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04.02.2000 - 

Vorerst auf AIX beschränkt

Mit Pase öffnet IBM die AS/400 für Unix-Applikationen

MÜNCHEN (ue) - Das "Portable Application Solutions Environment" (Pase) soll Unix-Applikationen einen nativen Zugriff auf die AS/400 erschließen. Das zunächst auf AIX-Produkte ausgelegte Runtime-System wird aller Voraussicht nach auf Linux erweitert.

Aufgrund ihrer gemeinsamen Hardwarebasis mit der RS/6000 bietet die AS/400 bereits seit der Einführung der "E-Series" im Jahr 1997 die Möglichkeit, den Power-PC-Prozessor im OS/400- oder AIX-Mode laufen zu lassen. Pase stellt nun eine für IBM kommerziell nutzbare Erweiterung dieser Technik dar, die es erlaubt, AIX-Applikationen zusammen mit ILE-Programmen auf der AS/400 zu betreiben (bei ILE handelt es sich um das mit RPG IV eingeführte Integrated Language Environment, das AS/400-Programmierern neben RPG- und Cobol-Schnittstellen auch Interfaces zu C und C++ bietet).

Technisch gesehen besteht Pase aus einer Reihe von AIX-Libraries und Interfaces, die als Laufzeitumgebung dafür sorgen, dass die Binaries der AIX-Applikationen direkt auf dem Prozessor ausgeführt werden. Als OS/400-Feature nutzt Pase das File-System, die Datenbank (DB2/400) sowie die System-Management- und Sicherheitskomponenten des AS/400-Betriebssystems. Eine eigene Applikations-Entwicklungsumgebung gibt es nicht, auch der Einsatz von Unix-Datenbanken wie Oracle ist nicht möglich.

IBM hat damit eine weitere Option geschaffen, Drittapplikationen in eine AS/400-Umgebung zu integrieren. Interoperabilität bestand bislang schon zwischen den ILE-Programmen (meist in Form von ERP-Lösungen) und den für "Websphere" geschriebenen Java-Anwendungen, die sich ebenfalls als Runtime in das Betriebssystem integrieren lassen. Ähnliches gilt für Applikationen der Lotus-Groupware "Domino", mit dem Unterschied, dass diese Anwendungen auf einer eigenen Datenbank aufsetzen. Schließlich kann die AS/400 über den Einschub eines "Netfinity-Server" um eine, wenn auch nicht nativ integrierte Intel-NT-Umgebung erweitert werden.

Den Verdacht, dass frühere AS/400-Shops, die jetzt vermehrt auf NT und diverse Unix-Derivate setzen, mit Pase wieder für die AS/400 gewonnen werden sollen, weist der für IBMs weltweites AS/400-Marketing zuständige Manager Ian Jarman entschieden zurück. Zielgruppe seien in erster Linie Hersteller, die mit IBM-Plattformen vertraut sind und ohnehin schon Lösungen für AIX anbieten oder geplant haben. Diese hätten mit Pase ein relativ leichtes Spiel, wenn sie zusätzlich den AS/400-Markt angehen wollen.

Als ein Beispiel nennt Jarman den ERP-Anbieter und IBM-Partner J.D.Edwards, der ursprünglich aus dem AS/400-Lager kommt und im Herbst letzten Jahres die Firma Numetrix mit deren Lösung für das Supply-Chain-Management (SCM) übernommen hat. Numetrix habe sich sehr viel AIX-Know-how angeeignet, im AS/400-Umfeld jedoch keine Kenntnisse. Pase biete J.D. Edwards nun die Möglichkeit, die AIX-Variante der SCM-Suite in sehr kurzer Zeit auch für die AS/400-Klientel zur Verfügung zu stellen. Es spielt also keine Rolle, so Jarman, ob ein Hersteller für AIX oder NT beziehungsweise in Java entwickelt.

Konsequenzen könnte Pase auch für das von IBM kürzlich abgegebene Bekenntnis zu einem verstärkten Linux-Engagement haben. Im Bereich der AS/400 wird eine Interoperabilität mit Linux ohnehin schon unterstützt. So lässt sich die "AS/400-Java-Toolbox" auf einem Linux-Client betreiben, um von dort auf die AS/400-Datenbank zuzugreifen. Eine erweiterte Linux-Unterstützung wird laut Jarman jedoch nicht - wie vielfach angenommen - über den in die AS/400 integrierten Netfinity-Server erfolgen. Als Langzeitstrategie stellt sich der IBM-Manager vor, über die Pase-Technik neben AIX auch andere Unix-Varianten wie Linux oder das aus dem Monterey-Projekt resultierende und AIX-nahe Derivat zu nutzen.