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07.03.1997 - 

Konzentration im europäischen PC-Standardsoftware-Geschäft

Mit KHK kauft Sage deutsche Marktpräsenz

Sages erster Schritt in den deutschsprachigen Raum sollte offenbar nicht zu kurz geraten - 110 Millionen Mark zahlte der in Newcastle ansässige Konzern für KHK und deren Töchter in Österreich und der Schweiz. Man habe sich auf dem hiesigen Markt für PC-basierte Finanzbuchhaltung einen Branchenriesen herausgepickt, der im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten überregional präsent ist, so die Briten. An der Firmen- und Vertriebsstruktur soll sich durch die Übernahme nichts ändern, die KHK-Vorstände Karl-Heinz Killeit und Klaus Wecken bleiben im Amt.

Mit diesem Argument will KHK vor allem die Händler beschwichtigen, über die beide Hersteller ihre Geschäfte abwickeln. Während Sage jedoch ausschließlich Einzellizenzen verkauft, möchte KHK weiterhin Kopierlizenzen anbieten, die von Entwicklungspartnern einmalig erworben und dann beliebig für eigene Lösungen verwendet werden können.

Die Erklärung der Briten, die neue Tochter werde allmählich auf das Vertriebsmodell der Mutter einschwenken, rückt KHK-Pressesprecher Kurt-Christian Tennstädt ins rechte Licht: Für die Einstiegsprodukte der "Euro-Line" gebe es ohnehin schon Einzellizenzen, nun sei erstmals geplant, das für diesen Sommer vorgesehene Upgrade der "Classic-Line" von DOS nach Windows 95 ebenfalls in dieser Lizenzform anzubieten.

Neben der international verstärkten Marktpräsenz erwarten sich Mutter und Tochter durch den Merger langfristige Synergieeffekte. Das DOS- und Windows-Produktspektrum ist bei beiden Herstellern sehr ähnlich und reicht von einfachen Buchhaltungs- und Lohnprogrammen bis hin zu individuell konfigurierbaren betriebswirtschaftlichen Lösungen für den Mittelstand. Gemeinsame Entwicklungen kann sich Tennstädt allerdings nur in Kernbereichen der Software etwa in Form eines universellen, auf nationale Belange parametrisierbaren Buchungsautomaten vorstellen. Anwendungen beispielsweise mit steuerlichen Aspekten seien dagegen zwangsläufig länderspezifisch, so daß eine Internationalisierung nicht sinnvoll erscheine.

Hinsichtlich des Umsatzes bestätigen die Zahlen, daß sich zwei Branchengrößen zusammengeschlossen haben. KHK erwirtschaftete im vergangenen Jahr 80 Millionen Mark, die an der Londoner Börse notierte Sage Group rund 370 Millionen Mark. Zum Vergleich: Die ebenfalls in diesem Produktsegment expandierende Exact BV kam 1995 lediglich auf 120 Millionen Mark.

Der Merger widerspricht jedoch den ursprünglichen KHK-Plänen. Noch vor wenigen Jahren suchten die Frankfurter einen ausländischen Kapitalgeber, um selbst durch Akquisition einen europäischen Konzern aufzubauen. Daraus wurde nichts - die Finanzdecke blieb für Übernahmen offensichtlich zu dünn. Genau dies ist laut Helmut Gümbel, Chefanalyst der Münchner Strategy Partners, das Problem kleinerer Softwarehäuser, die mit ihren Produkten auf internationalem Parkett tanzen wollen. Die Konsolidierung unter den kleinen Anbietern sei weit weniger fort- geschritten als bei den Global Playern, werde aber in den kommenden zwei Jahren voll durchschlagen - Sage und Exact sind hierfür Beispiele.

Ob nun Sage oder Exact das europäische Rennen gewinnen wird, möchte Gümbel allerdings noch nicht prognostizieren. Auch wenn sich Sage mit dem KHK-Deal vordergründig die stärkere Marktpräsenz erkauft hat, beginnen die eigentlichen Aufgaben nach Meinung des Analysten erst jetzt. Die Nachfrage nach europaweit einsetzbaren Lösungen sei mittlerweile auch in kleineren Betrieben derart groß, daß beide Konzerne ihr jeweiliges Produktspektrum möglichst rasch verschmelzen müßten. Angesichts des Jahrtausendwechsels und der Euro-Einführung hätte die Sage-KHK-Aktion schon vor zwei Jahren stattfinden müssen.