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29.07.1994

Mit Perfectoffice soll erste echte Netzwerksuite auf den Markt kommen Wordperfect fungiert kuenftig als Novells Application Group

MUENCHEN (hi) - Nach Abschluss der Fusion von Wordperfect und Novell sucht die neue Novell Wordperfect GmbH nun nach einer gemeinsamen Corporate Identity. Im Moment hat das Unternehmen mit dem Imageproblem zu kaempfen, dass Novell als Netware-Company nur in Netzwerkkreisen bekannt und fuer einen breiteren Anwenderkreis im Gegensatz etwa zu Microsoft ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Mit grossangelegten Sponsoring-Massnahmen wie der Unterstuetzung der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) will Novell, laut Marketing-Manager Sven Kielgas "der bestgehuetetste Geheimtip der Industrie", seinen Bekanntheitsgrad erhoehen. Handlungsbedarf besteht, denn im Idealfall, so ein Novell-Mitarbeiter, "laufen die Produkte reibungslos im Untergrund, und der Anwender merkt nicht, dass er mit unserer Netzsoftware arbeitet."

Ein Umstand, der fuer die Plaene des Unternehmens, nach der Fusion im Bereich Small Office Home Office (Soho) verstaerkt aktiv zu werden, eher kontraproduktiv ist. Neben dem Engagement im Soho- Markt will die Company nach den Worten von Kielgas auch auf der "Groupware-Wave" reiten. Schliesslich habe man Wordperfect nicht wegen seiner Produkte, sondern aufgrund des Know-hows in Sachen Groupware gekauft. Ganz unbescheiden moechte das Unternehmen mit dem Groupware-Engagement eine Milliarde User weltweit erreichen und spaetestens im Jahre 2000 keine Einzelplatzversion mehr verkaufen. Zur Zeit hat Wordperfect rund 16 Millionen, Novell etwa 40 Millionen User.

Den Versuch, im Bereich des Workgroup-Computing Tritt zu fassen, spiegelt auch die neue Novell-Organisation wider: Statt der bisher vier Areas gibt es kuenftig in Europa drei Regions, wobei die Duesseldorfer unter der Leitung von Willy Soehngen Deutschland, die Schweiz und Oesterreich sowie die Laender Osteuropas betreuen. Zusaetzlich wurden neue Direktionsbereiche fuer das Enterprise Marketing, Consumer Marketing und Applications Marketing eingerichtet.

Innerhalb der gewandelten Struktur fungiert Wordperfect kuenftig als Novells Application Group. Initiator der europaeischen Neuorganisation war der kuerzlich im Alter von 43 Jahren verstorbene Greg Fallon, Novells Vice-President fuer Europa. Kielgas schaetzte ihn als einen besonders europaeischen Amerikaner, "der es geschafft hat, die Animositaeten zwischen Briten, Franzosen und Deutschen zu ueberbruecken".

Die Neustrukturierung wird entgegen anderslautenden, in diversen Mailboxen kolportierten Geruechten laut Kielgas in Europa rund 40 Arbeitsplaetze kosten, da die Bereiche Administration und Organisation kuenftig zusammengelegt werden. Mit der neuen Struktur will das Unternehmen je Mitarbeiter und Jahr eine Million Mark Umsatz erwirtschaften. Bisher erzielte Novell einen Pro-Kopf- Ertrag von 1,4 Millionen, waehrend Wordperfect bei 450000 Mark lag.

Allerdings scheinen die Wall-Street-Analysten die Zuversicht der Company nicht zu teilen. An der Boerse sank der Wert fuer eine Novell-Aktie auf gut 17 Dollar, so dass der in Aktien zu zahlende Kaufpreis fuer Wordperfect statt 1,4 Milliarden nur noch 900 Millionen Dollar betrug.

Erster nach aussen sichtbarer Synergieeffekt der Company, die im naechsten Jahr ein Umsatzplus von 20 Prozent erzielen will, soll das im Herbst auf den Markt kommende "Perfectoffice" sein. Dabei handelt es sich, so die Eigenwerbung, um die erste wirkliche Netzwerksuite, die zudem im Gegensatz zu bisherigen Produkten einen konsequenten loesungsorientierten Ansatz verfolge. Mit der endgueltigen Version ist die Auslieferung von 20 sogenannten Quicktasks geplant, die ein schnelles Versenden von Faxen oder das Erstellen eines Geschaeftsberichtes erleichtern sollen, da der Anwender nicht mehr wissen muesse, welche Applikation dazu noetig ist. Zudem ist Perfectoffice laut Kielgas im Gegensatz zu den Produkten der "Mitbewunderer" das erste Office-Paket, das durchgaengig OLE 2.0 unterstuetzt.