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10.11.2000 - 

Auf dem Prüfstand: Net AG

Mit Mobility-Aktivitäten auf den UMTS-Zug aufgesprungen

DÜSSELDORF - Nur wenige Monate nach dem Börsengang im März dieses Jahres gab die Net AG größere Änderungen am Geschäftskonzept bekannt. Das Kölner Unternehmen will in Zukunft nicht mehr nur IP-Netzwerke und E-Business-Applikationen konzipieren, sondern auch Anwendungen und Mehrwertdienste für mobile Endgeräte in die Angebotspalette aufnehmen. Von Andrea Goder*

Stefan Immes hat sich die Resonanz womöglich etwas anders vorgestellt. "Mit UMTS wurde einer der chancenreichsten und interessantesten Wachstumsmärkte geschaffen. Die Net AG will sich in diesem Zukunftsmarkt bereits heute als Anbieter von mobilen E-Business-Lösungen positionieren", erklärte der 38jährige Vorstandschef kürzlich vor Pressevertretern in Düsseldorf. Bei Börsianern ist diese Ankündigung zunächst auf wenig Begeisterung gestoßen. Nicht gestoppt werden konnte jedenfalls die seit dem IPO anhaltende Talfahrt der Aktie, die in den letzten Tagen sogar unter die Zehn-Euro-Marke rutschte.

Wie Firmenchef Immes in Düsseldorf ausführte, sollen in Zukunft sämtliche Mobility-Aktivitäten in der vor kurzem gegründeten Net Mobile AG gebündelt werden. 72 Millionen Mark wollen die Kölner in den nächsten drei Jahren in das Tochterunternehmen investieren und den Aufbau dieser Sparte - erste schwarze Zahlen werden in drei Jahren erwartet - aus dem operativen Geschäft finanzieren. "Wichtig ist, dass wir kein Cash verbrennen", betonte Immes.

Mit der Entwicklung von Plattformen für den mobilen Datentransfer, beispielsweise via Handy oder PDA, will die Net AG in Zukunft auch Einnahmen aus Transaktionen zwischen Kunden erzielen. Dass das Unternehmen mit diesem Schritt einen "sanften Strategiewechsel" vollzieht, wie einige Branchenkenner behaupten, ließ Vorstandschef Immes nicht gelten. "Der Einstieg ins Mobility-Geschäft im B-to-B-Bereich ist eine Weiterentwicklung des bisherigen Angebotsportfolios", gab er seine Lesart zu Protokoll.

1997 vom heutigen CEO gegründet, sammelte das Kölner Startup-Unternehmen zunächst Expertisen als Netzspezialist. Schwerpunkte des Geschäftsbereichs "IP-Networks" sind bis heute die Planung, Implementierung und der Betrieb von multimedialen Netzwerken sowie Hochsicherheits- und Storage-Lösungen. Ins Konzept der Net AG gehörte es von Anfang an, das Kerngeschäft durch Zukäufe - acht Unternehmen wurden bislang übernommen - um eine schlagkräftige Softwaredivision aufzustocken. Was die Kölner heute in dieser Business Unit im Angebot haben, ist in der Tat nicht von Pappe. Angefangen von Procurement- und Logistiklösungen über Sales-Management-Tools oder eigenen Shop-Konzeptionen bis hin zu Applikationen im Customer-Relationship-Management (CRM) - die Net AG ist bei allen wichtigen und zeitgemäßen Softwaredisziplinen mit von der Partie. "Wir verstehen uns als E-Business-Enabler", verdeutlichte Immes das Konzept des 230-Mitarbeiter-Unternehmens, das sich jetzt ohne Einschränkung als Komplettanbieter versteht.

Mit dieser Positionierung steht die Net AG jedoch allein schon am Neuen Markt mit vielen Softwareanbietern in Konkurrenz. Doch auch in Relation zum Umsatz ist die Kölner Company insgesamt etwas breit aufgestellt - auch wenn die vor kurzem vorgelegten Zahlen den eingeschlagenen Wachstumskurs mehr als unterstreichen. Vorläufigen Angaben zufolge konnte der Umsatz im Geschäftsjahr 1999/2000 (Ende: 30. September) gegenüber dem Vorjahr auf 110 Millionen Mark zulegen, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 145 Prozent entsprechen würde. Nicht zufrieden zeigte sich Firmenchef Immes mit dem schleppend verlaufenen Hardwaregeschäft, auf das im letzten Geschäftsjahr knapp ein Fünftel der Einnahmen entfiel. Ende September haben sich die Kölner deshalb von diesem margenschwachen Segment wieder verabschiedet.

