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14.10.1988 - 

Nach dem Rauswurf aus Hannover wählten die Büromöbelleute Köln als neuen Messeplatz, Teil 1:

Mit Mikro und MDT wurde Orgatechnik zur nationalen DV-Messe aufgemöbelt

Die Premiere fand an einem Dienstag im Herbst statt: Am 19. Oktober 1976 veranstaltete die Kölner Messegesellschaft erstmals eine Orgatechnik, in der neben der Büromaschinen- und -artikel- branche auch die gesamte Büromöbelindustrie mit von der Partie war. Inzwischen gehört die Veranstaltung in der Domstadt zu den drei großen DV-Messen in der Bundesrepublik Deutschland. Dennoch plagen auch die Kölner Messestrategen Probleme: Das Messegelände platzt aus allen Nähten, das Ausstellungsangebot ist fast unüberschaubar geworden. CW-Redakteurin Beate Kneuse zeigt die Entwicklung der Orgatechnik auf.

Zum Auftakt dieser ersten Orgatechnik "im Verbund mit Inter-nationaler Büromesse für Einrichtung und Ausstattung", im Jahr 1976 erklärte Dieter Eber, heutiger Hauptgeschäftsführer der Köln Messe: "Im Rahmen einer Schwerpunktmesse soll sich hier die vielgliedrige Bürowirtschaft als zusammengehöriger Marktbereich darstellen." Gut gewählt waren diese Worte und sicherlich nicht nur dazu gedacht, Sinn und Zweck dieser neugestalteten Orgatechnik zu erläutern. Denn ein Adressat dieser Bemerkung waren eindeutig die Hannoveraner Messekollegen, deren Entscheidung, die CeBIT-Halle für die Büromöbelleute zu sperren und damit die Bürowirt-schaft auseinanderzudividieren, diese neue Ausstellung in der Domstadt letztlich erst hatte zustande kommen lassen.

Als eine der ersten Branchen hatten die Büromöbelhersteller an der Hannover-Messe teilgenommen. Anfang der siebziger Jahre jedoch war ihr Gastspiel an der Leine beendet. Unter Protest verließ dieser Industriezweig geschlossen den attraktiven Messe-platz Hannover. Erläutert Wolfhorst Wehr, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Büromöbelindustrie, Wiesbaden, den Hintergrund: "1970 wurde in Hannover die CeBIT-Halle für die gesamte Bürowirtschaft eröffnet. Doch im Laufe der Jahre erhoben die Büromaschinen-Hersteller immer stärkere Ansprüche auf die Ausstellungsflächen der Büromöbelindustrie. Schließlich beschloß der Ausstellerbeirat unter Vorsitz von Jörn Peter Stielow, die Büromöbelindustrie aus der CeBIT-Halle "hinauszuschmeißen". Uns wurde neue Fläche im Messehaus angeboten. Da wir jedoch Mitinitiator der CeBIT-Halle gewesen waren und der Name CeBIT noch dazu von einem Büromöbelhersteller kreiert worden war, fühlten wir uns mehr als geprügelt und waren nicht bereit, in das Messehaus umzuziehen."

Wehr erhielt den Auftrag, im Rahmen einer Ausschreibung einen neuen Messeplatz für die Büromöbelindustrie zu suchen. Angeschrie-ben wurden mit Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg und München alle maßgeblichen Messeplätze in der Bundesrepublik Deutschland. Während Frankfurt, Stuttgart und München kein Interesse zeigten, erwies sich das Nürnberger Messegelände nach einer Besichtigung als zu klein. Übrig blieben schließlich Düsseldorf und Köln. "Nach gründlichem Abwägen des Für und Widers", so Wehr, "entschloß sich die Büromöbelindustrie für Köln als neue Messeheimat."

Die Entscheidung fiel im Sommer 1974. In einer Presse-information schrieb die Kölner Messegesselschaft: "Die Verbände der Büromobelindustrie haben gemeinsam beschlossen, ab Herbst 1976 in Köln im zweijährigen Turnus eine internationale Fachmesse der Bürowirtschaft mit neuem Charakter durchzuführen. Die Messe, die im erweiterten Osthallenbereich des Kölner Messegeländes stattfindet, wendet sich an Fachhändler, Architekten sowie Planer von Büroeinrichtungen." Weiter stand in der Pressemitteilung zu lesen: "Die Orgatechnik - Ausstellung für Organisation und Technik in büro und Betrieb Köln - findet vom 21. bis 24. Oktober 1975 in der bisherigen Form statt. Es ist beabsichtigt, ihre Angebots-bereiche ab 1976 in die neue Fachmesse zu integrieren."

