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25.02.1977 - 

Nixdorf-Communication mit IBM

Mit Online-System Kundenservice verbessert

Mit dem Start des Online-Betriebes zwischen Schalter-Systemen vom Typ Nixdorf 8864 und dem Münchner Großrechenzentrum der Buchungszentrale Bayerischer Sparkassen (BBS) hat via die Kreis- und Stadtsparkasse Fürstenfeldbruck zum ersten Mal die Kommunikation der 8864/Systeme mit IBM-Rechnern begonnen.

Aus Paderborn wird berichtet, daß bislang zwölf Installationen mit dem Banken-Terminalcomputersystem 8864 1 realisiert wurden und der Auftrags- bestand zur Zeit 4000 Plätze im Wert von 120 Millionen Mark beträgt. Keineswegs die größte, aber eine besonders klar profilierte Anwendung kam in Fürstenfeldbruck zustande. Die Kreis- und Stadtsparkasse erreichte 1976 mit 143 000 Spar- und 48 000 Girokonten in allen üblichen Geschäfts- sparten eine Bilanzsumme von 930 Millionen Mark. Sie bewältigte in diesem Jahr 13,4 Millionen Buchungsposten; Tagesdurchschnitt: 53 000 Posten. Ein hoher Anteil davon entfällt auf Online-Verarbeitungen.

Erst 1975 löste dieses Institut sein DV-System IBM 360/20 (36 K) durch das Modell 370/115 mit 160 K und zwei Plattenspeichern je 70 Megabytes ab. Weil aber bereits konkrete Planungen für die Reorganisation des gesamten Schaltergeschäfts heranreiften, blieb diese Ausrüstung nur ein gutes Jahr Säule der Betriebsführung. Der im Januar 1976 bezogene Neubau einer Hauptverwaltung ist nach mo(...)nstem Service-Konzept gestaltet worden. Die weitläufige Schalterhalle zeigt die kundenorientierte Gliederung in einen Informations-, Kassen- und Beratungsbereich, denen alle Geschäftssparten zugeordnet sind. Voraussetzung hierfür war die Ablösung der konventionellen Kundenbedienung durch ein Online-System. Der damit verbundene DV-Aufwand veranlaßte die Sparkasse, der Buchungszentrale Bayerischer Sparkassen beizutreten. Sie hat das System 370/115 in abgerüsteter Konfiguration gekauft, um mit ihm künftig die Auswertungen durchzuführen, die die BBS nicht bietet.

Die erste Ausbaustufe des Online-Schaltersystems ist bereits im Oktober 1976 zum Zeitpunkt der Gebäude-Einweihung in Betrieb genommen worden. Sie besteht aus acht Schalterterminals mit numerischen Tastaturen und Sparbuchdruck, zwei Terminals im Annahmebereich und einem Platz im Dispositionsbereich. Noch in diesen Monaten wird die Installation auf 14 Plätze anwachsen. Im Endausbau der 1978 erreicht sein wird, sind insgesamt 40 Terminals vorgesehen Dann werden auch die 15 Zweigstellen im Online-Betrieb arbeiten.

Neben Dialogverkehr auch Batchbetrieb

Alle diese Geräte sind Masterterminals mit 32 K-Anwendungsprogramm-Speichern zugeordnet. Sie sind offlinefähig und stehen über Mietleitungen mit den Duplex-Konfigurationen 370/158 in München in Verbindung. Die Übertragungsleistung von 9600 bit/s kann durch umschaltbare Mehrkanalmodems in 2x 4800 bit/s gesplittet werden. Daher läßt sich simultan zum Dialogbetrieb der Terminals auch eine Stapelfernverarbeitung durchführen. Das geschieht im Bereich des unbaren Zahlungsverkehrs mit einem Nixdorf-Datensammelsystem 620 (11 Bildschirmplätze).

Der Online-Betrieb erstreckt sich bereits heute auf sämtliche Abwicklungen im Spar- und Kontokorrentverkehr. Zur Zeit werden im Tagesdurchschnitt rund 2000 Kassenposten mit den Terminals bearbeitet.

Hauptziel ist es, im Kundenverkehr Wartezeiten und Schreiberei zu verringern und zugleich den Informationszustand der Datenverarbeitung zu verbessern. Die Sparkasse hat das mit erheblichen Rationalisierungen zum Vorteil der Kunden verbinden können. So werden heute etwa Überweisungsaufträge nicht mehr an den Schaltern abgegeben, sondern in einen hierfür aufgestellten Groß-"Briefkasten" geworfen. Bei Auszahlungen läßt sich das Institut keinerlei Formulare mehr ausfüllen. Die Konteninhaber übergeben dem Kassierer lediglich ihre Scheckkarte. Nach Eingabe der Kontonummer und des Abhebungsbetrags druckt das Terminal eine Quittung, die der Kunde unterschreibt: ein Ablauf von weniger als einer Minute, in dem das System alle zur Disposition erforderlichen Verfügungs- und Identifikationskontrollen ausführt.

Gegen Zusammenbruch nicht gefeit

Die bislang gesammelten Erfahrungen im praktischen Betrieb zeigen, daß die Rückantwortzeit durchschnittlich 2,5 Sekunden beträgt. Noch erheblich verbessert werden muß die Verfügbarkeit des zentralen Systems. Auch kam es ausgerechnet am 3. Januar mitten im Spitzenbetrieb mit Sparnachträgen zu einem dreitägigen Ausfall eines der beiden zentralen Rechner. Die BBS ist dabei, sich gegen ähnliche Situationen durch eine forcierte Systementwicklung zu wappnen.

Ab 1978 will der Bayerische Sparkassen- und Giroverband allen Sparkassen die mit der BBS zusammenarbeiten, den Online-Betrieb zugänglich machen. Schon heute betreut sie, wie Hermann Faust als Direktor der betriebswirtschaftlichen Abteilung berichtet, die überwiegende Mehrzahl der bayerischen Sparkassen: 117 Institute mit einer Bilanzsumme von 40 Milliarden Mark. 1976 wurden 342 Millionen Buchungsposten verarbeitet und 148 Millionen Kontoauszüge erstellt "In einigen Jahren wird nur noch das kleinste Institut in Bayern ohne EDV sein", sagt Faust und witzelt: "Diese Sparkasse wollen wir uns als Andenken aufheben. Um den Lehrlingen zeigen zu können, wie es früher einmal war.. . "

Herbert F. W. Schramm ist freier EDV-Fachjournalist