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13.05.1983 - 

Münchener Kreis diskutiert Strategien zur Produktivitätsverbesserung:

Mit integrierten Systemen zu neuen Büroufern

MÜNCHEN - Zum "kreativen Büroarbeiter" gehört künftig nicht nur entsprechende Vorbildung und Sachkenntnis, sondern auch der tägliche Umgang mit einer Terminaltastatur. Die in den Managementetagen herrschende Meinung, wer sich an einen Personal Computer setze, sei nicht zu Höherem berufen, ist nicht weiter haltbar - zumindest nicht mehr für die rund 350 Teilnehmer des Kongresses "Bürokommunikation - Ein Beitrag zur Produktivitätssteigerung", zu dem der "Münchener Kreis" in diesem Jahr geladen hatte.

In zahlreichen Referaten der zweitägigen Veranstaltung klang immer wieder an, wo für die Unternehmen der größte Kostenfaktor bei der Büroarbeit entsteht: auf der Ebene der Sachbearbeiter und Assistenzkräfte. Auf diese mittlere Ebene entfallen - so Professor Eberhard Witte, der Vorsitzende des "Münchener Kreises" - rund 65 Prozent der Kosten; daher gebe es hier "wahrscheinlich ein hohes Potential" für Produktivitätsverbesserungen.

Bisher sei nämlich trotz des wachsenden Einsatzes von Arbeitskräften das Bewußtsein um die Produktivität geistiger Leistung weitgehend vernachlässigt worden beziehungsweise noch ausgesprochen unterentwickelt. Im Unterschied zur Produktion habe sich Büroarbeit als "feinere Arbeit" lange Zeit jeglichen qualitativen Ansätzen zu Planung und Kontrolle entzogen. Vor allem die verbreitete Ansicht, Produktivität sei in erster Linie eine Maßgröße für das mengenmäßige Verhältnis von Erstellung und Arbeitseinsatz, habe Bemühungen verhindert, auch die "schwer meßbare Kreativität" mitzubetrachten.

Eine neue Dimension der Produktivitätssteigerung sehen Witte und die Mehrzahl der Referenten durch die Kombination von Informationsverarbeitung und Kommunikation. Statt der bisherigen isolierten Lösungen werde es in Zukunft zunehmend möglich, integrierte, multifunktionale Systeme einzusetzen. Einführungskriterium müsse dabei die Zweckorientierung der Büroleistung, das heißt ihre innerbetriebliche Nützlichkeit sein. An Stelle einer improvisierten Büroarbeit, so faßte Witte die sich am Horizont abzeichnenden Lösungen zusammen, "wird eine geplante, dokumentierte und kontrollierbare Leistung angestrebt".

Im Unterschied zu ihren deutschen Kollegen vertraten die amerikanischen Referenten die Meinung, der größte Nutzen der neuen Bürokommunikationssysteme liege in der Unterstützung des Managements, da sie Qualität und Effektivität der Entscheidungsprozesse insgesamt verbesserten.

John Diebold, Chairman der Diebold Group, Inc., verwies zum Beispiel darauf, daß eine Führungskraft rund 60 Prozent ihrer Zeit darauf verwende, Vorgesetzten, Gleichgestellten und Untergebenen Ideen mitzuteilen oder weiterzugehen. Als wichtiges Element der Büroautomation bezeichnete er deshalb die Verbesserung des Informationsflusses zum und vom Schreibtisch des Managers. Dies sei von größerem Wert als den Durchlauf von Schriftstücken zu beschleunigen.

Jacques Vallèe von der Infomedia Corporation in San Francisco betonte, seinen Erfahrungen nach liege der Vorteil neuer Bürosysteme weniger in einer Steigerung der Produktivität als vielmehr darin, unnötige Kosten bei der Informationsübermittlung zu sparen. Das Problem der Akzeptanz, in den Chefetagen hierzulande noch ein wichtiges Hemmnis bei der Einführung neuer Techniken im Büro, sei eine Frage der Zeit.

Einig waren sich Deutsche und Amerikaner wieder in zwei wesentlichen Punkten: Zum einen gehört die Integration der verschiedenen innerbetrieblichen Informationssysteme zu den vorrangigen Organisationsaufgaben der Unternehmensspitze. Zum anderen liegt die wünschenswerte Zukunft der Bürokommunikation in "offenen Kommunikationssystemen", an die Geräte verschiedener Anbieter angeschlossen werden können.

Auswirkungen der neuen Systeme auf die Arbeitsplätze gibt es nach Meinung des "Münchener Kreises" nicht. Vor der Presse betonte Dieter von Sanden, stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung und Mitglied des Siemens-Vorstandes, nachdrücklich, daß die Einführung sehr zeitaufwendig sei und etwa acht bis zehn Jahre dauere. Dies treffe dann genau mit dem Eintreten der geburtenschwachen Jahrgänge ins Arbeitsleben zusammen. Man plane keine Entlassungen, sondern wolle international konkurrenzfähig bleiben.

Gert Lorenz, Chef der Philips Kommunikations Industrie AG, Nürnberg, skizzierte ergänzend die Situation auf dem Informationssektor. Während der Weltmarkt jährlich im Schnitt um neun Prozent wachse, liege der Anteil der deutschen Produkte nur bei rund sieben Prozent. Hier gelte es, wieder aufzuholen. Nach wie vor führend sei die Bundesrepublik mit einem Exportanteil von 30 Prozent. An zweiter Stelle folge Japan mit 20 Prozent und die USA führten nur acht Prozent aus.