Köln brachte günstige Voraussetzungen in die Ehe mit den Büromöbelleuten ein. Schon seit Jahrzenten war die Domstadt als Messeplatz etabliert und konnte ein großzügiges Messegelände zur Verfügung stellen. Dennoch kam eine Menge Arbeit auf die Kölner Messestrategen zu. Denn die Büromöbelhersteller hatten sehr genaue Vorstellungen von "ihrer" Messe und stellten zahlreiche Bedingungen. Wehr: "Bereits in den Ausschreibungsunterlagen hatten wir betont, daß der neue Messeplatz nicht nur Umschlagplatz von Produkten und Ausstellungsgegenständen sein muß, sondern auch von Meinung und Meinungsbildung für den gesamten Büroraum."

In Köln sollte laut Wehr alles gezeigt werden, was in bezug zum Büro stand und in irgendeiner Form über den Fachhandel verkauft wurde - eben vom Bürostuhl über die Schreibtischlampe bis hin zum Bildschirm. Doch sollte, so eine weitere Bedingung der Möbelhersteller, die Industrie direkt ausstellen und nicht - wie bisher - die Fachhändler. Oberstes Gebot der Büromöbelbranche war jedoch, eine internationale Messe zu schaffen, die überwiegend auf den europäischen Markt ausgerichtet sein sollte. Ebenfalls keine leichte Aufgabe, denn die Orgatechnik wies bis zu jenem Zeitpunkt überwiegend regionalen Charakter auf. Erinnert sich Messeprofi Gerhard Karck: "In den fünfziger und sechziger Jahren war die Orgatechnik eine richtig unbedeutende Regionalmesse, wie sie in jener Zeit im gesamten Bundesgebiet in allen Regionen stattfanden. Wer also nicht gerade im Umfeld von Köln wohnte oder arbeitete, der nahm sie kaum zur Kenntnis."

Als "Westdeutsche Büro-Fachausstellung" hatten die Messemacher aus der Domstadt auf Initiative ortsansässiger Händler, die sich zum Gesamtverband Büromaschinen, Büromöbel und Organisationsmittel, Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V. zusammengeschlossen hatten, die Veranstaltung am 24. Oktober 1953 aus der Taufe gehoben. Auf einer Bruttoausstellungsfläche von 2500 Quadratmetern präsentierten 42 - überwiegend Kölner - Bürofach-händler mit Unterstützung der Hersteller Produkte, die von Büromaschinen über Büromöbel bis hin zu Organisationsmitteln reichten. Immerhin tauchten im Ausstellungsspektrum schon Schreibmaschinen von IBM, Büromaschinen von Olivetti und Kienzle, Lochkartenmaschinen von Bull sowie Registraturen von Leitz und Elba auf. Direkt beteiligten sich diese Unternehmen vorerst jedoch nicht.

Kölner Fachhändler beherrschen die Messe

Rund 12 000 Besucher, allesamt aus dem Inland, fanden zu dieser ersten Kölner Büromesse, die vier Tage dauerte, den Weg in die Deutzer Messehalle 1. Um ihnen den Gang durch die Ausstellung zu erleichtern, wurde ihnen ein Messeführer an die Hand gegeben, der ihnen nicht nur den Standort und das jeweilige Produktspektrum der einzelnen Unternehmen verriet. Vielmehr sorgten auch kleine Fachartikel dafür, den Besucher mit dem Aufgabengebiet des Fachhändlers vertraut zu machen (Ratschlag: "Deshalb kauft nur bei einem vertrauenswürdigen Fachhändler"), die Leistungsfähigkeit von Buchungsmaschinen zu erkläutern oder aber aufzuklären, welche Anforderungen an Büromöbel und Organisationsmittel zu stellen sind.

