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04.06.1993

Mit MPTN will IBM kuenftig offene und heterogene Netze unterstuetzen User loben Informationswert der Networld im Vergleich zur CeBIT

FRANKFURT/M. (hi) - Ungeachtet des Hickhacks hinter den Kulissen um die Zukunft der Networld in Frankfurt - Novell will 1994 an der NetworldiInterop in Berlin teilnehmen - nutzten zahlreiche Anwender die Messe als Informationsforum. Im Mittelpunkt des Interesses standen Netzwerk-Betriebssysteme wie Windows NT, OS/2 und Netware sowie die schnellen Uebertragungstechnologien ATM und FDDI.

Waren zahlreiche Produkte bereits auf der CeBIT praesentiert worden, so hatte das Publikum nun in Frankfurt die Moeglichkeit, diese Objekte, verbunden mit ausfuehrlicher Beratung, genauer kennenzuleren als in Hannover, wo im allgemeinen Messetrubel der Support oft zu kurz kam.

Microsoft zeigte dem Fachpublikum seine Vision des kuenftigen Netzwerk-Betriebssystems (NOS) Windows NT sowie den Windows NT Advanced Server. Waehrend sich Microsoft, den Erfolg von NT betreffend, optimistisch gibt und von regem Kundeninteresse berichtet, zeigen sich die Anwender eher skeptisch. Zwar sind zahlreiche Besucher von den Windows-NT-Features ueberzeugt und glauben, dass es die Plattform der naechsten Jahre wird, doch die Angst, mit der ersten Version ein Bug-belastetes Produkt zu erwerben, ist weit verbreitet. So wollen sich zahlreiche User erst einmal abwartend verhalten und moeglicherweise auf die in der Softwarebranche so beliebten fehlerbereinigten 1.1-Versionen warten.

Ex-Mainframer IBM - das Unternehmen ist mittlerweile, so Bob Roth, Manager fuer den Bereich Network Access Technical Marketing, "eine LAN-Company" - warb fuer seine Version des 32-Bit- Betriebssystems OS/2 2.1. Entgegen Meldungen aus den USA, wonach OS/2 2.1 verbesserte Features fuer das Networking beinhalte, hiess es beim deutschen Standpersonal lediglich, die neue Version werde schneller als das Vorgaenger-Release sein. Auf die Frage nach den Netz-Features verwies man nur auf das Zusatz-Tool "Lanserver".

Ferner praesentierten die Armonker mit "Anynet/MVS" eine erste Entwicklung im Rahmen des im Maerz angekuendigten "Multiprotocol Transport Networkings" (MPTN). Anynet/MVS laeuft auf MVS/ESA- Mainframes sowie OS/2-basierten PCs und bietet Anwendern die Moeglichkeit, APPC-Applikationen ueber TCP/IP-Netze zu fahren sowie TCP/IP-Sockets ueber SNA-Networks. MPTN ist fester Bestandteil der im Rahmenwerk "IBM Networking Blueprint" festgeschriebenen Migrationsplaene zu einer umfassenden und modularen Architektur fuer offene und heterogene Netze und entstand unter massgeblicher Beteiligung des IBM-Forschungslabors in Zuerich.

Waehrend Messebesucher die Netzanbieter Artisoft und Banyan vergeblich suchten - nur bei Distributor Rein-Elektronik wurden Banyan-Produkte ausgestellt - dominierte Novell. Unter dem Motto "Starten statt Warten" bot der Netzwerkspezialist Upgrades auf Netware 4.0 zu Dumpingpreisen an. Wie Konkurrent Microsoft, der neue E-Mail-Versionen fuer Windows praesentierte, sieht auch Novell laut Pressesprecher Kai Leonhardt "Messaging-Systeme als integralen Bestandteil der NOS" und will dieser Entwicklung kuenftig verstaerkt Aufmerksamkeit schenken.

Obwohl beispielsweise Christiane Ritter, Microsoft-Produkt- Managerin fuer Mail, davon ueberzeugt ist, dass E-Mail-Systeme das Fax bald abloesen werden, zeigten Unternehmen wie Castelle, von der E-Mail-Euphorie unbeeindruckt, klassische Faxloesungen fuer das Netz.

Wordperfect setzt dagegen auf E-Mail und zeigte in Frankfurt mit "Wordperfect Office 4.0" ein neues Kommunikationspaket fuer das Workgroup-Computing. Das Programm soll zeitgleich fuer die Plattformen DOS, Windows und Macintosh erscheinen und vereint E- Mail, Terminplaner und Kalender in einer Applikation.

