der durch die Arbeit in Wechselschicht verstärkte Streß setzt jedem zu. Emil Zopfis Roman mit dem Schildertitel liest sich gehetzt - wie ein Krimi.

Daß jede Minute Maschinenzeit wie er selbst ausgerechnet hat, 33 Franken kostet, ist dem Schichtleiter Kern bei jedem Halt vor dem Kaffee automaten gegenwärtig. Erst als das System down geht, weil die Ventilation aussetzt und die elektronischen Uhren stehenbleiben, verliert der Spruch an Bedeutung. Um den Belegungsplan einzuhalten, mußte der Operator alle Tricks anwenden, die er je gelernt hat. Durch den Systemausfall wer der Streß umsonst. O Ja. Am Automaten wirst du zum Schwerarbeiter. Es ist nicht wahr, was sie dir im Grundkurs erzählt haben. Daß die Automaten die Arbeit erleichtern. Daß sie die Menschen von der Schwerarbeit befreien. Es ist nicht wahr, nein! Sie wälzen sie nur auf weniger Menschen ab. Durch die Reorganisation stieg die Rentabilität des Rechenzentrums um 30 Prozent. Dem Operator lief die Frau weg. Der Schichtleiter lebt von seiner Frau getrennt, sie hatten sich nichts mehr zu sagen. Ein Operator, während der Nachtschicht erinnert sich Kern, drehte in einer Nacht durch. Später hörte niemand mehr was von ihm.

Ein größerer Rechner würde den Konzern mehr Geld kosten als eine zusätzliche Schicht. Kern hatte auch mal mit den Linken sympathisiert Doch nun macht er Karriere. Er bemüht sich, die schwarzen Flecken in seinem Lebenslauf reinzuwaschen. Den Absprung schafft er nur - vielleicht.

1977 erschien der Roman von Emil Zopfi bei der Limmat Verlag Genossenschaft in Zürich. Der Autor war so steht es auf dem Cover - seit Abschluß des Technikums Winterthur als Ingenieur und Computerspezialist tätig. Er weiß, daß die Programmierer nur während der Nacht Rechenzeit zum Testen kriegen - und daß die Aussicht auf Geld und Aufstieg allein - die Schicht kaum erträglich machen.

Emil Zopfi: Jede Minute kostet 33 Franken, 186 Seiten, 14,50 Franken.

Limmat Verlag Genossenschaft

Wildbachstraße 48

Postfach

CH-8034 Zürich.