Bürobranche hat die Zeichen der Zeit erkannt

Vor allem aber sollten diese Exposés auch für die neuen technischen Möglichkeiten und um den Besucher werben. So stand auf einer der letzten Seiten des Ausstellungsführers zu lesen:

"... Demnach bedeuten die Anschaffung und der Einsatz neuzeitlicher und technisch hochentwickelter Büro-Hilfsmittel Produktionssteigerung, Kostenersparnis und somit letzten Endes Verbesserung des Lebensstandards. So ist denn die "Westdeutsche Büro-Fachausstellung 1953" mehr als eine Demonstration des einschlägigen Fachhandels. Sie ist im erweiterten Sinne eine Schau für alle denkenden Menschen, die sich die Rationalisierung ihrer Lebensarbeit, ob im Rahmen eines Großunternehmens, eines kleinen Betriebes oder als Privatmann, zum Ziel gesetzt und die Forderung der Gegenwart klar erkannt haben: Zeit ist Geld."

Nicht nur mit solchen Anmerkungen zeigte die Bürobranche, daß sie die Zeichen der Zeit erkannt hatte. In seinem Geleitwort für die Besucher jener ersten Kölner Büromesse schrieb Hermann Schütter im Auftrag der im Gesamtverband Büromaschinen, Büromöbel- und Organisationsmittel zusammengeschlossenen Aussteller einen Satz, den man heute nur nachdrücklich bekräftigen kann: "Alles in allem ... vollzog sich bis zum heutigen Tage eine Entwicklung der Büro-Technik, die keiner voraussehen konnte und die noch Ungeahntes bringen wird." Wohlgemerkt - dieser Satz stammt aus dem Jahr 1953.

Die "Westdeutsche Büro-Fachausstellung" entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren prächtig. Im Zweijahresrhythmus stattfindend - in den geraden Jahren veranstaltete Düsseldorf diese Fachmesse - kamen immer mehr Aussteller wie auch Besucher in die Domstadt. Die erste Veranstaltung im neuen Jahrzehnt, nämlich 1961, zählte bereits 256 ausstellende Unternehmen, die 17 000 Quadratmeter Fläche belegten. Die Besucherzahl hatte sich - verglichen mit der ersten Messe - mit 22 100 ebenfalls gehörig gesteigert.

1969 schließlich erhielt die Kölner Ausstellung einen neuen Namen. Aus der "Westdeutschen Büro-Fachaustellung" wurde die "Orgatechnik" mit dem Untertitel "Ausstellung für Organisation und Technik in Büro und Betrieb". Inzwischen begann auch das Ausland, sich für diese Veranstaltung zu interessieren. Von den 240 Ausstellern (mit 121 zusätzlich vertretenen Unternehmen ohne eigenen Stand) kamen bereits 15 (mit 35 Unterausstellern) aus dem Ausland, vornehmlich aus den Benelux-Ländern und Großbritannien. Auch stammten die bundesdeutschen Aussteller nicht mehr nur überwiegend aus dem Kölner Raum, sondern waren mittlerweile aus ganz Nordrhein-Westfalen vertreten, vereinzelt auch aus nord- und süddeutschen Gefilden.

Viele Firmen ließen es sich nicht mehr nehmen, direkt an der Orgatechnik teilzunehmen. Wenn auch die Fachhändler weiter dominierten, so gaben sich doch vor allem die Hersteller von Büromaschinen mehr und mehr selbst die Ehre. Beste Beispiele dafür sind die IBM aus Stuttgart, die Daten- und Textverarbeitung zeigte, Burroughs (heute bekannt als Unisys) aus Düsse]dorf, die Datenverarbeitungsmaschinen präsentierte, die in Köln ansässige Bull General Electric, heutige Bull AG, ebenfalls mit Datenverarbeitungsanlagen, die Paderborner Nixdorf Computer AG, die Deutsche Olivetti aus Frankfurt, NCR aus Augsburg und die Kienzle Apparate GmbH, Villingen-Schwennigen. Selbst präsent waren inzwischen auch einige Büromöbelhersteller. So stellten 1969 unter anderem Drabert, Fröscher, Sedus Stoll, Pohlschröder und Voko ihr Angebot auf einem eigenen Stand vor.

Die Orgatechnik 1969 belegte bereits 36 000 Quadratmeter der verfügbaren Ausstellungsfläche. Die Aussteller waren mittlerweile in den Ende der fünfziger Jahre erschlossenen Ostteil des Messegeländes umgezogen und belegten das Erdgeschoß der Halle 12, die Mitte der sechziger Jahre fertiggestellt worden war, sowie Erd- und Obergeschoß der Halle 13, die man 1967 in Betieb genommen hatte. Komplettiert wurde das Ostgelände durch die Hallen 9, 10, 11 und 12 sowie durch die Leichtbauhalle 14, deren Fertigstellung in das Jahr 1968 fiel. Das Ostgelände, das durch die Bahnlinie vom übrigen Messegelände (Halle 1 bis 8) getrennt ist, sollte für viele Jahre die Heimat der Orgatechnik sein.

