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Strategen erwarten großen Anwender-Nutzen von der Liberalisierung des Postwesens:

Mit Mehrwertdiensten die Informationsflut kanalisieren

09.06.1989

Der Markt für Mehrwertdienste in der Bundesrepublik vegetierte bislang vor sich hin. Das soll sich ändern. Die Initialzündung in Sachen mehr Wettbewerb bei Value-Added-Services wird von der am 1. Juli in Kraft tretenden Postreform erwartet. Als großen Nutznießer sehen die Strategen schon heute den Anwender. Hauptargument: Der Wettbewerb der VAN-Betreiber wird sich positiv auf den Geldbeutel des Kunden auswirken. Neben der Wirtschaftlichkeit werden als weitere Pluspunkte angeführt: die zentrale Koordination auf der Netzwerkebene, keine Änderung der Hard- und Software, die Unterstützung nur eines Protokolls, Gateways der Anbieter von X.400 zu anderen Telematikdiensten, die dem Anwender Investitionen ersparen, und last, but not least die kundenorientierte Flexibilität. Bis alles so kommt, wie es sich die "Reformer" ausmalen, werden noch viele Bits die Postleitungen durchfließen. Denn fest steht auch, daß VANs noch Schwachpunkte aufweisen. So bemängeln die Anwender die fehlende Datenkontrolle, zeitliche Verzögerungen, die Untauglichkeit für Just-in-Time-Anwendungen, fehlende Brücken zu anderen Value-Added-Service-Anbietern und vor allem den Ausschluß der Sprachkommunikation aufgrund des Post-Monopols.

Clemens Keil

Leiter Organisation und Datenverarbeitung OSRAM GmbH, München

Das Unternehmen OSRAM bedient sich aus verschiedenen Gründen privater Value-Added-Service-Anbieter. Im Vordergrund steht der Vorteil, einen zentralen Ansprechpartner zu haben, der Koordinationsaufgaben auf der Netzebene mit zahlreichen Postgesellschaften übernimmt. Insoweit könnte man von "horizontaler Integration sprechen.

Daneben bieten private Value-Added-Service-Anbieter auch "vertikale Integrationslösungen" dergestalt an, daß sie verfahrensspezifische Anwendungen im Netz betreiben. Als Stichwort sind zu nennen der normierte elektronische Datenaustausch sowohl mit Kunden, Lieferanten und Spediteuren als auch mit der Außendienstorganisation, mit Warenverteilzentren und Tochtergesellschaften insbesondere als Bestandteil von integrierten Logistiksystemen.

Derartige Kommunikationslösungen aus einer Hand erhalten zu können, ist für die Steuerung eines auf internationale Märkte ausgerichteten Unternehmens wie OSRAM von großer Bedeutung. Wichtig ist dabei die Zuverlässigkeit des Value-Added-Service-Anbieters, die Verfügbarkeit seiner Dienstleistungen und seine kundenorientierte Flexibilität.

Carl Marquart

zuständig für EDI-Service, Informationsverarbeitungssysteme, Volkswagen AG, Wolfsburg

Die Volkswagen AG betreibt seit 1978 elektronischen Datenaustausch mit Geschäftspartnern. Der Kommunikation mit Zulieferern kommt dabei eine besondere Bedeutung im Hinblick auf einen beschleunigten Informations- und Materialfluß zu. Diese Kommunikationsbeziehungen werden über öffentliche Postnetze (Fernsprechnetz, Datex-L, Datex-P) in direkten Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit den Geschäftspartnern abgewickelt.

Seit einiger Zeit kommen die sogenannten Mehrwertdienste (Value-Added-Services) immer mehr in die Diskussion, weil sie versprechen, die Flut der Kommunikationsbeziehungen, die insbesondere bei großen Konzernen vorhanden ist, zu kanalisieren. Die Kommunikation erfolgt hierbei über ein VAN (Value Added Network) eines oder mehrerer privater Netzanbieter. Der Datenaustausch zwischen den Partnern geschieht nicht direkt sondern in jeweils zwei Schritten. Der Sender hat zunächst die Daten dem Netzanbieter zur Verfügung zu stellen. Im zweiten Schritt werden sie vom Empfänger abgerufen.

Der wichtigste Vorteil eines VAN liegt darin, daß jeder Kunde nur eine Netzverbindung und damit auch nur ein Kommunikationsprotokoll unterstützen muß. Darüber hinaus können besondere Dienste des Netzanbieters - zum Beispiel Formatumsetzungen - ohne besonderen Aufwand genutzt werden.

