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30.06.1995 - 

Escala-Acht-Wege-System und Escala-Cluster praesentiert

Mit Power-PC-Systemen Estrella draengt Bull in den RISC-Markt

PARIS - Die Open Software und Systems Division (OSS) der Groupe Bull stellte in Paris die auf der Power-PC-Technologie basierende Einstiegs-Server-Linie "Estrella" vor. Ausserdem praesentierte die Division verschiedene neue Mitglieder der Escala-Familie - vom Acht-Wege-Unix-Server, ueber Escala-Cluster bis hin zu vier dedizierten Datenbank-Servern, die wahlweise mit vorkonfigurierter Oracle- oder Informix-Datenbank zu haben sind.

Auf der Veranstaltung sicherte der Pariser Computerfabrikant den kuenftigen Privataktionaeren des Unternehmens zu, die OSS- Geschaeftssparte werde Ende 1995 rentabel arbeiten. Im Laufe des kommenden Jahres wuerden auch alle uebrigen Divisionen schwarze Zahlen schreiben.

Genau eine Woche vor der IBM schob Bull seine aus fuenf Tisch- beziehungsweise Minitower-Modellen bestehende PC-Server-Linie Estrella in den Markt. Das Einstiegsmodell mit der "603"-CPU (66 Megahertz) mit 250 KB Second-Level-Cache und PCI-Bus wird ohne Zubehoer rund 3700 Dollar kosten. Die Server arbeiten unter IBMs Unix-Derivat AIX. Eine Version unter Windows NT folgt laut Alain Couder, Leiter der Open Systems and Software Division von Bull, "in Kuerze".

Der Brancheninformationsdienst "Computergram" zitiert darueber hinaus Didier Breton, Vice-President der Open Systems and Software Division, mit der Aussage, das Sun-Betriebssystem Solaris sei erst ab 1996 erhaeltlich. Fuer Netware auf den Estrella-Maschinen wollte Breton kein Verfuegbarkeitsdatum nennen, man "arbeite daran". Dem widersprach Michael Motro, European Vice-President von Bulls PC- Tochter Zenith Data Systems (ZDS). Motro zufolge gibt es ueberhaupt keine Plaene, Netware auf die Estrella-Systeme zu bringen.

Die Estrella-Maschinen dienen als Einstieg in Bulls Rechnerfamilie mit RISC-Prozessoren. Diese reicht von den Escala- und "DPX-20"- Monoprozessor-Systemen ueber die Escala-Vier- und jetzt auch Acht- Wege-Modelle bis hoch zu geclusterten Escala-Rechnerverbuenden.

Die Escala-Modelle wurden erstmals im Herbst 1994 vorgestellt, bis Ende Juni dieses Jahres sind nach Bull-Angaben 2000 Bestellungen fuer die Multi-CPU-Server eingegangen.

Um den sogenannten Open-Systems-Markt in voller Breite anzugehen, sucht Bull nach Angaben Couders "solide Partnerschaften unter Erschliessung aller direkten und indirekten Vertriebswege". Estrella wird darum sowohl durch die Open-Systems-Division verkauft als auch ueber ZDS.

"Computergram" zitiert ZDS-Mann Motro mit der Aussage, ab Juli 1995 stuenden auch Estrella-Systeme zur Verfuegung, die mit der Power-PC-CPU "604" (100 Megahertz Taktrate) arbeiten. Diese und alle zukuenftigen Power-PC-Rechner wuerden dann als Zenith-Maschinen vertrieben. Mit dieser Strategie wolle sich die OSS-Division Zeniths Know-how bei indirekten Vertriebskanaelen zunutze machen. Alle bis dato gefertigten 603-Rechner liessen sich, so Breton, auf die 604-Maschinen aufruesten.

Gleichzeitig entwickelte das Unternehmen diverse Softwareloesungen. Mit ihnen will man Kunden, die bisher nicht auf Bull-Plattformen arbeiten oder sich noch auf aeltere Unix- und proprietaere Minicomputer-Systeme stuetzen, schrittweise an RISC-Konfigurationen in Unix-Umgebungen heranfuehren.

Diese Loesungen stehen auch VARs, Distributoren, Systemhaeusern und Anwendungsentwicklern zur Verfuegung. Couder begruendete die optimistische Ertragsprognose fuer seine Division im uebrigen mit einem um 26 Prozent hoeheren Auftragseingang im ersten Kalenderquartal 1995 sowie einer um 36 Prozent besseren Bruttomarge infolge von mehr Umsatz und gesteigerter Produktivitaet.

Bei der Praesentation der neuen Produkte und Loesungen unterstellte OSS-Chef Couder dem kuenftigen Aktionaer Motorola, dieser wolle im kommenden Herbst nur dann wie angekuendigt zehn Prozent vom Bull- Kapital uebernehmen, wenn dort bestimmte Bedingungen "bei Margen und Cashflow" erfuellt seien. Motorola-Praesident Chris Galvin bestritt in einem Interview mit der franzoesischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" jedoch die Existenz irgendwelcher Bedingungen fuer die Transaktion. Die bisher erreichten Verbesserungen in der Bilanzstruktur und Entwicklungsstrategie von Bull rechtfertigten den Erwerb der Beteiligung bereits. Die Aufstockung der Motorola-Beteiligung auf 17 Prozent in der zweiten Privatisierungsphase sei dagegen "technisch gesehen vorerst noch eine blosse Option".

Das erste und zweite Quartal 1995 verliefen fuer Bull vor allem am franzoesischen Markt schwach. Die Geschaeftsleitung draengt daher auf rasche Verwirklichung eines Sozialplans, der die Lohnsumme des Konzerns noch in diesem Jahr um 158 Millionen Francs kuerzen soll. Dadurch gingen in Frankreich allerdings weitere 944 Arbeitsplaetze verloren, weshalb der Betriebsrat des Unternehmens eine erste Version des Plans zunaechst gerichtlich anfocht.

Generaldirektor Jean-Marie Descarpentries drohte daraufhin mit dem Verkauf randstaendiger Aktivitaeten, denn es komme fuer ihn nicht in Frage, mit dem letztmaligen Kapitalnachschuss der oeffentlichen Hand "idiotische Verluste" zu finanzieren. Doch seien "90 bis 95 Prozent der Aktivitaeten" des Konzerns zu erhalten, beruhigte er gleichzeitig die Arbeitnehmervertreter. Die neue Fassung des Sozialplans muesse aber bis Ende Juli unter Dach und Fach sein. Denn nur so koenne er alten und neuen Aktionaeren von Bull garantieren, dass bis Ende 1995 alle Divisionen des Unternehmens "operationell profitabel" arbeiten wuerden.

(Zu diesem Artikel hat Jan-Bernd Meyer beigetragen)