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21.10.1988 - 

Nach dem Rauswurf aus Hannover wählten die Büromöbelleute Köln als neuen Messeplatz, Teil 2:

Mit Mikro und MDT wurde Orgatechnik zu nationalen DV-Messe aufgemöbelt

Die Premiere fand an einem Dienstag im Herbst statt: Am 19. Oktober 1976 veranstaltete die Kölner Messegesellschaft erstmals eine Orgatechnik, in der neben der Büromaschinen- und -artikelbranche auch die gesamte Büromöbelindustrie mit von der Partie war. Inzwischen gehört die Veranstaltung in der Domstadt zu den drei großen DV-Messen in der Bundesrepublik Deutschland. Dennoch plagen auch die Kölner Messestrategen Probleme: Das Messegelände platzt aus allen Nähten, das Ausstellungsangebot ist fast unüberschaubar geworden. CW-Redakteurin Beate Kneuse zeigt die Entwicklung der Orgatechnik in einer zweiteiligen Artikelserie auf.

1984 aber wurde die seriöse Bürowelt sehr unsanft aus ihrem betulichen Dasein gerissen. Die ersten Personal Computer, die sich in jener Zeit kaum von den Homecomputern unterschieden und die sich anschickten, zu dem Konsumartikel der achtziger Jahre zu werden, stürmten die Orgatechnik - und mit ihnen die jugendlichen Computerfans. Glitter und Glamour beherrschten die Stände der PC-Hersteller, und grelle Lasershows erinnerten den Besucher eher an Krieg der Sterne als an eine Bürofachmesse. Diesem Zirkus setzte ein PC-Hersteller die Krone auf: Apple Computer, US-Pinonier in Sachen Personal Computer (Firmengründer Steven Jobs entwickelte seinen ersten PC in einer Garage), mietete gleich eine ganze Halle und veranstaltete auf 6000 Quadratmetern sechs Tage lang parallel zur Orgatechnik seine eigene Messe, die "Apple-Expo".

Für die jugendlichen Computerfreaks war die Halle 8 vom ersten Tag an ein wahres Eldorado, denn dort regierte das lockere "american way of life". Auf einer Aktionsbühne im Mittelpunkt der Halle wurde nonstop eine "Spiel-Spaß-Spannung-Show" abgespult, deren Programm von Modenschau und Showmasterscherzen über Computermusik bis hin zu Zaubertricks ging. Den Rest der Halle belegten an die 100 Apple-Händler, Softwarehäuser und Verlage auf rund 60 Ständen, wo man die diversen Apple-PCs, auch den neuen Mac, gleich kaufen konnte.

Gerade dieser Verkaufscharakter, den diese Veranstaltung einnahm, war den Kölner Messemachern jedoch ein Dorn im Auge. Da die Orgatechnik eine reine Ordermesse ist, verboten sie den Apple-Leuten jegliche Werbung für ihre Verkaufsmesse in den anderen Hallen. Die Expo-Organisatoren indes nicht dumm, schickten Studenten und Schüler durch die übrigen Hallen, die mit entsprechend bunten Aufdrucken auf ihren weißen Overalls auf die Veranstaltung in Halle 8 hinwiesen. Außerdem verbreitete sich das Stattfinden dieses Spektakels bereits am ersten Tag wie ein Lauffeuer unter den Besuchern der Orgatechnik, so daß eine zusätzliche Werbung gar nicht mehr nötig gewesen wäre.