Nachteil von VANs gegenüber Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ist zunächst einmal die fehlende Ende-zu-Ende-Kontrolle - der Sender der Daten weiß nicht unmittelbar, ob und wann der Empfänger die Daten erhalten hat, da der Empfänger die Daten erst mit zeitlicher Verzögerung vom Dienstanbieter abruft. Diese Verzögerung durch den Dienstanbieter bedingt auch, daß dieses Verfahren ungeeignet für zeitkritische Anwendungen (Just-in-Time) ist.

Hinzu kommt noch, daß mehrere Dienstanbieter am Markt sind, Brücken zwischen ihnen jedoch fehlen. Zuletzt sei noch das Kostenargument genannt, das bei großen Datenmengen, wie bei der Übertragung von CAD-Daten, ein ganz besonderes Gewicht erhält.

Unter Abwägung des Für und Wider kommt VW zu der Auffassung, daß in der überwiegenden Zahl der Fälle die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen vorzuziehen sind. Unser Informations-Service arbeitet als "VAN-Anbieter" im eigenen Haus. Allerdings sehen wir eine Nutzungsmöglichkeit der VANs für die Kommunikation mit der großen Zahl der sehr kleinen Geschäftspartner mit geringem, zeitunkritischem Übertragungsvolumen und auch für Verbindungen in "exotische" Länder, in denen "normale" Postdienste - wie X.25 - nicht oder nur in schlechter Qualität verfügbar sind.

Die wichtigste Frage für Volkswagen ist nicht: "Private Dienstanbieter ja oder nein?, sondern die Einhaltung internationaler und nationaler Normen beziehungsweise Standards. Für das vorliegende Thema bedeutet das die Ermöglichung einer "Offenen Kommunikation" nach den internationalen (ODETTE) und nationalen (VDA) Regeln. Die offene Kommunikation wird nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten (Automobilhersteller) bereit sind, diese Standards durchgängig einzusetzen. Der Markt wird dann dafür sorgen, daß sich die besten Lösungen durchsetzen.

Horst Schäfers

Referatsleiter Kommunikationstechnik Westdeutsche Landesbank, Düsseldorf

Was in anderen Ländern seit Jahren bereits realisierte Praxis ist, nämlich private Netze mit privaten Mehwertungsdiensten in beliebiger Konfiguration nutzen zu können ist nun auch in der Bundesrepublik Deutschland durch die Liberalisierung im Fernmeldewesen mit Einschränkungen möglich.

Mit dem Wegfall des Paragraphen 6.6 der Direktrufordnung war der erste Schritt getan die Kommunikationsnetze auch für Mehrwertdienste den Privatanbietern, die immer stärker in den Markt drängen, zu öffnen.

Damit steht nun auch dem deutschen Anwender die Möglichkeit offen, seinen Kommunikationsbedarf durch verschiedene Anbieter von Mehrwertdiensten decken zu lassen. Von der Möglichkeit der Datentransporte in gesicherten Netzwerken bis hin zu Spezialanwendungen in privaten Datenbanken ist bereits ein breitgefächertes Angebot auf dem Markt. Welche wirtschaftlichen Möglichkeiten in solchen Dienstleistungen stecken, ist am besten im Ausland wie in den USA, Japan und Großbritannien zu betrachten.

So erfreulich diese Entwicklung auch ist, so bleiben letztendlich doch die Restriktionen in dem wichtigen Bereich der Sprachkommunikation erhalten. Die sinnvolle Integration von Sprache, Daten, Bild und Text, die überall propagiert wird, wird bei den Mehrwertdiensten durch den Hemmschuh gebremst, daß das Sprachmonopol auch in der Zukunft bestehen bleibt. Die optimale Nutzung von Mehrwertdiensten und Ressourcen-Sharing der Netze erfordert es allerdings, daß auch die Sprache als integrativer Bestandteil der Gesamtkommunikation mit einbezogen wird. Denn erst dadurch wird der volle wirtschaftliche Effekt erreicht, der mit der multifunktionalen Nutzung der unterschiedlichen Medien versprochen worden ist.

Für den Nutzer von Kommunikationsnetzen in der Bundesrepublik Deutschland ist es deshalb um so unverständlicher, wie das Dienste-Angebot -im ISDN unter der Prämisse, daß die Sprache im Monopolbereich verbleibt, funktionieren soll. Da auch die Sprache im digitalen Bereich nicht nur eine andere Form von Daten ist, wird sich die Entwicklung langfristig nicht aufhalten lassen, hier eine Öffnung für die Sprachanwendungen gemischt mit Datenanwendungen zu schaffen. Denn nur eine Mischung aus öffentlichem Netz und privatem Netz führt zu wirtschaftlichen Lösungen.