Orgatechnik: Künftig in den geraden Jahren

1969 tauchten in der Besucherstatistik der Kölner Messegesellschaft auch erstmals ausländische Gäste zur Orgatechnik auf. Von den knapp 26 000 Besuchern stammten 900 aus anderen Ländern. Wermutstropfen für die Messegesellschaft: Mit dieser Besucherzahl kam man nicht an das Ergebnis der 67er Messe heran. Da hatte man noch an die 28 000 Messegäste zählen können. Dennoch wuchs die Kölner Veranstaltung auch in den nachfolgenden Jahren stetig. Als 1975 die letzte Orgatechnik alter Form stattfand, war die Ausstellerzahl auf 304 (plus 96 Unteraussteller) gestiegen und eine Fläche von 45 600 Quadratmetern in Anspruch genommen. Einen erneuten Einbruch indes erlebten die Kölner Messemacher bei den Besucherzahlen. Hatten 1973 noch 33 761 Menschen den Weg in die Domstadt gefunden, so waren es 1975 mit 25 658 noch weniger als 1969. Zu jenem Zeitpunkt war allerdings schon bekannt, daß ab 1976 die Orgatechnik mit der gesamten Büromöbelbranche stattfinden würde. Vielleicht sparte sich mancher Besucher da Weg und Zeit für diese neue, im Angebot breiter gefächerte Messe auf.

Die Entscheidung der Büromöbelhersteller, Köln als neuen und alleinigen Messeplatz zu belegen und die dort bis dahin ausge-richtete Orgatechnik in "ihre" Messe zu integrieren, brachte als erste Neuerung den Wechsel von den ungeraden zu den geraden Jahren mit sich. Ein wichtiger Grund für diese Entscheidung war nach Auskunft von Wolfhorst Wehr, daß man nicht mit der Münchener Kongreßmesse Systems kollidieren wollte, die ebenfalls im Zweijahres-Rhythmus stattfindet, aber eben in den ungeraden Jahren. Diese Änderung beendete wiederum die Düsseldorfer Messeaktivitäten in Sachen Bürowirtschaft, da die Messemacher vom Niederrhein die Büro-Fachausstellung im Wechsel mit Köln bis dahin in den geraden Jahren durchgeführt hatten.

Messegelände Ost: Kleine Welt für sich

Die Kölner Messestrategen hatten indessen für eine neuerliche Erweiterung der Hallenkapazität gesorgt. Aus der Leichtbauhalle 14 und einer neben ihr 1973 errichteten zusätzlichen provisorischen Halle wurde Mitte der siebziger Jahre eine große zweigeschossige Halle 14 mit 44 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Sie war eigens für die neue Orgatechnik gebaut worden und konnte pünktlich 1976 in Betrieb genommen werden. Hinzu kam der "Haupteingang Osthallen" mit Congreß-Zentrum, so daß aus dem Ostteil ein kleines Messegelände für sich wurde - vor allem für die Orgatechnik. Wolfhorst Wehr: "Von vornherein sollte im Vordergrund dieser Messe die Qualität und nicht die Quantität stehen. Deshalb wurden auch längst nicht alle Hallen belegt. Unsere Grenze war für viele Jahre die Bahnlinie." In der Tat: Erst 1986 kannte die Orgatechnik in Sachen Expanxion keine Schranken mehr.

Am 19. Oktober 1976, einem Dienstag, war es schließlich soweit: Die erste Orgatechnik "im Verbund mit Internationale Büromesse für Einrichtung und Ausstattung" wurde eröffnet.

Angebotsgliederung 1976 noch nicht geglückt

477 Direkt- und 77 Unteraussteller (davon 67 beziehungsweise 27 aus dem Ausland) waren gemeldet und zeigten auf 65 000 Quadratmeter Hallenfläche, was die Bürowirtschaft alles zu bieten hatte. Nach der fünftägigen Veranstaltung konnten die Kölner Messemacher einen neuen Besucherrekord verzeichnen: Über 40 000 Menschen hatte man im Verlauf der Messe begrüßen können. Davon waren mehr als 2000 Besucher internationaler Couleur gewesen.