Doch es gab noch mehr Ärger. Orgatechnik und Apple-Expo waren räumlich nur sehr unzureichend voneinander abgetrennt. Von der Halle 9 führte über eine langgezogene Passage der direkte Weg zur Halle 8. Dadurch zogen die Besucher scharenweise durch die Halle 9 zum Apple-Spektakel - sehr zum Unwillen der dort beherbergten Aussteller. Höchst verärgert erklärte Hendrik Geissler, damals Geschäftsführer der noch jungen Compaq Deutschland, die eben in jener Halle 9 einen mehr als ungünstigen Platz erwischt hatte: "Man kommt sich hier vor wie auf einem Rummelplatz. Vernünftige Gespräche sind kaum möglich." Nach zahlreichen Protesten versuchte die Messegesellschaft, Abhilfe zu schaffen, indem man auf der Passage zwischen Halle 8 und Halle 9 Eintritt für die Apple-Expo erhob. Doch dem Besucherandrang tat dies kaum Abbruch. Die Halle 9 blieb zur "Durchgangszone" degradiert.

Am Ende der Expo hatte Apple jedenfalls ausreichend Grund zum Jubeln. 70 000 Menschen waren zu diesem "Marketing-Spektakel" gekommen, das sich der PC-Pionier an die 3,5 Millionen Mark hatte kosten lassen. Einen Besucherrekord indes konnten auch die Kölner Messestrategen verzeichnen. 140 665 Menschen besuchten 1984 die Orgatechnik. Großen Anteil daran hatten die PC-Anbieter. Denn selbst die Apple-Konkurrenten, die in den anderen Hallen auf ihren "normalen" Ständen saßen und den Zirkus in Halle 8 nicht wenig verwünschten, konnten sich über mangelndes Interesse seitens der Besucher nicht beklagen. Die Stände von Commodore, Atari, Sinclair, Schneider und wie sie alle hießen, erlebten während der gesamten Messe einen wahren Belagerungszustand. Die aufgebauten PCs zum Testen und Spielen zogen die Jugendlichen magnetisch an, das Standpersonal war im Dauerstreß und fand nicht eine Minute Ruhe vor der Wißbegierde der jungen Freaks.

Büro-Business wird zum Show-Business

Manchem Besucher ist diese denkwürdige Orgatechnik 1984 in guter Erinnerung geblieben. Gerhard Karck: "Durch den Siegeszug der PCs, der Jubel, Trubel, Heiterkeit mit in jede DV-Messe brachte, bekam auch die seriöse Möbel- und DV-Welt auf der Orgatechnik einen Knacks." Stimmt Rainer Sitzmann zu: "Die PC-Anbieter machten aus dem Büro-Business auf der Orgatechnik ein Show-Business." Wolfhorst Wehr: "1984 war sicherlich ein Extremjahr, in dem die Computer-Kids und -Freaks das Kölner Messegelände nur so stürmten. Inzwischen aber haben wir den Bürofachbesucher wieder zurückholen und in den Mittelpunkt stellen können." Konkret zur Apple-Expo befragt, hält sich der Geschäftsführer des Verbandes der Büromöbelindustrie bedeckt: "Wenn andere Aussteller mit zusätzlichen Attraktionen werben, dann halten wir das für messegemäß."

Büromesse sprengt die Bahnlinie

Bislang hat sich ein solches Ereignis während der Internationalen Büromesse in Köln nicht wiederholt. Zudem werden auch von den PC-Anbietern längst wieder gemäßigtere Töne angeschlagen; nicht zuletzt dadurch bedingt, daß die Personal Computer mittlerweile überwiegend professionellen Status haben. Jetzt informieren sich die DV-Experten über die neuesten Möglichkeiten mit dem PC, die Zahl der jugendlichen Freaks ist auf ein Normalmaß zurückgegangen. Schon auf der Orgatechnik 1986 herrschte wieder eine eher gediegene Atmosphäre - Glimmer und Glamour sowie monströse Lasershows gehörten weitgehend der Vergangenheit an. Selbst Anbie-ter wie Commodore oder Atari versuchten, das Spielcomputer-Image abzulegen und paßten sich mit ihren Ständen den üblichen Gepflogenheiten an.

