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31.01.1992 - 

Leistung und Lizenzpolitik als Waffen

Mit neuen Modellen bietet NEC der Cray Research Inc. die Stirn

MÜNCHEN (jm) - Mit der neuen Modellreihe "SX-3 R" der erstmals im April 1989 präsentierten SX-3-Superrechner-Linie will NEC am Image und Umsatz des Superrechner-Marktführers Cray Research Inc. kratzen. Gegenüber den älteren Modellen änderte sich sowohl die Taktzeit als auch - durch ein geändertes Chip-Layout - die Speicherkapazität sowohl für den Haupt- als auch für den Zusatzspeicher.

Insgesamt zehn neue Modelle umfaßt die SX-3-R-Linie. Das Topmodell "44R" bringt es nach NEC-Angaben auf 25,6 Gflops maximale Vektor-Rechenleistung, überträfe somit das leistungsstärkste C-90-Modell von Cray Research um 1,6 Gflops in der Spitzenleistung. Insider verweisen jedoch darauf, daß diese sogenannte Peak-Performance nicht mehr als theoretischen Wert besitze und in der Praxis keine Rolle spiele. Cray-Verantwortliche hoben denn auch auf diesen Punkt ab und meinten, bei Alltagsrechenproblemen überträfen ihre Rechner die von NEC um bis das Fünffache.

Bei den SX-3-R-Modellen (R steht hierbei laut NEC-Angaben für Renew und Reinforce) konnten die japanischen Entwickler die Taktzeit von 2,9 (SX-3-Systeme) auf 2,5 Nanosekunden verkürzen. Dadurch werde über die gesamte Palette für die jeweiligen Systeme ein Rechenleistungszuwachs von durchschnittlich 16 Prozent erzielt. Die Speicherkapazitäten wuchsen von 2 GB für den Hauptspeicher auf das Vierfache, der Zusatzspeicher ist nun statt für 16 auf 64 GB ausgelegt.

Außerdem wichen die NEC-Ingenieure vom bisherigen Konzept ab, pro Vektoreinheit nie mehrere CPUs zuzuordnen: Das heißt nach der NEC-Nomenklatur, die Modelle "21R" und "41R" verfügen über zwei beziehungsweise vier CPUs, denen jeweils nur eine Vektoreinheit beigestellt ist. Beim Topsystem - Modell 44R - etwa kommen hingegen auf je eine der vier CPUs vier (insgesamt also 16) Vektoreinheiten.

Alle Modelle arbeiten unter "Super-UX", einem AT&T-Unix-Derivat, welches um BSD-4.3-Unix-Funktionen erweitert ist. NEC hatte schon anläßlich der Vorstellung der SX-3-Rechner festgestellt, Anwender könnten unter diesem Betriebssystem Standard-Unix-Applikationen fahren. Allerdings machten die Japaner hierzu keine weiteren Angaben.

Interessant an den Superrechnern aus Nippon ist auch, daß sie für I/O-Transaktionen über einen Hochgeschwindigkeits-Kanal verfügen, der die ANSI-Norm-Schnittstelle Hippi (High Performance Parallel Interface) unterstützt. Anwendern stehen damit auch Array-Speicher der IBM zur Verfügung.

NEC will ab September 1992 beginnen, die neuen Rechner zu vertreiben. Man hofft, etwa 80 Systeme in den kommenden vier Jahren an den Kunden zu bringen. Daß es die Japaner mit ihrem Supercomputer-Engagement dabei auch außerhalb des Heimatmarktes ernst meinen, wurde bereits im November 1990 deutlich: Zu diesem Zeitpunkt löste ein SX-3/11-Rechner am Regionalen Rechenzentrum der Universität Köln (RRZK) das Modell 72176 der damals bereits abgewickelten Supercomputer-Abteilung der Control Data Corp. (CDC) aus Minneapolis ab.

Lizenzabkommen sollen Cray erschüttern

Schon damals blies Supercomputer-Marktführer Cray Research ob der zunehmenden Leistungsfähigkeit der japanischen Number-Cruncher der Wind zunehmend kälter ins Gesicht: Die Kölner wiesen in Testläufen nach, daß der NEC-Rechner den im Zuge eines Gen-Forschungsprojektes abzuarbeitenden Algorithmus dreimal schneller löste als das vergleichbare Hochleistungsmodell von Cray Research. Sowohl die Luft- und Weltraum-Forschungsbehörde der Niederlande (NLR) als auch das Schweizerische Wissenschaftliche Rechenzentrum CSCS schworen sich auf Superrechner aus NEC-Produktion ein.

Diese drei in Europa installierten NEC-Systeme stellen zwar gegenüber den 75 XMP- und YMP-Systemen der Cray Research (19 Systeme allein in Deutschland) immer noch eine sehr kleine Zahl dar, aber die Japaner greifen die Amerikaner zunehmend durch umfangreiche Lizenzierungsabkommen an.

So will kein geringerer als die IBM in Japan NEC-Supercomputer der SX-3-Linie unter dem Big-Blue-Firmenzeichen verkaufen. Anläßlich des Deals machten Offizielle beider Unternehmen klar, daß momentan zwar nur an Verkäufe im Land der aufgehenden Sonne, zukünftig jedoch auch an eine überseeische Vermarktung der NEC-Systeme durch die IBM gedacht sei.

Eine weitere amerikanische Rechnerfirma, die mit ihren eigenen ETA-Superrechnern an den extrem hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben in diesem Computerbereich gescheiterte CDC, will nun ebenfalls unter die weiß-rote Fahne schlüpfen (vgl. CW Nr. 4 vom 24. Januar 1992, Seite 21: "NEC-Superrechner sollen..."): Bis zu 20 SX-3-Systeme verspricht sich NEC von den Akquisitionsaktivitäten der CDC in Nordamerika und Europa.

Mit ihren Schachzügen dürften die Japaner nach Ansicht von Marktkennern endlich einen Fuß in den amerikanischen Supercomputer-Markt bekommen. Bislang hatte NEC versuchte in den USA über die Tochtergesellschaft HNSX Supercomputers Inc. in Burlington, Massachusetts, Supercomputer abzusetzen.

Lediglich von der kanadischen Regierung konnte man allerdings im Mai vergangenen Jahres einen Auftrag an Land ziehen, in den USA selbst steht lediglich ein einziger NEC-Supercomputer im texanischen Houston.