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29.03.1991 - 

"Netware ist an jeder Ecke zu Spottpreisen zu kaufen"

Mit Peter Weger, Ex-Geschäftsführer der 3Com GmbH, sprach CW-Redakteur Peter Gruber.

CW: Warum sind Sie als Geschäftsführer zurückgetreten? Hat der Verkauf der 3Com-Rechte am LAN Manager eine Rolle gespielt?

Weger: Nein, den habe ich ebenso wie die Personalreduktion mitgetragen. Das war nicht das Thema. Der Grund war vielmehr, daß die Subsidaries mittelfristig nur noch reine Sales und Marketing-Funktionen ohne kreativen Freiraum wahrnehmen werden. Das ist mir zu wenig.

CW: Warum hat 3Com sein Produkt 3 + Open mit allen Features Microsoft überlassen?

Weger: Das Unternehmen hat vor einem Jahr festgestellt, daß es in zu vielen Produktsegmenten aktiv war. Da gab es den LAN Manager, die IBM-Connectivity, Internetworking, Adapterkarten, Netz-Management und vieles mehr. Diese Produktvielfalt kann sich nicht einmal eine Company wie DEC leisten. Deshalb mußte sich 3Com überlegen, welchen Bereich es künftig abdecken und wo es erfolgreich sein will. Dieser Planung fielen eben der LAN Manager und die IBM-Connectivity zum Opfer.

Im Fall LAN Manager haben wir natürlich auch gesehen, daß Microsoft seinerseits aktiv wurde und Distributionskanäle aufbaut. Es hat für 3Com keinen Sinn, Microsoft da Konkurrenz zu machen.

CW: Ist es nicht gefährlich, gerade auf den LAN Manager und das IBM-Gateway zu verzichten? Der LAN Manager konnte zukunftsträchtig sein, und IBM-Connectivity kann bei der Dominanz von Big Blue nie schaden.

Weger: Natürlich ist IBM-Connectivity nie verkehrt. Aber das Gateway zur IBM-Welt und der LAN Manager waren nicht die Produkte, womit 3Com das große Geld gemacht hat.

CW: Microsoft erzielt mit dem LAN Manager momentan aber auch noch keinen Profit.

Weger: Das ist etwas anders. Die sind erstens Hersteller des Produktes und können es sich außerdem leisten, längere Zeit damit keinen Gewinn zu machen.

CW: Kehrt 3Com dem Softwaregeschäft jetzt völlig den Rucken?

Weger: Im Grunde ja. Es handelt sich sicher um eine Positionierung im Hardwarebereich, wobei zur Hardware heute ja jede Menge Software gehört. Eine Bridge zum Beispiel besteht hauptsächlich aus Software.

CW: Wo sollen die Schwerpunkte in Zukunft liegen?

Weger: Natürlich weiterhin bei Adapterkarten und in Zukunft mit Sicherheit im Bereich Internetworking. Dort wird sich 3Com auf Hubsysteme konzentrieren.

CW: Auf diesem Sektor ist die Konkurrenz mit Cabletron, Cisco, Synoptics und anderen Herstellern nicht gerade klein.

Weger: Sicherlich, aber 3Com hofft, mit seinem Namen und neuen Technologien, die es in diesem Sektor auf den Markt bringen will, die Konkurrenz überholen zu können. Das Unternehmen wird versuchen, innerhalb von neun bis zwölf Monaten diesen Markt zu übernehmen.

CW: Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das kaum zu realisieren sein dürfte.

Weger: Das ist eines der Probleme momentan. Die Company muß jetzt nämlich klar sagen, wie sie sich positionieren will. Dem Kunden muß jetzt glaubhaft versichert werden, daß 3Com spätestens in einem Jahr der richtige Partner ist. Das ist nicht leicht zu vermitteln.

CW: Ist die Umstrukturierung bei 3Com eine Festlegung auf die Produktlinie von Bridge, das von 3Com vor Jahren aufgekauft wurde?

Weger: Ja. 3Com entwickelt sich jetzt zu einer Firma, wie es Bridge früher war, plus einem Adapter-Busineß von 250 Millionen Dollar.

CW: Wie sieht es jetzt mit dem Support für bisherige 3Com-Kunden aus?

Weger: Die Support-Organisation wurde relativ geringfügig gekürzt. Alle Produkte, die 3Com bisher verkauft hat, müßten eigentlich weiter betreut werden. Auf Dauer wird sich diese Organisation aber sicherlich ausdünnen.