Das neue Orgatechnik-Konzept - Büromöbel, Datentechnik und Organisationsmittel in einer Messe mit einem begleitenden Fachkongreß (Schwerpunkt: Textverarbeitung) und zahlreichen Seminarveranstaltungen - schien also vom Ansatz her gelungen. Vor allem das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen. Denn mit der Büromöbelbranche waren auch die Anwenderverbände mit ihren Kongressen und Seminaren in die Domstadt gezogen, weil sich von dort aus der gesamte westliche Bereich des Bundesgebietes abdecken ließ. Als weniger geglückt erwies sich allerdings die Belegung der Hallen, denn es fehlte eine räumliche Angebotsgliederung nach Projektgruppen: In allen Hallen war auch "Alles fürs Büro" zu sehen. Für den Besucher, der sich nur für einen Teilbereich interessierte, bedeutete dies eine ermüdende Sucherei.

Bei DV-Anbietern herrscht zunächst Skepsis vor

Auch die beteiligten DV-Hersteller schienen sich noch nicht so ganz sicher zu sein, was sie von diesem neuen Großereignis "Orgatechnik" halten sollten. Während die Büromöbel-Hersteller bei der Eröffnung der Orgatechnik 1976 durch ihren Vertreter Franz Vogt, Köln, noch einmal eindeutig als Messeplatz für die gesamte Büroeinrichtungsbranche erklärt hatte, herrschte bei den DV-Anbietern Skepsis vor. Das Büro zum Mittelpunkt einer Messe zu machen, möchte den Organisationsmittelherstellern und den Einrichtungsleuten zugute kommen - doch welchen Stellenwert konnte der Computertechnik auf solch einer Veranstaltung zuteil werden?

Auf Köln als Messeplatz war die DV-Branche - im Gegensatz zu den Möbelherstellern - nicht angewiesen. Ihr stand schließlich mit der Hannover-Messe die attraktivste Industrie-Veranstaltung in der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung - und an ein Wegbleiben dort war nicht zu denken. Auch hatte mittlerweile die Münchener Systems als reine DV-Fachmesse auf sich aufmerksam gemacht. Immer mehr Wettbewerber zog es in die bayerische Landeshauptstadt, weil sie dort ihre Zielgruppe - nämlich den DV-Anwender - in kompri-mierter Form antrafen. So hätten es die Produzenten der Computer-technik sicherlich verkraftet, wäre man Köln künftig fern-geblieben; die Domstädter Messemacher hingegen wohl weniger. Schließlich zog gerade die sich rasch weiter entwickelnde Datentechnik zahlreiche Besuchergruppen an, auf die man in der Rheinmetropole nicht verzichten wollte.

So führten die Kölner Messestrategen nach Auskunft der Geschäftsleitung intensive Gespräche mit den DV-Herstellern und konnten auch 1978 diese wichtige Ausstellergruppe auf der Orgatechnik begrüßen. "Offensichtlich", so Geschäftsführer Hans Wilke im Vorfeld jener Orgatechnik gegenüber der COMPUTERWOCHE, "waren unsere Argumente überzeugend, sonst wären diese Firmen nicht auf der Messe vertreten."

... doch zwei Jahre später sind sie alle wieder da

Dabei waren nicht nur alle DV-Anbieter der vorangegangenen Veranstaltung wieder mit von der Partie, es kamen auch noch einige neue hinzu, wie zum Beispiel Sperry Univac. Von den rund 820 Firmen, die sich zu dieser zweiten Orgatechnik mit Internationaler Büromesse angemeldet hatten, zeigten an die 180 Aussteller DV-Geräte und Zubehör, Datenübertragungseinrichtungen sowie Software. Erklärte Wilke 1978: "Damit ist der DV-Bereich der Orgatechnik fast eine Fachmesse in der Fachmesse."