Dirk Nouvortne

Leiter Bürokommunikation, Gerling AG, Köln

Mit fortschreitender Liberalisierung des bundesdeutschen Postwesens, die ursächlich mit der Angleichung der PTT-Gesetzgebung in der EG zu sehen ist, entsteht ein Markt für Telekommunikationsleistungen, die als "Mehrwertdienste" oder Value-Added-Services" (VAS) bezeichnet werden. So treten verstärkt private Anbieter von VAS in der berechtigten Annahme auf, daß sich hier zukünftig entsprechende Marktchancen entwickeln.

Neben den Herstellerfirmen IBM und Siemens haben auch Unternehmen der Versicherungsbranche mit "Meganet" ein entsprechendes Netz aufgebaut. Zunächst sind es vor allem netznahe Dienste (Value-Added-Network-Services-VAN), die potentiellen Nutzern angeboten werden. Sicherheit und Wirtschaftlichkeit stehen dabei im Mittelpunkt. Beide Eigenschaften sollten für Anwender Grund sein, sich mit dem Anwendungsspektrum von Netzbetreibern auseinanderzusetzen.

"Sicherheit" steht für ein professionell betriebenes Netzwerkmanagement, in dein eine Online-Überwachung der Leitungen so selbstverständlich ist wie ein 24-Stunden-Hot-Line-Service - der von der DBP selbst nicht gewährleistet werden kann, eine zentrale Koordination bei Entstörungsmaßnahmen, eine zentrale Verwaltung der Hardware-Ressourcen (beispielsweise der Netzknoten) sowie die zentrale Koordination mit der DBP-Telekom. Oftmals handelt es sich hier um Dienstleistungen, die für ein einzelnes Unternehmen hohe Kosten sowie spezielles Know-how voraussetzen, die durch einen entsprechenden Dienstanbieter entfallen.

Ein besonderer Sicherheitsaspekt liegt in der Erhöhung der Verfügbarkeit. So bieten mehrere VAN-Betreiber über eine redundante Leitungsführung mit der Möglichkeit alternativen Routens und dem Auffangen von Lastspitzen durch Leistungsreserven jedem Anwender ein Maximum an Übertragungssicherheit, da über ein verzögerungsfreies Umschalten auf freie Leitungswege für den Nutzer keine Rückwirkungen bei Leitungsausfällen auftreten.

Betriebswirtschaftlich sind VAN-Anbieter in zweifacher Hinsicht interessant:

- keine Umstellungskosten

- Zukunftssicherheit (VAS).

Die unterschiedlichen VAN-Anbieter sind vor allem über die Ausnutzung der Tarifarbitrage (eine Art Mengenrabatt) in der Lage, den jeweiligen Nutzern zum Teil erhebliche Vergünstigungen bei den Datenübertragungskosten einzuräumen. Noch interessanter wird dies, wenn Nutzern eine transparente Einbindung in das VAN geboten wird. Eine Nutzung des VAN-Dienstes zieht keine Hard- und Softwareänderungen nach sich.

Neben den netznahen Diensten sind vor allem VAS für den Anwender von Interesse. Mail-Systeme mit X.400 Schnittstelle unter Beibehaltung hausinterner Mailboxoberflächen und Gateways zu den anderen Telematikdiensten wie Fax, Telex und Teletex, Zugriff auf externe Datenbanken, EDIFACT-Service (inklusive Konvertierungsleistungen), X.500-Auskunftsservices, Bildkommunikationsanwendungen Clearing House-Anwendungen etc. sollten für einen Netzbetreiber selbstverständlich sein und einen Nutzer von individuellen Investitionen entbinden.

Auch das Thema ISDN ist von einem Netzbetreiber zu beachten. Daß hiermit zugleich die Abwicklung der Sprachkommunikation ein wirtschaftlich interessantes Angebot von einem VAN-Betreiber werden kann, ist unstrittig. Leider gibt es hier zur Zeit noch rechtliche Restriktionen, die jedoch im Zuge weiterer Liberalisierung auf Dauer nicht aufrechterhalten werden können.

Natürlich kann die DBP/Telekom durchaus an der Gebührenschraube drehen, wodurch sich die Relationen verändern können. Jedoch ist zu beachten, daß ein VAN-Betreiber über die Fülle von VAS immer in der Lage ist, individuelle Services für Nutzer anzubieten, die eine PTT bereitzustellen nicht in der Lage ist. Aus diesem Grunde ist es wert, sich mit dem Angebot von VAN-Betreibern auseinanderzusetzen.