Darueber hinaus gab das Unternehmen bekannt, dass ein NLM fuer Netware 4.0 entwickelt werde, so dass der Message-Server von Office als systemeigener Prozess unter Netware 4.0 laufe. Bei der Entwicklung neuer Software will das Unternehmen kuenftig verstaerkt mit Novell kooperieren.

Orientiert sich Wordperfect staerker zu Novell hin, so faehrt Decdirect in Zukunft mehrgleisig. Auf der Networld stellte DEC mit "Pathworks fuer VMS" und "Pathworks fuer DOS" sowohl zwei neue Netware-kompatible Produktvarianten vor als auch eine weitere Ausfuehrung fuer Windows NT. Zusaetzlich praesentierte DEC mit "Excursion for Windows NT" ein Produkt, das die von Unix-Workstations bekannte X-Windows-Benutzeroberflaeche auf NT-Rechner bringt.

Fanden die Messebesucher in Frankfurt ein breites Spektrum an Software fuer Netzwerk-Betriebssysteme, so suchten sie nach moeglichen Kabeltechnologien fuer schnelle Uebertragungstechniken wie ATM oder FDDI vergeblich. Bei Uebertragungstechniken fuer WANs baut Microsoft auf ISDN und kuendigte zusammen mit ihrem ersten ISDN- Partner in Europa, der Firma Acotec, ISDN-Loesungen fuer Windows fuer Workgroups und NT an. Dabei werden die Protokolle, wie es bei beiden Firmen heisst, transparent auf der Ebene 3 uebermittelt, so dass fuer den Anwender eine ISDN-Uebertragung letztlich nichts anderes sei wie eine Token-Ring- oder Ethernet-Verbindung.

Waehrend Microsoft noch ueberlegt, ob ISDN kuenftig als Standard in die Betriebssysteme integriert wird, propagieren Unternehmen wie Chipcom oder Synoptics bereits ATM als die neue kommende Netztechnologie. Schon zur Muenchner Systems im Herbst sollen erste ATM-Switches fuer LANs erhaeltlich sein. Angesichts so grosser ATM- Begeisterung gibt sich 3Com eher bedeckt und vermutet, dass sich ATM zuerst bei den Carriern als Punkt-zu-Punkt-Verbindung durchsetzt, da zahlreiche Standardisierungsfragen wie Verbindungsaufbau oder Adressierung noch nicht geklaert sind.

Ausserdem, so die Meinung bei 3Com, werde ATM zu Beginn sicher zu teuer und die ersten am Markt verfuegbaren Produkte noch proprietaerer Natur sein. Weiterhin stelle sich momentan die Frage, welche Applikationen die angebotene Uebertragungskapazitaet wirklich sinnvoll nutzen koennen. Deshalb ist fuer 3Com zur Zeit FDDI aufgrund seiner Verfuegbarkeit und Produktreife die kostenguenstigere Uebertragungstechnik.

Fuer das Internetworking entwickelte der Netzspezialist das Konzept des "Boundary Routings": Ein Router ist fuer den WAN- Verkehr verantwortlich und entscheidet, welche Pakete uebertragen werden und welche nicht. Das Pflegen und Interpretieren der Routing-Tabellen, Adressinformationen und Filterfunktionen uebernimmt bei diesem Konzept ein anderer Router. Dadurch erhoeht sich laut 3Com die Uebertragungskapazitaet.

Die Aufnahmekapazitaet mancher Besucher war dagegen nach einem Messerundgang erschoepft. Zahlreiche Gaeste bemaengelten, dass die im Unterschied zum Vorjahr voll belegte Halle zu unuebersichtlich sei und fuer das angebotene Spektrum ein Tag nicht mehr ausreiche. Im Vergleich zur CeBIT stuften die Besucher die gegebene Beratungsmoeglichkeit sehr positiv ein. Auch die Aussteller waren mit der Fachkenntnis der Besucher zufrieden und lobten die Networld als ein Forum, auf dem man Anwender mit einem wirklichen Informationsbeduerfnis treffe.

Allerdings wird es die Messe in dieser Form naechstes Jahr nicht mehr geben. Novell hat die Rechte am Namen "Networld" an die Interop Corp. verkauft und nimmt naechstes Jahr an der NetworldiInterop in Berlin teil. Laut dem bisherigen Networld- Veranstalter Blenheim aendert sich dadurch an der Frankfurter Veranstaltung nur der Name in "Networks Expo", ansonsten sei fuer 1994, so der Werbeslogan, "Business as usual" angesagt.

Erstes Produkt in IBMs MPTN-Strategie ist Anynet/MVS, das APPC- Applikationen ueber TCP/IP-Netze erlaubt sowie TCP/IP-Sockets ueber SNA unterstuetzt.