Die Kölner Messemacher hatten allen Grund, mit der Veranstal-tung 1978 zufrieden zu sein. Neben der deutlichen Steigerung der Ausstellerzahlen gegenüber der Orgatechnik 1976, was auch eine wesentlich höhere Bruttoausstellungsfläche, nämlich 92 000 Quadratmeter, zur Folge hatte, stiegen die Besucherzahlen auf 66 239. Davon kamen laut Statistik der Köln Messe an die 4340 aus dem Ausland. Weniger Anlaß zum Jubeln sahen allerdings erneut die Aussteller aus der DV-Branche. Zu verstreut waren die einzelnen DV-Anbieter über die Hallen. Resümierte ein vergrämter Minicom-puterhersteller nach fünf Tagen Orgatechnik: "Die Nähe von Bürostühlen und Zierbrunnen ist dem DV-Geschäft auf dieser Messe eher abträglich." Von einer "Fachmesse in der Fachmesse", dem Ziel der Kölner Messeleitung, konnte also wohl noch keine Rede sein.

Andererseits mußten sich die DV-Anbieter damit abfinden, daß die Besucher der Orgatechnik sich überwiegend für Büromobel und Organisationsmittel interessierten. Erinnert sich DV-Spezialist Rainer Sitzmann aus Schieder: "Für mich war die Orgatechnik in den siebziger Jahren eine Spezialveranstaltung, die mir das gab, was ich in Hannover nicht fand. Deshalb plante ich auch jedesmal mindestens zwei Tage für einen Besuch in Köln ein, um mich über Büromöbel und Organisationsmittel, wie Ablagesysteme oder Registraturen, zu informieren. Schließlich gab - und gibt es auch heute noch - neben der Elektronik eine Fülle von Betriebsmitteln, die man zum normalen Büroalltag braucht." Anderen DV-Profis gefiel an der Orgatechnik der siebziger Jahre vor allem die gemütliche Atmosphäre. Gerhard Karck: "Das Angebot war noch überschaubar, man war in Fachkreisen unter sich, konnte mit den Ausstellern intensive Gespräche führen. Es war richtig gemütlich - und die Besuche machten einfach Spaß.

Ähnlich wie die Münchener Systems verlor allerdings auch die Orgatechnik mit jeder neuen Veranstaltung mehr an Gemütlichkeit. Karck: "Leider haben eben alle Messegesellschaften das häßliche Bedürfnis, ins uferlose zu wachsen. Je mehr aber eine Messe wachst, desto mehr verliert sie auch ihren ursprünglichen Charakter." Bereits 1980 nahmen die Orgatechnik-Aussteller nahezu den gesamten Ostteil des Messegeländes in Köln-Deutz in Beschlag: 116 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche belegten die teilnehmenden Unternehmen. Doch nicht nur damit erreichten die Orgatechnik-Macher neue Dimensionen. Erstmals nahmen 1980 mehr als 1000 Aussteller an dieser Veranstaltung teil. Direkt beteiligten sich 905 Unternehmen, als IJnteraussteller registrierte die K÷lner Messeleitung 210 Firmen. Aus dem Ausland stammten davon 198 Aussteller plus 146 zusätzlich vertretene Firmen.

Wachsende Internationalität - zufriedene Büroausstatter

Damit hatte die regionale Ausstellung innerhalb von vier Jahren tatsächlich eine gewisse Internationalität gewonnen, was sich fortan auch im Untertitel der Orgatechnik niederschlug. Denn mit der 1980 erzielten Auslandsbeteilung hatte die Orgatechnik die "Zehn-Prozent-Hürde" genommen und konnte sich fortan als "Orgatechnik - Internationale Büromesse Köln" bezeichnen.

Nach den Richtlinien der Gesellschaft zur freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen (FKM) darf sich eine Messe erst "International" nennen, wenn mindestens zehn Prozent der Direktaussteller aus dem Ausland kommen. Diese Entwicklung registrierten vor allem die Büromöbelleute mit Genugtuung. Sie hatten schließlich die Internationalität "ihres" Messeplatzes zur Bedingung gemacht. Darüber hinaus konnte die Kölner Messeleitung 1980 voller Stolz feststellen: "Die Orgatechnik ist die expansivste Veranstaltung im Kölner Messeprogramm." Nach der fünftägigen Ausstellung bestätigten 84 939 Besucher dies nachdrücklich.

