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21.12.1979 - 

"Die EDV steht immer mehr als Konfliktabteilung da":

Mit Karl-Heinz Aufermann, EDV-Leiter bei Deutsche Rockwool GmbH, Gladbach, sprachen Dieter Eckbauer und Manfred Hasenbeck

Herr Aufermann, müssen wir heute noch darüber diskutieren, ob für den EDV-Mann die Datenverarbeitung Selbstzweck ist oder ob sie als Dienstleistung gesehen wird?

Diesen alten Begriff "Dienstleistungs- und Service-Betrieb" kann man vergessen - das ist Hollerith. Die EDV-Abteilung der achtziger Jahre ist eine Management-Abteilung, besser gesagt eine Management-Informationsabteilung.

* Glauben Sie denn, daß das Management in der Tat für EDV-Probleme bereits so aufgeschlossen ist, daß die EDV diese Funktion erfüllen kann, nämlich der Unternehmensführung zuzuarbeiten, Entscheidungshilfen zu liefern?

Grundsätzlich werde ich nein dazu sagen. Aber das klassische Bild des EDV-Mannes, des EDV-Spezialisten beginnt sich zu ändern. Ich meine, es gibt den EDV-Typus in den 80er Jahren als System-Manager, die Technologie zwingt ihn dazu. Der EDV-Mann, der sich nicht als System-Manager versteht, der hat die Entwicklung der letzten zwei Jahre in seinem Unternehmen verpennt. Der hat auch das Angebot an sein Management in den letzten zwei Jahren nicht gemacht - und ich meine, '78/'79 war die Angebotsphase. Dadurch, daß die Computer-Hersteller ihre Hardwarepreise gesenkt haben und in den Medien, im ZDF mit Mainzelmännchen, in Zeitschriften und Publikationen bis hin zur Bild-Zeitung, Werbung machen, ist jedem Manager auf einmal bewußt geworden: "Moment mal, meine EDV darf eigentlich gar nicht mehr so viel kosten." Daraus resultiert ein gespaltenes Verhältnis zwischen EDV und Management im Unternehmen. Und wenn die EDV-Abteilung ihre Top-Qualifikation nicht, bewiesen und keine fachliche Anerkennung im Unternehmensverbund gefunden hat, dann ist sie out. Ich behaupte also, daß es diese Leute in Zukunft im Unternehmensverbund schwer haben werden, das kann bis zum Personalaustausch gehen.

* Die Werbung wird zwar gemacht, aber die Frage war: Ist sie wirklich schon bis zum Management vorgedrungen?

Nein, sie ist nicht bis zum Management vorgedrungen; es liegt nach wie vor am EDV-Spezialisten. Er ist in der Zwangslage, die neue Technik, neue Hardware und das neue Software-Angebot nutzen zu müssen, Dazu braucht er im Unternehmensverbund die zweite Unterschrift auf irgendeinem Vertrag mit irgendeinem Computer-Hersteller. Er braucht also seinen Unternehmensmanager dazu. Fazit: Er muß eine persönliche unternehmenspolitische Werbekampagne starten; er muß Public relations im eigenen Unternehmen machen.

* Aber ist es nicht immer noch so, daß der Manager dem EDV-Mann mehr oder weniger blind vertraut, daß er eben seinen "Kaiser Wilhelm" unter Verträge setzt, ohne die Dinge wirklich prüfen zu können?

Da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Das Management vertraut dem EDV-Leiter und den EDV-Spezialisten nicht mehr blind. Auch wenn die EDV-Crew hochkommt zum Management, gibt es Ressentiments, diese zurückhaltende Art vom Unternehmensmanagement, daß man also nicht mehr so offen mit seinen EDV-Leuten sprechen will. Man ist unsicher geworden: Die EDV-Leute kommen, wollen neue Technologien haben, wollen dies und jenes haben, und man glaubt ihnen nicht. Das Management hält das, was wir sagen, für utopisch. Das ist eine neue Dimension, eine neue Welt, die wir auftun. Aber das Management glaubt uns eben nicht mehr blind, diese Zeit ist vorbei.