Phantasie in den Business-Plan soll jetzt, wie schon angedeutet, der neue Geschäftsbereich Mobility bringen. Vor allem soll dadurch aber die zum IPO vorgelegte Finanzplanung mittelfristig sogar übertroffen werden. Für die Anleger heißt das jedoch, sich bis auf Weiteres in Geduld zu üben. Und das aus mehreren Gründen. Bedingt durch den Wegfall der Hardwareerlöse werden die Rheinländer beim Umsatzwachstum im laufenden Geschäftsjahr eher eine Nullrunde einlegen.

Hinzu kommt, dass die geplanten Investitionen in den neuen Geschäftsbereich - statt der ursprünglich angekündigten Gewinne - einen Verlust von 4,6 Millionen Mark (Ebitda) in die diesjährige Bilanz reißen werden. Auch für das letzte Geschäftsjahr rechnen Analysten mit einem nur ausgeglichenem beziehungsweise leicht negativem Ergebnis. Firmenchef Immes ist sich jedoch sicher, dass ab 2005/06 die Gewinne dafür um so kräftiger sprudeln und die Umsätze weit über 500 Millionen Mark liegen werden. Wie aussagekräftig allerdings ein Sechs-Jahres-Plan in Zeiten der schnelllebigen New Economy ist, steht auf einem anderen Blatt.

Auch im "neuen" Markt warten viele WettbewerberOb die Net-AG-Truppe diesen laut Immes "konservativen" Business-Plan einhalten kann, wird stark davon abhängen, wie lange die Carrier für den Aufbau der UMTS-Infrastruktur brauchen. Davon abgesehen formieren sich im Moment die Wettbewerber im Zukunftsmarkt mobile Applikationen - allen voran Netzbetreiber, E-Business- und Content-Anbieter. Bereits heute müssen es die Kölner, die im neuen Geschäftsbereich bis dato noch keinen Kunden haben, mit der Dortmunder Dr. Materna GmbH mit einem starken Mitspieler aufnehmen, der als Softwareentwickler von mobilen Anwendungen bereits einiges mehr vorweisen kann. Ungeachtet dessen setzt Immes die Messlatte für den Erfolg sehr hoch. Mittelfristig will man in Europa - eine Kooperation mit dem schwedischen TK-Konzern Ericsson wurde vor kurzem geschlossen - ganz eindeutig zu den drei großen Playern gehören.

Internationale Expansion entscheidendes KriteriumEntscheidend wird daher sein, wie schnell den Rheinländern der Sprung ins Ausland gelingt, wo das Unternehmen noch weitgehend unbekannt ist. "Wir wollen erst in Deutschland beweisen, dass das Geschäftsmodell funktioniert und dann Europa schrittweise erobern", skizziert Immes die Marschroute. Erste Aktivitäten in den Zielmärkten Frankreich, Großbritannien und Italien sind nicht vor Mitte 2001 geplant.

Dass das Business mit Applikationen für die virtuelle und mobile Welt von morgen fürs erste einen langen Atem erfordert, ist auch Immes klar. Vier Millionen Mark Umsatz erwarten die Kölner in diesem Bereich im laufenden Geschäftsjahr, 18 Millionen sollen es im Jahr darauf sein. Optimismus holt sich die Net-AG-Crew derweil von Marktbeobachtern, die im Mobility-Segment einen der am schnellsten wachsenden Märkte in den kommenden fünf Jahren sehen. "Es müssten sich schon alle schwer irren, wenn sich mobile Anwendungen nicht durchsetzen", ist Immes überzeugt.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Ehrgeizige Planung: Nachdem die Net AG ihre Business-Strategie umgekrempelt hat, gibt es derzeit noch keine aussagefähigen Zahlen zur Ertragsentwicklung. Bereits in vier Jahren wollen die Kölner die 500-Millionen-Mark-Umsatzgrenze überschreiten; erste Gewwinne werden ab 2002/2003 erwartet. Quelle: Net AG