Weniger erfreulich für den Besucher war indes 1986 die flächenmäßige Anpassung der Orgatechnik an die CeBIT und die Systems. Erstmals nämlich hatte die Köln Messe den Ausstellern auch den Rest des Messegeländes, also die gesamten Rheinhallen, zur Verfügung gestellt. Einzige Ausnahme: Die Halle 5 blieb unbelegt. Dadurch war die Brutto-Ausstellungsfläche auf 220 000 Quadratmeter gewachsen. Nach Hannover und München mußte sich somit auch Köln das Attribut der "Messe der langen Wege" gefallen lassen. Bequemes Schuhwerk war für alle Besucher oberstes Gebot.

Hans Wilke erklärte dazu im Vorfeld der Orgatechnik 1986, man habe einerseits der Anfrage neuer Aussteller Rechnung tragen müssen, andererseits hätten viele Unternehmen auf eine Erweiterung ihrer Stände gedrängt. Diesen Argumenten entgegnet Sitzmann: "Wenn eine Messegesellschaft meint, sie müßte jeden nur möglichen Quadratmeter vermieten, dann soll sie das tun. Doch sie muß sich auch darüber im klaren sein, daß die Qualität der Messe leidet. Und auch der Adressat dieser Messe - nämlich der Besucher." Insgesamt brachten die Kölner Messeprofis an die 1800 Aussteller auf der vergangenen Orgatechnik unter.

Ausstellungsangebot ufert immer mehr aus...

Was jedoch fehlte - und von den Besuchern zum Teil heftig kritisiert wurde -, war eine klar durchgängige, übersichtliche Struktur. Bereits 1984 hatte sich abgezeichnet, daß sich auch das Konzept der Orgatechnik (ähnlich wie das der Münchener Systems) zu verwässern begann. Die Anbieter der informationstechnischen Erzeugnisse belegten die Messe in der Domstadt inzwischen mit Beschlag und brachten ein immer umfangreicheres Produktspektrum mit nach Köln. Konzeptionelle Experimente der Domstädter Messestrategen - sie versuchten ähnlich wie in den siebziger Jahren ganzheitliche Büros darzustellen, dadurch fehlte es an einer klaren Abgrenzung der einzelnen Produktgruppen - und die extrem hohe Ausstellungsfläche machten die Unübersichtlichkeit perfekt. In trautem Durcheinander tummelten sich Büroeinrichter, Organisationsmittel-Aussteller, PC-Hersteller, CAD/CAM-Anbieter, Produzenten von Mikrofilmsystemen, Textverarbeiter, DV-Dienst-leistungsanbieter, Druckerhersteller und - nicht zu vergessen - die Produzenten von Kommunikationssystemen. Nicht wenige Aussteller kamen sich mit ihren Ständen etwas deplaziert vor. Bringt Rainer Sitzmann auf den Punkt: "Das Angebot auf der Orgatechnik 1986 glich einem Gemischtwarenladen. "

... und führt zu einem heillosen Durcheinander

Deutliche Worte sprach auch mancher Aussteller angesichts des Durcheinanders in den Hallen. Hans-Günter Zink, damals noch in Diensten von Hewlett-Packard, betitulierte die Orgatechnik respektlos als "Kraut- und Rüben-Laden" und erklärte: "Wenn die Kölner nicht ihr Konzept ändern, werden wir die nächste Orgatechnik als reine Regionalveranstaltung betrachten, unseren Stand verkleinern und nur ein paar Mitarbeiter aus dem Kölner Raum hinschicken."

Die Köln Messe scheint sich die Worte von Hans-Günter Zink zu Herzen genommen zu haben. Zur diesjährigen Orgatechnik wurde das Konzept nämlich geändert, indem man den Möbelbereich und den DV-Bereich räumlich konzentrierte. Während in den Hallen 12 bis 14 schwerpunktmäßig Büroeinrichter und -ausstatter versammelt sind (rund 750 Aussteller), beherbergen die Hallen 1 bis 11 überwiegend die Anbieter der Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik.