* Warum ist es zu dieser Zwangslage gekommen? Waren vielleicht die Leistungen der EDV nicht so, daß bei den Unternehmensleitungen Vertrauen aufgebaut werden konnte?

Wir bekommen junge Sachbearbeiter, junge Manager in die mittleren Führungsschichten im Unternehmensverbund. Junge Leute, die ein Allgemeinverständnis von EDV haben - so steht die EDV noch mehr als bisher als Konfliktabteilung da. Dadurch, daß im mittleren Management des Unternehmens das Gebrodel gegen die EDV anfängt, kommt es, daß alte Anwendungen, althergebrachte Unternehmensphilosophien, die durch den Computer gelöst werden, als Klotz am Bein mitgeschleppt werden müssen. Man will sich davon trennen, aber das Management glaubt dem EDV-Spezialisten einfach nicht, daß er das über Nacht neu machen kann. Das hat zehn Jahre funktioniert, warum will der das über Nacht ändern? So fragen die Manager dann.

* Und dagegen ist kein Kraut gewachsen?

Wir EDV-Manager bewegen uns zur Zeit in einer Welt, in der wir Schwierigkeiten haben, für uns Publicity zu machen. Wir wissen nicht, wie wir uns gegenüber unseren Managern verkaufen sollen. Wir haben jetzt eine neue Philosophie, die uns die Computer-Hersteller durch die neuen Techniken aufdrängen. Wir haben das Problem, daß wir nicht für uns Public relations machen können. Wir müssen das lernen, genau wie wir es damals gelernt haben, bei der Umstellung von der 1401 auf die 370. Das hat auch von '68 bis '70 gedauert, zwei Jahre.

* Herr Aufermann, kann man es so sagen: Beim Management ist die DV-Euphorie beziehungsweise die Angst vor der Datenverarbeitung einer realistischen Einstellung gewichen. Man sieht die Dinge nüchtern.

Man teilt nicht mehr unsere Euphorie. Früher hatte man Angst vor den EDV-Managern: Wenn der kündigt, was passiert dann? Aber dies ist vorbei. Es gibt zwar noch offene Arbeitsplätze - wir haben noch kein EDV-Personal auf dem Arbeitsmarkt -, aber man sagt sich: Ich brauche nur ein oder zwei Spezialisten, ich brauche nicht mehr eine ganze Abteilung Spezialisten. Die neue Technik läßt es zu, daß ich einen Top-Mann habe, der das EDV-Management beherrscht, zwei Systemmanager, und dann brauche ich nur noch eine kleine Crew, die die Verwaltungsarbeiten in der EDV macht. Mit anderen Worten: Der Heiligenschein um die EDV-Leute herum, der ist gewichen, das glaube ich schon.

* Wie kann sich denn nun der EDV-Leiter absichern, auch in den 80er Jahren von seiner Qualifikation her gefragt zu sein?

Das ist eine schwerwiegende Frage. Da gibt es drei Sachen. Selbstverständlich ist erst einmal eine Top-Qualifikation. Top-Qualifikation bedeutet für mich als EDV-Leiter heute, die Hardware managen zu können, den Markt zu kennen, mit den Herstellern verhandeln zu können. Die Kompetenz bleibt nach wie vor, nur ist es jetzt schwerer, die zweite Unterschrift zu bekommen. Das heißt, ich muß fachliche Anerkennung auch außerhalb meiner EDV-Abteilung suchen. Wenn ich die nicht habe, dann bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich sagen würde, ich gehe; denn ich glaube, diesen Minuspunkt kann ein EDV-Leiter gar nicht mehr wettmachen.

* Sie sprachen von drei Punkten ...