CW: Neben dem Rückzug von 3Com war das Novell-IBM-Announcement der Knüller in der LAN-Szene. Welche Bedeutung messen Sie diesem Agreement bei?

Weger: Das Announcement muß nicht unbedingt bedeuten, daß IBM jetzt nur noch hundertprozentig Netware verkaufen möchte. Letztlich wird nur legalisiert, was IBM bisher stillschweigend toleriert hat, - nämlich daß IBM-Händler auch Netware verkaufen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß IBM Boxen bei Novell bestellen und dann vertreiben wird. Das wäre nicht sehr sinnvoll .

Man kann Netware sowieso schon an jeder Ecke zu einem Spottpreis haben. Wie will IBM da noch einen Added Value bringen? Der Vorteil für IBM liegt darin, daß man jetzt sagt: Netware-User, ihr seid uns nicht egal. Damit ist der Kunde glücklich, und es winkt ein zusätzliches Geschäft.

Auf der anderen Seite zeigt dieses Abkommen deutlich den Trend, daß sich die Hersteller gegenseitig anpassen. Novell gibt seinen proprietären Ansatz auf, Microsoft wird Windows und den Presentation Manager für LAN-Systeme öffnen und Banyan hat ebenso Connectivity für Vines angekündigt.

CW: Welche Auswirkung hat das Announcement auf den LAN Server?

Weger: Die angekündigte Connectivity von Netware zum LAN Server ist für beide Seiten von Vorteil. Damit wird dem Kunden die Kaufentscheidung leichter gemacht.

CW: Kauft er jetzt doch eher den LAN Server?

Weger: Er wird sich für das Produkt entscheiden, von dem er sich strategisch das meiste verspricht.

CW: Wird es für den Anwender in naher Zukunft egal sein, welches Netzwerk Betriebssystem er nutzt?

Weger: Im Prinzip ja. Trotzdem glaube ich nicht, daß sich Netware langfristig gegen den LAN Manager von Microsoft durchsetzen kann. Novell wird nach dem Announcement zwar nochmals einen Aufwind verspüren und weiter gute Erfolge erzielen, aber in anderthalb Jahren rechne ich mit einem einsetzenden Boom für den LAN Manager. Microsoft wird den Markt jedenfalls nicht freiwillig Novell überlassen und sich Stück für Stück die "Large Accounts" hollen.

CW: Was macht Sie so sicher?

Weger: Sobald die Ebene erreicht ist, wo es dem User egal ist, ob er einen Netware- oder LAN-Manager-Server anspricht, zählen nur noch infrastrukturelle Kriterien, wie zum Beispiel Connectivity oder ein zweiter Protokoll-Stack. In diesen Bereichen hat der LAN Manager gegenüber Netware ganz klare Vorteile, insbesondere bei großen Netzwerken.

CW: Wie weit sind wir von dem Punkt noch entfernt, wo der Anwender beliebig Netware oder den LAN Manager einsetzen kann?

Weger: Das hängt hauptsächlich von Novell und Microsoft selbst ab. Tatsache ist, daß Microsoft die Netware-Dienste von 3Com mit übernommen hat, die werden also sicher bald für den Anwender relevant. Ob Novell will oder nicht, Microsoft wird IPX als zusätzlichen Protokoll-Stack anbieten und dem Kunden damit Netware-Connectivity bereitstellen. Es wäre ein Fehler, wenn sich Novell querstellen würde, denn mit allen Features, die Microsoft von 3Com gekauft hat, schaffen die es auch allein.

Ich bin mir aber auch sicher daß sich Novell der Außenwelt öffnet.

CW: Microsoft hat im September l 990 groß den Einstieg ins LAN Geschäft postuliert. Wie schätzen Sie die Chance ein, mit dem LAN Manager in drei Jahren die beabsichtigten 50 Prozent verkaufter Units zu erreichen ?

Weger: Das ist sicher sehr schwer. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man kauft sich den Markt oder investiert gigantische Summen. Ich weiß nicht, ob eine dieser beiden Strategien angedacht ist.

Es ist in jedem Fall nach wie vor erklärtes Ziel von Microsoft, den LAN Manager erfolgreich zu machen. Die werden den Teufel tun und sich zurückziehen, eben weil es ein erfolgversprechender zukünftiger Markt ist. Meines Erachtens muß sich Microsoft jetzt vor allem auf seine eigenen Entwickler stützen und darf sich nicht mehr so stark auf die OEMs verlassen.