1988: Büromesse wartet mit neuen Rekorden auf

Daneben weist die Köln Messe darauf hin, daß Organisations-mittel und Artikel des Bürobedarfs den beiden anderen Aussteller-gruppen funktional zugeordnet und deshalb in nahezu allen Hallen präsent sind. Somit ist im Sinne der Besucherfreundlichkeit sicherlich für eine übersichtlichere Struktur als 1986 gesorgt.

Rainer Sitzmann wird in diesem Jahr für einen Tag nach Köln fahren. Doch groß ist seine Begeisterung nicht: "Das Angebot hat sich derartig verwässert, das die Orgatechnik nur noch ein Mix zwischen München und Hannover ist. Alle Messen gleichen sich vom Kern her - man weiß gar nicht mehr zu welcher Veranstaltung man eigentlich gehen soll." Stimmt Gerhard Karck zu: "Ob Orgatechnik, CeBIT oder Systems - ich kann da keinen Unterschied mehr erkennen. Die Messegesellschaften aber bestreiten natürlich jegliche Überlappungen. Immer wieder reden sie sich damit heraus, eine andere Thematik, eine andere Philosophie, eine andere Zielgruppe zu haben. Nur: Für den Betrachter stellt sich dies von der Sache her so unterschiedlich philosophisch nun wirklich nicht dar."

Die Kölner Messegesellschaft aber schwelgt schon jetzt in Superlativen und Rekorden für die Orgatechnik 1988. Rund 2000 Aussteller nehmen an dieser 7. Internationalen Büroausstellung teil, davon stammen 550 aus dem Ausland. Nach 166 305 Besuchern der vorangegangenen Veranstaltung erwarten die Kölner heuer 170 000 aus dem In- und Ausland. Zugelegt hat man auch erneut in Sachen Brutto-Ausstellungsfläche. In diesem Jahr sind es 230 000 Quadratmeter, die den Ausstellern zur Verfügung stehen. Auch die Halle 5 ist jetzt ins Orgatechnik-Geschehen eingegliedert worden. Damit allerdings ist das Kölner Messegelände aber auch am Ende seiner Platzkapazität angelangt.

Hallenkapazität ist endgültig erschöpft

Das wiederum bedeutet, daß sich die Kölner nunmehr ernsthaft auf die Suche nach Alternativen machen müssen. Schon 1986 hatte man angedeutet, in Zukunft gegenüber den Ausstellern eine härtere Gangart einschlagen zu müssen. Als eine Möglichkeit wurde damals die drastische Erhöhung der Standpreise genannt. Wolfhorst Wehr, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Büromöbelindustrie, sieht dieses Problem indes nicht so dramatisch: "750 Büro-ausstatter im weitesten Sinne sind in diesem Jahr in Köln vertreten. Damit hat unsere Branche - soweit wir das übersehen können - eine gewisse Vollständigkeit auf der Orgatechnik erreicht. Im DV-Bereich hingegen wird es von Jahr zu Jahr zu einer Flurbereinigung kommen. Somit wird sich auch die Zahl dieser Ausstellergruppe eher konstant halten: Einige fallen weg - andere kommen hinzu."

Teilung ist noch nicht geplant

Eine Lösung Ó la Hannover und München, nämlich eine Teilung scheint für die Kölner derzeit nicht in Frage zu kommen. Auch Gerhard Karck kann sich nicht vorstellen, daß die Domstädter eine solche Maßnahme ins Kalkül ziehen: "Sicherlich wird das Kölner Konzept nicht bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben können. Doch eine Teilung wird in Köln zumindest in naher Zukunft sicher nicht stattfinden." Welche Ausstellergruppe sollte aber auch abgetrennt werden? Die Büromöbelleute kann die Köln Messe schlecht hinauswerfen - schließlich hat diese Branche die Orgatechnik heutigen Formats gegründet.