Der zweite Punkt ist die Zufriedenheit - und dazu zählt eben auch die Bezahlung. Heute verdienen Top-EDV-Manager durchschnittlich 100 000 bis 150 000 Mark. Sie werden auch abgeworben, egal mit welchen Mitteln. Die Unternehmensberater sind hinter Top-EDV-Managern her.

* Stichwort: zweite Unterschrift. Die Hersteller haben seit Jahren das Management hofiert - über den Kopf des EDV-Mannes hinweg Muß nicht der EDV-Mann sauer sein auf die Hersteller, daß er hier ein bißchen ausgetrickst wurde?

Grundsätzlich ja, obwohl ich selbst diese Phase noch nie mitgemacht habe. Ich habe sie deshalb noch nicht mitgemacht, weil ich mich dem Computer-Hersteller gegenüber stark genug fühle, egal mit welcher Qualifikation der kommt und egal welcher Computer-Hersteller es ist. Das ist auch mein Job.

* Sehen das alle EDV-Leiter so wie Sie?

Nein, es ist richtig, daß man grundsätzlich davon ausgehen kann, daß die meisten EDV-Manager um diese Anerkennung noch kämpfen müssen und daß die permanent auch vom Computer-Hersteller übergangen werden; der Computer-Hersteller geht also zuerst zur Geschäftsführung und dann erst zum EDV-Leiter - anstatt umgekehrt.

* ... und neuerdings auch zum Fachabteilungs-Fürsten, um dem ein dezentrales System zu verklickern.

Das ist auch ein neuer Trend, den ich genauestens beobachte und den ich auch genauestens im Griff habe. Es ist richtig, daß die Computer-Hersteller mit ihren Kleinstcomputern, arbeitsplatzorientierten Computern, Distributed Processing-Computern - egal welches Schlagwort der Hersteller nimmt - an den Fachabteilungsleiter herangeht.

* Sie -fühlen sich also stark genug, um dem Hersteller dann noch in die Suppe spucken zu können?

Ganz knallhart. Den Ton der EDV-Musik gibt nun mal der EDV-Manager an, auch im Unternehmensverbund.

* Und Ihrer Meinung nach auch in den 80er Jahren?

In den 80er Jahren eher noch stärker.

* Vorausgesetzt, er paßt sich der neuen Entwicklung an ...

Wenn er sich nicht anpaßt, dann geht der Weg an ihm vorbei.

* Halten Sie es nicht schlichtweg für unmöglich, die Entwicklungen in der Datenverarbeitung heute noch a) im einzelnen zu verfolgen und b) auch noch beurteilen zu können? Ist das nicht zuviel, was da auf den EDV-Leiter zukommt?

Richtig. Als ich vor zwölf Jahren angefangen habe, in der Datenverarbeitung, war ich 22. Da war ich beweglicher im Denken, ich war beweglicher, die neue Generation mitzumachen. Aber ich sehe heute einfach die Notwendigkeit, wenn ich Topmann sein will, wenn ich, gegenüber dem Markt, Topmann bleiben will, dann muß ich genauso beweglich sein. Ich muß also meinen Grips anstrengen. Wenn ich das nicht will, dann muß ich woanders hingehen, in den alten Beruf rein. Viele EDV-Leute verstehen ihren Job heute nicht mehr richtig, die glauben immer noch, mit einem Jahr Ausbildung kann ich zwei Jahre leben - die Zeiten sind vorbei.

Karl-Heinz Aufermann, 34

trat nach erfolgreichem Besuch der Bundesfachschule für Datenverarbeitung im Jahre 1969 eine Tätigkeit als Junior-Programmierer bei den Volkswohl-Bund-Versicherungen an. 1970 wechselte der gebürtige Dortmunder als Organisations-Programmierer zur Westfälischen Drahtindustrie nach Hamm. Nach fünfjähriger Unternehmenszugehörigkeit ging Aufermann als EDV-Leiter zur Deutschen Rockwool Mineralöl GmbH, Neuss, wo er heute mit 16 Mitarbeitern und einer IBM/3-15d die DV-Belange des Konzerns vertritt.