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Niederländer wollen nicht nur "Käse" exportieren:


15.10.1982 - 

Mit neuen Ideen den Softwaremarkt erobern

RIJSWIJK - Rezession und fehlendes Fachpersonal machen auch der niederländischen Softwareindustrie das Leben schwer. Mit Hilfe einer Reihe guter Produkte versuchen die einheimischen "Softwerker" nun, den Anschluß an den internationalen Markt zu finden. der holländische Fachredakteur Ruud Blaizier schildert den Status quo.

Derzeit steht in den Niederlanden die Software- und Serviceindustrie im Mittelpunkt des Interesses. Eine Beratungskommission unter Leitung eines ehemaligen Shell-Managers, der die gesamte niederländische Industrie näher untersuchte, hat nämlich besonders Software und Service als einen Sektor bezeichnet, der für das Land zunehmend Bedeutung erlangen kann.

Von "Body-Leasing" abhängig

Die niederländische Software- und Serviceindustrie umfaßt Schätzungen zufolge etwa 700 Unternehmen und Kleinbetriebe und beschäftigt rund 10 000 bis 12 000 Datenverarbeitungsfachleute. Wegen des beinahe schon traditionellen Mangels an Personal bei den Anwendern ist dieser Sektor in der Vergangenheit mehr als üblich in Europa von der Abstellung von Fachpersonal, dem sogenannten "Body-Leasing" abhängig gewesen. Der Anteil des Body-Leasing beträgt etwa 34 Prozent des Totalumsatzes, aber - und das kennzeichnet die Situation recht gut - im Augenblick ist er rückläufig.

So macht die Branche eine schwere Zeit durch und sucht emsig nach einer Kompensation für die Verluste auf diesem Teil des Marktes. Auch fehlt durch die momentane internationale Rezession oft das notwendige Kapital zur Entwicklung neuer Produkte. Der Staat unternimmt seit einiger Zeit Anstrengungen, dieses Problem zu lösen.

Schätzungen über den Umfang des Marktes schwanken zwischen einer und zwei Milliarden Gulden pro Jahr. Die jährliche Wachstumsrate muß man auf t6 Prozent schätzen, aber der Rückgang im Bereich des Body-Leasing drückt den Zuwachs.

In den Niederlanden sind drei Interessenvereinigungen der Softwarelieferanten tätig, wovon Cosso die älteste und einflußreichste ist. Rund zwanzig der größten Softwarelieferanten gehören Cosso an. Einen Marktführer sucht man in den Niederlanden vergeblich. Unter den fünfzig Großen in Europa sind auf den ersten dreißig Plätzen keine niederländischen Unternehmen zu finden. Die Vereinigung Cosso vertritt einen Umsatz von rund 600 Millionen Gulden.

Die zweite wichtige Vereinigung ist die "Nationale Software Vereinigung" (Nationale Softwarevereinigung), der etwa sechzig, zumeist kleinere Unternehmen angehören.

Neuerdings hat auch die Vifka (Vereinigung der Importeure und Hersteller von Büromaschinen) eine eigene Softwareabteilung eingerichtet. Diese Organisation veranstaltet alle zwei Jahre in Amsterdam die Ökonomiemesse, die in diesem Jahre vom 4. bis zum 13. Oktober im RAI-Haus stattfand. Die Bedeutung der Vifka-Softwareabteilung ist im Augenblick jedoch noch nicht überschaubar, da es sich hier zumeist um die Softwareaktivitäten von Hardwarelieferanten handelt, deren Umfang nur schwer abschätzbar ist.

Die drei Interessenverbände versuchten zusammen mit verschiedenen öffentlichen Institutionen einen Aktionsplan zu erarbeiten, der die Branche erneut auf eine gesunde Basis stellen und den Weg für eine schnellere Wachstumszunahme freimachen soll. Eines der erklärten Ziele diese Planes ist es, noch vor 1985 den Export von Softwareprodukten mit einem Umfang von 300 Millionen Gulden zu ermöglichen. Über die Vorgehensweise wird derzeit noch diskutiert.

Neue Softwareprodukte

In den Niederlanden sind übrigens bereits eine Reihe mehr oder weniger originelle Produkte auf dem Markt.

Ein Beispiel könnte das noch sehr junge Unternehmen Du Prie Dynamik Systems BV sein. Es brachte ein Applikationsentwicklungs- und Verwaltungssystem (DP2) auf den Markt, mit dem nach Angaben des Unternehmens vollautomatisch Anwendungsprototypen in einem Zehntel bis einem Hundertstel der bisher benötigten Zeit aufgebaut und dokumentiert werden können. DP2 kann mit IBM 8100 und dem System /38, mit Siemens BS1000 oder 2000, den Prime-Computern, den ICL-Systemen 2900 und ME 29 und mit den Honywell Bull DPS 4-, 7- und 8-Systemen angewendet werden. Darüber hinaus wird an einer Ergänzung zu den HP 3000-Computern und der IBM-4300-Serie gearbeitet. Das Paket kann sowohl gekauft als auch geleast werden. Seit kurzem hat ICL dieses Paket auf dem Markt.

Ein anderes erfogreiches Softwareunternehmen ist Holland Automation. International Furore machte dieses Unternehmen mit einem Operatingsystem für Mikrocomputer das den Namen HAI BAS trägt. Verschiedene bedeutende Hardwarelieferanten wie ICL und Olivetti haben dieses System bereits übernommen. Derzeit eignet sich HAI BAS für Motorolas 6800, Zilogs Z80 Intels 8080,8085 und 8088.

Trend zur Dezentralisierung

In den Niederlanden wie auch in anderen Staaten ist ein Trend zur Dezentralisierung erkennbar. Sowohl einheimische als auch ausländische Softwarelieferanten unterstützen diesen Trend. Unternehmen wie CM com, Cullinane, DMW, Laci und ADR sind im Lande tätig und unterhalten eigene Niederlassungen mit überwiegend niederländischem Personal. Softwarehäuser, die sich mit Turn-key-Projekten beschäftigen, spezialisieren sich zunehmend auf bestimmte Anwendungsgebiete. Diese Spezialisierung umfaßt Gebiete wie Finanzen, Verwaltung, Textverarbeitung, Managementhilfe. Im zuletzt genannten Bereich ist beispielsweise die Consulting Associates Gruppe tätig, ein international erfolgreich arbeitendes Unternehmen mit eigener Niederlassung in der Schweiz.

Die niederländische Softwareindustrie will durch ihre eigenen Entwicklungen in naher Zukunft internationale Beachtung finden.

Anschriften:

Cosso, Postbus 5451, 1007 AL Amsterdam, Tel.: 00 31 20/73 95 51

Vifka, Scheveningseweg 42, 2517 KV Den Haal Tel.: 00 31 70/54 51 03

NSV, Kerkeboslaan 1, 2243 CM Wassenaar, Tel.: 00 31 17 51/7 82 30

Holland Automation Int. BV, 4050 Mönchengladbach

Du Prie Dynamic Systems, Wiebautstraat 135139, Amsterdam, Tel.: 00 31 20/93 28 38