Mit Beginn der achtziger Jahre war auch die DV-Branche nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Anbieter der Informationstechnik sahen in der Orgatechnik mittlerweile eine Messe, für die es sich lohnte, die beste Truppe an den Rhein zu schicken. So geschehen zum Beispiel bei der Siemens AG. Bis einschließlich 1978 war die Kölner Niederlassung des Elektronikkonzerns auf der Orgatechnik vertreten gewesen. Nunmehr aber übernahm es das Stammhaus in München, das Gastspiel in der Domstadt zu koordinieren. Auch wurde der Computer langsam salonfähig, seine ständig steigenden Leistungsmöglichkeiten bei fortlaufender Verkleinerung der Geräte und seiner dadurch zunehmenden Durchdringung in den einzelnen Abteilungen der Unternehmen ließ auch das Interesse des Nicht-Spezialisten an den elektronischen Kästen stetig steigen. Dadurch rückten die DV-Anbieter immer mehr in den Mittelpunkt des Orgatechnik-Geschehens. Zudem hatten sie sich inzwischen zur größten Ausstellergruppe der Kölner Büroausstellung gemausert. Auf der Orgatechnik 1982 präsentierten von rund 1350 Ausstellern allein 800 informationstechnische Produkte im weitesten Sinne. Davon wiederum machten die reinen DV-Unternehmen mit 416 Ausstellern mehr als die Hälfte aus.

Informationstechnik bekommt Übergewicht

Die Büroeinrichtungs-Branche folgte den reinen DVern mit 380 Ausstellern zwar noch knapp auf dem Fuße. Doch zeichnete sich bereits zu jenem Zeitpunkt ein deutliches Übergewicht der Informationstechnik gegenüber den beiden anderen Ausstellergruppen - Büroeinrichtung und Organisationsmittel - ab. Man erinnere sich an 1978, wo von etwa 820 Unternehmen gerade 180 Aussteller Produkte aus der Datentechnik präsentierten. Sinniert Gerhard Karck angesichts dieser Entwicklung: "Wenn die Datenverarbeitung auf einer Messe erst einmal richtig Fuß gefaßt hat, dann breitet sie sich aus wie die Pest."

Die Besucher dankten den Ausstellern das zunehmend vielfältigere Anqebot dieser 4. Internationalen Büromesse mit einem neuen Rekord. 103 302 Menschen ließen sich das fünftätige Ereignis nicht entgehen. Damit konnten die Domstädter, die 1982 erstmals das gesamte Ostgelände mit 133 000 Quadratmetern Brutto-Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt hatten, ein Plus von 20 Prozent gegenüber der vorangegangenen Orgatechnik verzeichnen. Aus dem Ausland fanden 9220 Messegänger den Weg an den Rhein. Die vielen Besucher ließen wiederum die Aussteller der Kommunikations- und Informationstechnik eine gute Geschäftstätigkeit verzeichnen; gute bis sehr gute Ergebnisse erzielten gar die Büroeinrichter -vor allem jene, die mit ihren Ausstellungsprogrammen die Umstruk-turierung des traditionellen Arbeitsplatzes zum Systemarbeitsplatz Rechnung getragen hatten.

Auch das Rahmenprogramm fand große Resonanz und trug zur Attraktivität dieser Orgatechnik wesentlich bei. Die einzelnen Veranstaltungen bezogen sich verstärkt auf die sich verändernden Bedingungen des Büroarbeitsplatzes; allen voran hierbei das Symposium "Bürogestaltung und Gesundheit", das großen Anklang fand. Gerade 1982 wurde wegen des sich wandelnden Büroarbeits-platzes durch die "elektronische Revolution" viel und heftig über die Ergonomie am Arbeitsplatz diskutiert. Aber auch den DV-Experten in den Unternehmen wurden neue Ehren zuteil. Erstmals nämlich wurde als selbständige Veranstaltung der 1. DV-Anwenderkongreß vom adi - Anwender-Verband Deutscher Informations-verarbeiter durchgeführt. Die Referenten sahen sich einem Publikum von rund 300 DV-Spezialisten aus dem In- und Ausland (Schweiz, Österreich) gegenüber.

Wie zu jeder Orgatechnik fand der Kongreß der Textver-arbeitung statt zudem die 6. Datenschutz-Tagung (Dafta), und der Telecom-Kongreß mit allen wichtigen Aspekten der geschäftlichen Telekommunikation (unter anderem Bildschirmtext, Büro- und Datenkommunikation und soziale und humanitäre Aspekte). Die Orgatechnik schien nunmehr auf dem besten Wege zu sein, sich tatsächlich zu der einzigartigen Bürofachmesse zu entwickeln, so wie es sich die Kölner Messemacher immer gewünscht hatten.

wird fortgesetzt